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Letzte Aktualisierung: 17.05.2021

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Preisexplosion bei Baumaterialien und Lieferengpässe

Preisexplosion bei Baumaterialien und Lieferengpässe

von Karl-Heinz Stier

(30.04.2021) „Die Bauwirtschaft war während der Corona-Pandemie bisher ein Motor für die deutsche Konjunktur, jetzt drohen Verzögerungen bei Bauprojekten oder sogar Baustopps", kommentiert Dr. Burkhard Siebert, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen e.V. (BIV), die aktuelle Preisexplosion und die großen Lieferprobleme bei wichtigen Baumaterialien.

Die Branche verzeichnet aktuell außergewöhnlich schnelle Preissteigerungen bei Holz, Dämmstoffen, Bitumen, Stahl und Blechen, aber auch bei Dachpappe und  Schrauben, Kunststoffen, PVC sowie Farben und Lacken. In den jüngsten zwölf Monaten sind die Weltmarktpreise für Holz um über 300 Prozent, Preise für Betonstahl in Stäben um knapp 26 Prozent, für Bitumen um gut 21 Prozent, bei Kanalgrundrohen um 50 Prozent und bei Kunststoffen um etwa 17 Prozent gestiegen. Die Preise für Baustahl sind seit Jahresbeginn sogar um 40 Prozent gestiegen. „Für die Unternehmen war das eine völlig unvorhersehbare Entwicklung. Sie leiden unter zum Teil monatelangen Lieferfristen oder unverbindlichen Lieferzusagen“, so Dr. Burkhard Siebert: „Und wir sehen in den nächsten Monaten keine Anzeichen für eine Entspannung. Im Gegenteil, zahlreiche Hersteller und Lieferanten haben weitere Preissteigerungen angekündigt.“ Gründe für den Anstieg sind begrenzte Lieferkapazitäten der Hersteller wegen der anziehenden Nachfrage im Automobilsektor und im Maschinenbau, und die belebte Konjunktur in Asien führt zu steigenden Rohstoffpreisen. Gleichzeitig wurden von den Herstellern wegen jahrelang stagnierender Preise Überkapazitäten abgebaut und Investitionen zurückgefahren " . Hinzu  kämen ein wachsendes Interesse von Investoren an Rohstoffen, um sich gegen Inflation abzusichern. Auch wird über „Hamsterkäufe“ zur Vorbeugung von Materialknappheit berichtet, was Nachfrage wie Preise zusätzlich in die Höhe treibt. „Preisanstieg und Liederengpässe stellen Planer, Investoren und vor allem Bauunternehmen vor große Herausforderungen. Die höheren Preise werden sich in Angeboten künftiger Ausschreibungen niederschlagen“, schätzt der BIV-Hauptgeschäftsführer die Lage ein. Die gesamten Bauleistungen werden deutlich teurer werden.  Angesichts der Materialknappheit  sei  es nicht ausgeschlossen, dass es auf Baustellen zu Verzögerungen oder sogar zum Baustopp kommen könne. Deshalb gehe  es nun darum, gemeinsam mit Auftraggebern, Herstellern und Lieferanten partnerschaftliche Lösungen zu finden: Fristen müss t en angemessen verlängert werden, alternative Bauweisen erwogen werden.