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Preis für Zivilcourage – Landrat Krebs lobt „Menschen, die nicht wegschauen“

Landrat Ulrich Krebs hat am Montagabend, 28. Januar 2019, den Preis für Zivilcourage des Hochtaunuskreises an die beiden Bad Homburger Goran Vukelic und Faizan Maqsood für ihren schnellen und mutigen Einsatz im September 2018 auf der Frankfurter Landstraße in Bad Homburg überreicht.
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Preis für Zivilcourage 2019. Landrat Krebs und Laudator Daniel Guischard mit den Preisträgern
Foto: Hochtaunuskreis

Die beiden 41 und 23 Jahre alten Männer hatten eine 16-Jährige nach einem schweren Verkehrsunfall befreit, die Radfahrerin war unter einem Auto eingeklemmt. Die Anerkennungspreise gingen an Sean Libowski aus Oberursel, Anita Klein aus Steinbach sowie an Christian Müller, Patrick Nauber und Peter Braun aus Büdingen, Gedern und Bad Homburg. Die Laudatio hielt der Bad Homburger Leiter der Feuerwehr, Branddirektor Daniel Guischard.   

Landrat Krebs lobte Mut und Entschlossenheit der Preisträger. „Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben entschieden gehandelt“. Bürgerinnen und Bürger, die nicht wegschauten, brauche es in der zivilen Gesellschaft, sagte Krebs, Menschen, die Mut hätten und für ihre Mitmenschen auch etwas riskierten. „Wir schulden Ihnen Respekt und Dank“, sagte der Landrat an die Adresse der Preisträger. 

Am 21. September des vergangenen Jahres fährt eine 16-jährige Schülerin mit dem Fahrrad auf der Frankfurter Landstraße in Bad Homburg. Ein Auto erfasst das Mädchen, sie wird überrollt und unter dem Fahrzeug eingeklemmt. Auf dem Weg zur Arbeit beobachtet der Koch Faizan Maqsood den Unfall. Er sieht die eingeklemmte junge Frau, holt den Wagenheber aus seinem Auto und rennt zur Unfallstelle. Auch Goran Vukelic kommt schnell hinzu. Der 41-Jährige wohnt in der Straße und hört Schreie. Der gelernte Automechaniker sieht den Unfall aus seinem Fenster, greift sich ebenfalls einen Wagenheber und eilt zur Hilfe.

Zu zweit handeln die Männer. Sie bringen einen Wagenheber in der Nähe des Kopfes der 16-Jährigen an und einen auf der anderen Seite des Fahrzeugs. Sie bocken das Auto auf, um es den Rettungskräften möglich zu machen, der Verletzten schnell zu helfen. Vukelic, ein Mann mit bosnischen Wurzeln und Maqsood, ein Geflüchteter aus Pakistan, verhindern Schlimmes. Sie bewahren die 16-Jährige vor Quetschungen und Verbrennungen. Die Sanitäter können die vielfach Verletzte noch unter dem abgestützten Wagen erstversorgen, für die Behandlung ihrer akut lebensbedrohlichen Verletzungen wird wertvolle Zeit gespart.

Die Rettungskräfte sind voll des Lobes. „Diese Hilfe war außergewöhnlich“, sagt der Bad Homburger Branddirektor Daniel Guischard. Die beiden Männer hätten wesentlich zur Rettung der jungen Frau beigetragen – und dabei durchaus riskiert, dass sie selbst hätten verletzt werden können. „Das umsichtige Handeln der Preisträger im Moment höchster Gefahr hat mich tief beeindruckt. Es war in jeder Hinsicht vorbildlich und hat die Rettungsarbeiten bestmöglich unterstützt – Helfen ist immer besser als gaffen“, sagte Guischard in seiner Laudatio.

Leider verhielten sich im Umfeld nicht alle so vorbildlich. Schüler filmten das Rettungsgeschehen und stellten die Aufnahmen in die sozialen Netze. Ein Mann beleidigte die Feuerwehr, weil er seinen Fußweg nicht durch die Absperrungen rund um den Unfallort fortsetzen konnte.

Einen Anerkennungspreis bekommt Anita Klein. Die Frau aus Steinbach arbeitet an der Pforte des Amtsgerichts. Im September 2018 kommt ein Mann und fragt nach einer Richterin. Er hat einen Benzinkanister in der Hand und verkündet, er wolle die Richterin anzünden. Er wird des Hauses verwiesen, ein Justizwachtmeister kommt hinzu und sagt dem Mann, er möge den Kanister abstellen.

Auf einmal hat der Mann ein Feuerzeug in der Hand und übergießt sich mit dem Benzin. Anita Klein redet beruhigend auf dem Mann ein. Es gelingt ihr, ihn dazu zu bringen, den Kanister abzustellen, den sie sich sofort greift und aus dem Gefahrenbereich bringt. Dann wendet sie sich wieder dem Mann mit dem Feuerzeug zu. Weil der Mann durch die Ansprache abgelenkt ist, kann ihm ein Kollege Kleins das Feuerzeug aus der Hand reißen. Gemeinsam ziehen Klein und der Kollege dem Mann die benzingetränkte Kleidung aus.

Auch der damals 17-jährige Sean Libowski greift beherzt ein. Im Mai 2018 beobachtet der Schüler abends um halb elf, wie ein etwa 35jähriger Mann im Park an der Adenauerallee ein Kleinkind zweimal ins Gesicht schlägt. Libowski spricht den Mann auf sein Verhalten an. Als Reaktion entwickelt sich eine handgreifliche Auseinandersetzung, der Schüler wird im Gesicht verletzt. Der Täter entfernt sich mit dem Kind in Richtung Bahnhof, nach ihm sucht die Polizei.

Ein weiterer Anerkennungspreis geht an Christian Müller, Patrick Nauber und Peter Braun. Im April 2018 wurden sie Zeugen eines Überfalls auf einen Juwelier in der Louisenstraße in Bad Homburg. Ein Mann hatte an der Tür des Juweliers geklingelt. Ein Angestellter ließ ihn rein, der Mann sprühte mit Pfefferspray und ließ weitere Mittäter in den Laden, die mit Messern und Äxten bewaffnet waren. Als die Täter flüchteten, wurden sie von Müller, Nauber und Braun, die das Geschehen beobachtet hatten, bis zum Fluchtfahrzeug verfolgt, obwohl die Täter die Zeugen mit Pfefferspray besprühten und mit den Äxten bedrohten.

Der Preis für Zivilcourage ist entsprechend dem Beschluss des Kreistages nicht mit einem Preisgeld dotiert, es gibt einen Urkunde und ein Buchgeschenk. Die überreichten 1000 Euro an den Preisträger stammen von der Dr.-Christian-Weizmann-Stiftung. Für zwei Anerkennungspreise hat die Druckerei Esser jeweils 250 Euro ausgelobt. Für diese Spenden und die damit verbundene Wertschätzung des Preises bedankte sich Landrat Ulrich Krebs.

Musikalisch wurde die Feier von den Geschwistern Kaufmann gestaltet, die alle drei auch im Jugend-Sinfonie-Orchester des Hochtaunuskreises spielen. Annika, Janina und Katharina Kaufmann spielten Werke von Josef Haydn, Michael Klinka, Peter Martin und Charles-Auguste de Bériot auf Klavier, Geige und Cello.