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Letzte Aktualisierung: 03.07.2020

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Podiumsdiskussion zum Thema ‚Frankfurter Schule und Antisemitismus‘

von Ilse Romahn

(16.06.2020) Eine Podiumsdiskussion des Kulturdezernats in der Bildungsstätte Anne Frank widmet sich am Dienstag, 16. Juni, der Antisemitismusanalyse der Frankfurter Schule.

Ausgangspunkt ist der Text „Elemente des Antisemitismus“ aus der 1947 von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno herausgegeben „Dialektik der Aufklärung“. Die Veranstaltung findet im Rahmen des Anne Frank-Tages statt, der sich in diesem Jahr dem Schwerpunktthema „Judenhass“ widmet. Aufgrund der Beschränkungen der Corona-Pandemie findet die Podiumsdiskussion wie alle Veranstaltungen des Anne Frank-Tages digital statt. Der Livestream kann über den Youtube-Kanal der Bildungsstätte Anne Frank unter https://www.youtube.com/watch?v=LMZovv0ZMeU&list=PLQfxhx_DT6VUweFyVqgvewngu30FrWrxY&index=6 verfolgt werden.

„Adornos und Horkheimers Analyse des Antisemitismus liest sich erschreckend aktuell. Gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie kehren judenfeindliche Stereotype und Verschwörungsmythen zurück, die auf eine traurige historische Tradition zurückblicken können. Es gilt, besonders den verdeckten und impliziten Antisemitismus aufzudecken und sich dem als Gesellschaft entschieden entgegen zu stellen“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig.

Auf dem Podium werden neben der Kulturdezernentin Michel Friedman, Publizist, Philosoph und geschäftsführender Direktor des Center for Applied European Studies (CAES) an der Frankfurt University of Applied Sciences, Sabena Donath, Leiterin der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland, und Lars Rensmann, Professor of European Politics and Society an der Universität Groningen, Platz nehmen. Das Gespräch wird moderiert von Meron Mendel.

Mendel ist zugleich Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Er sagt: „Im Fokus des Anne Frank-Tages steht dieses Jahr die Auseinandersetzung mit historischem und aktuellem Judenhass. Adornos und Horkheimes Gedanken zu diesem Thema einzubeziehen ist auch heute noch notwendig, um die Struktur des Problems zu verstehen. Ich danke dem Kulturdezernat für die Initiative und Organisation dieser Veranstaltung.“

Die „Dialektik der Aufklärung“ wurde von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno vor ihrer Rückkehr nach Frankfurt im US-amerikanischen Exil verfasst. Die Sammlung philosophischer Essays gilt als Grundlagenwerk der Kritischen Theorie. Das Kapitel „Elemente des Antisemitismus“ analysiert Geschichte und Ursachen des Judenhasses und ist bis heute ein wichtiger Ausgangspunkt für die Antisemitismusforschung. Die Podiumsdiskussion nimmt den Text als Anstoß, um vor dem Hintergrund des wieder erstarkenden Antisemitismus nach der Aktualität der in den 1940er Jahren erstmals veröffentlichten Studie zu fragen.

Gerade in Frankfurt besitzt dieses Thema besondere Relevanz. So war die Stadt die namensgebende Schaffensstätte der Frankfurter Schule und ist in Geschichte und Gegenwart eng mit ihrer jüdischen Gemeinde verknüpft. Wie an anderen Orten sind auch in Frankfurt zunehmend Versuche der sogenannten Neuen Rechten wahrzunehmen, die Gesellschaft zu spalten und einzelne Gruppen zu isolieren – das gilt auch und gerade für Jüdinnen und Juden. Bereits im August 2019 fragte das Kulturdezernat mit der Podiumsdiskussion „Die gesellschaftlichen Voraussetzungen des Faschismus dauern fort“ in der Evangelischen Akademie nach der Aktualität der Theorien der Frankfurter Schule vor dem Hintergrund des erstarkenden Rechtsextremismus. (ffm)