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Letzte Aktualisierung: 26.01.2021

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Phantom im Wiehengebirge

Alexander Hoffmanns neuer Krimi lässt an Spannung nichts vermissen

von Norbert Dörholt

(21.12.2020) Also, Hermann der Cherusker, der mit seinen 53 Metern als höchstes Denkmal Deutschlands nahe Detmold majestätisch über die Höhen des Teutoburger Waldes blickt, war es gewiss nicht. Wie auch? Aber er spielt eine Rolle im neuen Krimi von Alexander Hoffmann „Phantom im Wiehengebirge“. Doch wer war´s dann, der scheinbar ohne Motiv einen jungen Studenten in einem geheimnisvollen Tunnel unter der Privatbrauerei Barre in Lübbecke (die gibt es wirklich) erschlug?

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Foto: Privatbrauerei Ernst Barre GmbH
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Der Autor Alexander Hoffmann ganz entspannt. Aber das kann er auch sein, denn hinter ihm ist das Phantom im Wiehengebirge schließlich nicht her.
Foto: Privat
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Der Autor, u. a. lange Jahre Journalist bei Frankfurter Zeitungen und der Süddeutschen Zeitung, Träger des Wächterpreises der deutschen Tagespresse und des angesehenen Theodor-Wolff-Preises, versteht es auch in seinem zweiten Band der Reihe „Tatort Barre-Land“, die Leser zu fesseln. Denn immer kommt, wie auch im ersten Band „Hopfen, Malz & Blut“, vieles anders als der sich findig fühlende mitermittelnde Leser denkt. Dieser darf wieder kräftig mit raten. Und das macht, vom grauslichen Geschehen einmal abgesehen, Spaß.

Im Mittelpunkt steht wie im ersten Band – die beiden Bücher sind aber auch unabhängig voneinander zu verstehen – der nicht unsympathische Privatdetektiv Friedrich Wesendonk. Er ist befreundet mit dem Lübbecker Hauptkommissar Waldemar Muthesius. Und dann gibt es noch den Brauereibesitzer Christoph Barre. Der Arme hat das Glück oder auch das Pech, je nachdem wie man das sieht, in seinem Privatmuseum die älteste befüllte Bierflasche Deutschlands zu besitzen – ist tatsächlich so. Schon im ersten Band wurde wegen ihr jemand umgebracht.

Diese Flasche möchten nämlich auch andere Sammler gerne in ihrem Besitz sehen, speziell ein geheimnisvoller „ER“. Zusammen mit dem „Schwarzen Abt“, auch so eine unheimliche Gestalt, gelingt tatsächlich der Diebstahl dieses Kleinods, indem sie ohne viel Federlesens gleich das ganze Museum anzünden und im allgemeinen Durcheinander die Flasche entwenden.

Lange haben sie allerdings keine Freude daran, darf verraten werden. Doch dann geht´s erst richtig los: In einem stillgelegten Tunnel der Privatbrauerei Barre in Lübbecke wird nun die Leiche eines jungen Studenten entdeckt. Was hatte der dort zu suchen? Und woher stammen die Waffen und Teile eines Jagdflugzeugs aus dem 2. Weltkrieg, die sich ebenfalls im Tunnel befinden? Und welche Rolle spielt ein wertvolles Ritterkreuz, das verschwunden ist? Jetzt wird´s kompliziert.

Nichtsdestotrotz haben die beiden Ermittler jeweils bereits einen von zwei Hauptverdächtigen im Blick und schließen sogar eine Wette ab, wer´s war und warum. Der Leser, dafür sorgt der Autor, bleibt skeptisch. Und Brauereibesitzer Christoph Barre wird langsam ungeduldig, weil der Mordtunnel sich zu einem unerwünschten PR-schädlichen Touristenabenteuerausflugsziel entwickelt.

Das Schöne an diesem Krimi ist wieder, dass er sich nicht irgendwo in einem Hokuspokusland abspielt, sondern in realen Gegenden des östlichen Westfalen. Die erwähnten Orte gibt es tatsächlich, ebenso die Privatbrauerei Barre nebst ihrem Chef sowie der erwähnten ältesten befüllten Bierflasche Deutschlands. Und: In jenem grauslichen Zweiten Weltkrieg fanden tatsächlich Luftschlachten zwischen deutschen und britischen Flugzeugen über Lübbecke statt – so am 22. März 1944, als mehrere Maschinen dort abstürzten.

Real war auch die Präsenz der SS-Panzerdivision „Leibstandarte“ in Lübbecke im Herbst 1944 zur Vorbereitung auf die Ardennenoffensive. Die Ursprünge des Landes Nordrhein-Westfalen haben tatsächlich mit Lübbecke und Espelkamp zu tun. Und auch den Tunnel im Felsen des Wiehengebirges gibt es – er befindet sich auf dem Grundstück der Privatbrauerei Barre.

Alexander Hoffmann hat es wiederum meisterhaft verstanden, sein Phantom im Wiehengebirge zwischen Tatsachen und Fiktion geistern zu lassen, wobei bisweilen beide Bereiche miteinander verschmolzen wurden. So ist der Roman nicht nur spannend zu lesen, er vermittelt auch ein wenig Heimatkunde und für Gänsehaut ist auch gesorgt. Deshalb rät der Autor dieser Zeilen: Bevor Sie sich irgendeinen schwachsinnigen Krimi im Fernsehen anschauen, knöpfen Sie sich lieber das Phantom im Wiehengebirge vor! Und: Vielleicht kommen Sie ja auch ohne Hilfe der beiden Profiermittler auf die blutige Spur des ruchlosen Mörders.

(Alexander Hoffmann, „Phantom im Wiehengebirge“, 223 Seiten, ISBN: 978-3-9820934-1-3, 2020 by Privatbrauerei Ernst Barre GmbH, Lübbecke, 14,85€. Bestellbar über den Buchhandel oder den Barre-Shop auf der Barre-Website.)