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Preis für Hörspielautor Hans Christoph Böhringer

Dieses Mal hat sich die Jury der Autorenstiftung Frankfurt, die vor allem talentierte Autorinnen und Autoren, die für das Theater, das Radio, den Film und das Fernsehen schreiben, entschieden, den Preis einem Hörspielautor zu verleihen.

Drehbuchautorin Alexandra Maxeiner, Hans-Christoph Böhringer, Annette Reschke, Hans-Henner Hess
Drehbuchautorin Alexandra Maxeiner, Hans-Christoph Böhringer, Annette Reschke, Hans-Henner Hess
Foto: Renate Feyerbacher
Hans-Christoph Böhringer im Innenhof des Dominikanerklosters
Hans-Christoph Böhringer im Innenhof des Dominikanerklosters
Foto: Renate Feyerbacher

Zum letzten Mal war vor 15 Jahren ein Hörspielautor ausgezeichnet worden. Ausschlaggebend für die diesjährige Entscheidung war auch, wie Annette Reschke, die Vorsitzende der Stiftung sowie Vorsitzende der Stiftung Verband Deutscher Bühnen- und Medienverlage und engagiert als 2. Vorsitzende im Literaturhaus Frankfurt, einleitend beklagte, die Situation für Hörspiele, die von Sendeplätzen verschwinden. So wurde auch der Deutsche Hörspielpreis der ARD abgeschafft. 

Die Findungskommission hat sich viele Hörspiele angehört und dabei vor allem die Expertise von Christiane Altenburg aus dem Verlag der Autoren berücksichtig. Sie verfolgt das Hörspiel seit 30 Jahren und kennt seine Entwicklung und aktuelle Szene. Von ihr kam der Hinweis auf die neuen Entwicklungen der letzten Jahre, nämlich auf eine junge Generation Schreibender, die „jetzt erst recht“ fürs Hörspiel arbeitet. 

Der mit 5000 Euro dotierte Preis ging am 14. Juni an Hans Christoph Böhringer für sein Science Fiction-Hörspiel Mein Leben als Spam, dessen 1.Teil „Chattie“ vom Bayerischen Rundfunk unter der Regie von Pauline Seiberlich am 8.11.2024 gesendet wurde. „Miriams Job im Ministerium zum Schutz menschlicher Intelligenzen ist stressig: Sie muss neue Spamfilter entwickeln, denn Bots werden ständig besser darin, Menschen zu imitieren. Dann passiert ein Fehler – und Miriam gilt auf einmal selbst als Spam [...] Die nahe Zukunft: KI ist zwar noch nicht richtig schlau, aber es reicht für eine Flut an gefakten Bildern, Texten und Stimmen. Die alten Spamfilter sind nutzlos. Spamfilter sind jetzt Staatsaufgabe. Daran arbeitet auch die junge Beamtin Miriam. Aber auf einmal muss sie ihre Menschlichkeit beweisen.“ (Pressetext) In sechs weiteren Folgen kämpft Miriam, um sich von der Fake-Identität zu befreien. „Vor der Tür“ heißt die 8. Folge: „Miriam erfährt, wieso sie als Spam gilt. Sie muss neue Verbündete finden, denn im obersten Stock des Ministeriums ist alles furchtbar anders als gedacht.“ 

Die Jury war auch angetan von der vorzüglichen Interpretation von Banafshe Hourmazdi, Virginia Olivia Obiakor und Vincent Redetzki. 

Hans Christoph Böhringer, 1995 in Bern geboren, hat zunächst in Irland, dann an der Universität Heidelberg Physik studiert und dort seinen Master of Science gemacht. Er schreibt heute als Wissenschaftsjournalist über Technologie, das Internet und den Klimawandel. Er hat auch die Deutsche Journalistenschule in München absolviert und ist für Zeitungen tätig, und schreibt Hörspiele. Er ist auch Autor zahlreicher Folgen des tagesschau-Podcasts 11KM und des preisgekrönten BR-Podcasts Memes und Millionen: die Gamestop-Geschichte. Die Idee zur Hörspielserie Mein Leben als Spam entwickelte er im audience:first - AUDIO FICTION.

Mit 29 Jahren ein bewundernswert-aktiver und vielseitiger Preisträger. 

„Mein Leben als Spam“ ist mehr als nur ein Hörspiel – es ist eine Reflexion über unsere digitale Lebensrealität, ein Spiegel unserer Zeit. In einer Welt, die von Informationsfluten, Algorithmen und virtuellen Identitäten geprägt ist, entführt uns Böhringer in die Abgründe und Absurditäten des digitalen Raums. Die Hauptfigur, die in einem kafkaesken Albtraum zwischen unkontrollierten Algorithmen und der Suche nach Identität gefangen ist, verdeutlicht die existenziellen Herausforderungen, vor denen wir in unserer digitalisierten Welt stehen,“ so begründet der Laudator, der Autor Hans-Henner Hess, Mitglied im Vorstand der Autorenstiftung, die Entscheidung der Jury. Die Sciencefiction-Geschichte habe inhaltliche Tiefe, eine ideenreiche Form aus Stimmen und Klängen, gefalle durch unerwartete Wendungen und originelle, humorvolle Dialoge. Mein Leben als Spam fordere die Zuhörerinnen und Zuhörer auf, über den eigenen Umgang mit digitalen Medien nachzudenken „und sich mit den ethischen und emotionalen Implikationen auseinanderzusetzen, die die virtuelle Welt auf unser reales Dasein hat.“ (Hess) 

Hans-Christoph Böhringers Hörspiel Mein Leben als Spam wurde nun für den Wettbewerb Prix Italia in der Kategorie Hörspiel nominiert, der im Oktober in Neapel 2025 verliehen wird. Drei ARD-Produktionen wurden nominiert. Der Preis gilt als älteste und bedeutendste internationale Auszeichnung für Radio, Fernsehen und Internet. Öffentlich-rechtliche und private Radio- und Fernsehstationen aus 45 Ländern sind Partner und ständige Teilnehmer des Prix Italia. Organisation und Geschäftsführung liegen bei der italienischen Rundfunkanstalt RAI.