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Letzte Aktualisierung: 29.05.2024

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Präsentation des römischen Holzkellers aus Nida

von Ilse Romahn

(14.05.2024) Im vergangenen Jahr konnte ein außergewöhnlich gut erhaltener Holzkeller aus dem römischen Nida durch das Archäologische Museum von Restauratoren komplett geborgen und konserviert werden. Der Holzkeller war bei der Grabung des Denkmalamtes in Heddernheim, in der Straße In der Römerstadt 126 bis 134, im März 2023 entdeckt und sorgfältig freigelegt worden.

Römischer Holzkeller aus Nida im Depot des AMF
Foto: Archaologisches Museum, Foto: H. Menzel
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Er war Teil eines römischen Wohnhauses, das vermutlich im späten ersten Jahrhundert nach Christus an der südlichen der beiden Hauptstraßen, platea praetoria, der antiken Stadt Nida errichtet wurde. Von dem zugehörigen Gebäude, einem Fachwerkhaus, haben sich keine Überreste erhalten. Die Auswertung des Befundes und des aus ihm stammenden Fundmaterials ist wissenschaftlich von großem Interesse. Die gute Erhaltung bietet darüber hinaus eine nahezu einmalige Gelegenheit, im Rahmen der angedachten publikumswirksamen Präsentation wie in einem Schlaglicht einen Einblick in das Leben in Nida zu gewinnen und die Geschichte(-n) der Stadt und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zu erzählen.

Der komplett geborgene und restaurierte Holzkeller wird am Mittwoch, 29. Mai, von 13 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Präsentationsort ist das Steindepot des Archäologischen Museums in der Borsigallee 8 bis 10. Der Eintritt ist kostenlos.
 
Der Eingang des Kellers lag im Süden der Hauptstraße. Die verbrannten Stufen der Kellertreppe sind noch gut sichtbar. Im ganzen Keller zeugen Reste verkohlter Balken, Holzkohle und Brandschutt vom Schadensfeuer, das einst das Wohnhaus in der Antike vollständig zerstörte. Die Auswirkungen des Brandes zeigt ein Teil des Fundmaterials, so ein durch die große Hitze geschmolzenes Glasgefäß und Eisengeräte, die noch auf der Kellertreppe lagen. Dies zeigt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner offenbar keine Zeit hatten, das gesamte bewegliche Inventar aus dem Keller zu retten. Nach dem Brand wurde das Grundstück einige Zeit später wieder bebaut, der Keller jedoch dabei nicht mehr genutzt.

Für eine genaue Datierung von Bauzeit und Zerstörung müssen zunächst die Funde aus der Grabung ausgewertet werden. Die Bearbeitung des Materials verspricht spannend zu werden, befinden sich darunter doch neben Resten von Keramik- und Glasgefäßen einige ungewöhnliche Objekte aus Metall. Diese wurden bereits zur konservatorischen Betreuung an das Archäologische Museum übergeben.

Der Keller ist keineswegs der erste Holzkeller mit Brandschutt, den man aus dem römischen Nida kennt. Vergleichbare Befunde wurden in den mehr als 100 vergangenen Jahren in der antiken Stadt mehrfach bei Grabungen freigelegt. Sie waren aber meist weniger gut erhalten und wurden zudem nicht so sorgfältig mit modernen Grabungsmethoden untersucht. Der im Jahr 2023 freigelegte Keller ist daher in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes.(ffm)