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Preise auf Rekordniveau: Wie die EU den Autokauf verteuert

Autofahren in Deutschland wird seit Jahren teurer. Neben steigenden Spritpreisen, Steuern und Abgaben, müssen Verbraucher auch beim Autokauf immer tiefer in die Tasche greifen. Während ein Neuwagen 2013 durchschnittlich 25.000 Euro kostete, sind es aktuell schon rund 44.000 Euro. Zwar sind moderne Fahrzeuge mit immer mehr Technik ausgestattet, die auch ihren Preis hat, allerdings könnten die Kosten eigentlich deutlich günstiger sein, wenn die Europäische Union den Kauf nicht zusätzlich verteuern würde.

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Symbolfoto
Foto: Pixabay / PaHelsberg

In diesem Jahr treten wieder einmal neue EU-Regelungen in Kraft, die sich auf die Kaufpreise von Pkw auswirken. 

Neuwagen – Preisexplosion durch mehr Komfort und Technik

Vergleicht man aktuelle Mittelklasse-Neuwagen mit neuen Modellen aus den 1990er Jahren, fällt einem, neben designtechnischen Aspekten, nicht nur auf, dass sie insgesamt deutlich größer geworden sind, sondern auch mehr Komfort und vor allem Technik bieten: 7-10 Airbags, ESP/Stabilitätskontrolle, Spurhalteassistenten, Notbremsassistenten etc. Touchscreens, adaptive Tempomaten, teilautonomes Fahren und Co. machen moderne Fahrzeuge ohnehin teurer, als vor einigen Jahrzehnten. Ob das alles unbedingt notwendig ist, ist zwar eine berechtigte Frage, allerdings gibt es am Markt kaum Alternativen, sofern man in jedem Fall ein Neufahrzeug kaufen möchte.  Doch woran liegt das eigentlich?

Verpflichtende Sicherheits- und Assistenzsysteme verteuern Pkw-Neuzulassungen

Die neuen EU-Vorgaben, die Anfang des Jahres in Kraft traten, schreiben vor, dass alle neu zugelassenen Pkw über zahlreiche Assistenz- und Sicherheitssysteme ausgestattet sein müssen, welche Neuwagen zunehmend teurer machen. Dazu zählt unter anderem die Notbremse, die zwar schon seit 2024 gesetzlich vorgeschrieben ist, ab diesem Jahr allerdings nicht mehr nur andere Fahrzeuge erkennen muss, sondern darüber hinaus auch Fahrradfahrer und Fußgänger. Darüber hinaus wird auch ein Notfallspurassistent Pflicht, wenn ein neues Fahrzeug zugelassen werden soll, sowie das sogenannte Next-Generation-eCall-System.

Letzteres setzt, sofern es einen Unfall registriert, automatisch einen Notruf über das 4G- oder 5G-Netz, wodurch die Fahrzeuge permanent mit dem Mobilfunknetz verbunden und somit ortbar sind. Neben den technischen Vorgaben, die den Autokauf teurer machen, sind es auch EU-Vorgaben, welche sich auf die Produktionskosten der Hersteller auswirken.

Hersteller geben zusätzliche Kosten an Käufer weiter

Seit Jahren sorgen EU-Regelungen und Verordnungen für kontinuierliche Preisanstiege beim Autokauf, indem sie Vorgaben verschären und Fahrzeughersteller die höheren Produktionskosten an ihre Käufer weitergeben. Bereits 2009 wurden strengere CO₂-Grenzwerte für Neuwagen eingeführt, wodurch Hersteller gezwungen wurden, vermehrt teure Technologien wie Hybrid- oder Elektroantriebe einzuführen. Darüber hinaus hat die EU mit der CO₂-Flottenbillanz festgelegt, wie viel CO₂ Neufahrzeuge maximal ausstoßen dürfen, was die Kosten zusätzlich steigen lässt: 

Neun Prozent Mehrkosten verursachen die von der EU auferlegten Strafzahlungen für das Überschreiten der politisch vorgegebenen CO₂-Flottengrenzwerte bei einem Smart derzeit laut Berechnungen auf https://kfz-versicherungen.com/ratgeber/wie-die-cafe-regel-den-autokauf-in-der-eu-verteuert/ - bei einem VW Polo sind es 6,2 Prozent. Für Verbraucher ärgerlich: je günstiger das Auto, desto größer die Auswirkung der Strafzahlung auf den Preis und so erklärt sich zum Teil auch, warum dieselben Modelle innerhalb der EU teurer sind als außerhalb.

EU-Richtlinie zur Altfahrzeugverordnung macht Gebrauchtwagenkauf teurer

Der Markt für gebrauchte Fahrzeuge bietet aktuell ohnehin nur ein knappes Angebot, bei hoher Nachfrage. Aufgrund der enormen Neuwagenpreise weichen viele Käufer daher auf den Gebrauchtmarkt aus, was die Preise allgemein in die Höhe treibt. Für Gebrauchtwagen gilt ab diesem Jahr zusätzlich: Ohne einen gültigen TÜV-Bericht oder ein technisches Gutachten eines unabhängigen Kfz-Sachverständigen, darf das Fahrzeug nicht verkauft werden. Grund dafür ist die neue EU-Richtlinie zur Altfahrzeugverordnung, die verhindern soll, dass schrottreife Fahrzeuge zur Weiternutzung ins Nicht-EU-Ausland exportiert werden.Für private Fahrzeugverkäufer fallen somit pauschal rund 150 Euro Euro zusätzlich an, plus etwaige Kosten für Reparaturen, was den Verkaufspreis sicherlich beeinflussen wird.

Fazit

Ob neu oder gebraucht: Die Durchschnittspreise für PKW bleiben weiterhin auf einem hohen Niveau und werden durch EU-Verordnungen zusätzlich nach oben getrieben. Während manche die EU-Regelungen für sinnvoll halten, um den Verkehr sicherer zu machen, üben manche berechtigte Kritik an einem immer stärkerem Eingreifen in die Freiheit von Verbrauchern und Herstellern. Dass diese Regulierungswut auf absehbare Zeit ein Ende findet, ist nicht abzusehen, denn in den kommenden Jahren sind schon weitere Neuerungen geplant, etwa strengere Regelungen für Batterien in E-Autos, weitere Änderungen beim CO₂-Flottenlimit oder auch neue Recyclingquoten.

Wer so günstig wie möglich und mit möglichst wenig Technik unterwegs sein will, sollte sich einen soliden Gebrauchten von 1996 kaufen und ein H-Kennzeichen beantragen.