Permafrost - ein grandioses russisches Epos
1.500 Kilometer sinnloser Eisenbahnbau im Niemandsland
Wie der Jenissej ist auch dieser Roman ein mächtiger, breiter, ruhiger Fluss – ohne plötzliche, unerwartete Windungen oder Stromschnellen. Bis zu den Verzweigungen der Nebenflüsse erlebt der Leser die vielfältige Schönheit und den Reichtum einer kargen Landschaft, in die der Mensch eindringt, um sie zu unterjochen, zu versklaven und zu zerstören. Und doch: Wenn man einmal an Bord von Kapitän Belows Schlepper gegangen ist, kann man sich der Kraft seiner Strömungen und Unterströmungen nicht mehr entziehen. Der ruhige Erzählfluss fesselt den Leser und lässt ihn bis zum letzten Satz und noch lange danach nicht los.
Der Autor schildert menschliche Schicksale zwischen den Mühlsteinen der Geschichte, ohne die Realität zu übertreiben oder literarisch zu verschleiern. Das Böse wird nicht teuflischer geschildert, als es ist, das Gute nicht heiliggesprochen. Jede einzelne Handlung wird als das Ergebnis der emotionalen Entscheidung eines Menschen gezeigt, der versucht, sich selbst treu zu bleiben oder zumindest einigermaßen rechtschaffen im Fluss des Lebens mitzuschwimmen – oder wenigstens nicht darin unterzugehen. Die zunehmend tragische Verflechtung der einzelnen Hauptfiguren entfaltet eine unterschwellige Spannung und emotional nachhaltige Wirkung, der man sich kaum entziehen kann.
Viktor Remizov hat für sein Werk, an dem er sieben Jahre schrieb, umfangreiches historisches Material studiert, das ihm die mittlerweile in Russland verbotene Menschenrechtsorganisation »Memorial« zur Verfügung stellte:
- Drei Familienschicksale im eisigen Norden Sibiriens
- Filmisch geschrieben, meisterhaft komponiert, dicht erzählt
- Enthüllt die ganze menschliche Tragödie und den mörderischen Wahnsinn der Stalin-Zeit
- Basiert auf historischen Personen und Fakten zum Bau der „Großen Stalinbahn"
- Ausgezeichnet als „Buch des Jahres 2021" in Russland und erhielt 2021 mit dem dritten Preis von »Bolschaja kniga« die wohl renommierteste literarische Auszeichnung in Russland und begeisterte dort die Literaturkritik. Der Roman ist in Russland bis heute ein Bestseller, zumal er sich einem für die Aufarbeitung des Stalinismus relevantem Thema widmet: dem Gulag.
"Permafrost" ist ein sibirischer, nordischer, historischer, industrieller Roman ... Der Tod ist darin immer mit dem Leben verbunden, das selbst unter diesen unmenschlichen Bedingungen entsteht und weitergeht. Eine scheinbar düstere Geschichte, in die ein Licht hineinscheint, das immer nach der Dunkelheit kommt und das ohne Dunkelheit nicht existieren kann“ schrieb Vasili Avchenko dazu.
Und Natsbest Veronika Kungurtseva rezensierte: „Remizovs Roman enthält viele wertvolle Details, die nicht erfunden werden können. Er hat sie alle gesammelt, zugehört, spioniert, gesehen, erinnerte sich. Viele historische Details, die bei Solschenizyn, Schalamow und anderen nicht zu finden sind.«
(„Permafrost“ von Victor Remizov, Europa Verlag, 992 Seiten mit ausgesuchten Abbildungen und Karten, 38 Euro, ISBN 978-3-95890-600-6).
Weitere Artikel aus der Kategorie: