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Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

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Pflegeschutzbund fordert echte Pflegereform

Die Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden

von Norbert Dörholt

(19.05.2022) Während der Corona-Pandemie genoss die Altenpflege so große Aufmerksamkeit wie noch nie. Doch grundlegend verbessert hat sich die Situation der Pflegebedürftigen und der Pflegekräfte nicht, ist das ernüchternde Fazit des BIVA-Pflegeschutzbundes. Anlässlich des „Tags der Pflege“ am 12. Mai forderte dessen Vorsitzender Dr. Manfred Stegger: „Wir brauchen eine echte Pflegereform, die die Arbeitsbedingungen der Pflegenden und damit die Pflegequalität verbessert.“

Die bisherigen Reformbemühungen sind für Stegger unzureichend. Zwar haben sich in den vergangenen Jahren die Kosten für den Steuerzahler und vor allem die Zuzahlungen der Pflegebedürftigen immer weiter erhöht. Dies habe aber weder zu spürbaren Verbesserungen für die Bewohner geführt, noch habe man dadurch die dringend benötigten Pflegekräfte gewinnen können.

Im Gegenteil: Die Zahl unbesetzter Stellen steigt weiter an. Eine repräsentative Befragung im Auftrag der Hans Böckler-Stiftung kommt aktuell zu dem Ergebnis, dass 300.000 Vollzeit-Pflegekräfte in den Beruf zurückkehren würden – unter besseren Arbeitsbedingungen. „Einmalzahlungen wegen Corona und etwas mehr Gehalt reichen dazu nicht aus“, so Stegger, „die Menschen wollen ihren Job vernünftig machen und verlieren ihre Motivation, weil das unter den jetzigen Bedingungen nicht gelingt.“

Die Gründe hierfür seien grundsätzlicher Art: „Solange im System falsche Anreize gesetzt werden, die den Einsatz von zu wenig Personal finanziell belohnen, wird sich das nicht ändern“. Momentan ist es so, dass eine Einrichtung, die zu wenig oder unterbezahltes Pflegepersonal einstellt, ihre Leistungen am Markt günstiger anbieten kann als eine Einrichtung, die gut bezahltes und ausreichendes Personal vorhält.

Nötig sei eine echte Pflegereform, die diese Missstände behebt, aber gleichzeitig die Pflegebedürftigen finanziell entlastet. Stegger verweist in dem Zusammenhang auf bestehende Studien und Modelle, insbesondere auf die Deckelung des Eigenanteils im Sinne eines „Sockel-Spitze-Tausches“.