Patientenfreundlich und noch wirksamer
Neuer Wirkstoff senkt LDL-Cholesterin um 50 Prozent
Dieser Wirkstoff hat in einer aktuellen Studie aus Südafrika sehr vielversprechende Ergebnisse gezeigt und kann patientenfreundlicher als die bisherigen Präparate aus dieser Gruppe angewendet werden. Auf dem Kongress des American College of Cardiology (ACC) im April 2024 wurden von Eric Klug von der Division of Cardiology der University of Witwatersrand, Johannesburg, Südafrika die Ergebnisse des Phase 3–LIBerate-HR-Trial mit dem Drittgenerations-Hemmer der Pro Convertin Subtilisin Kexin (PCSK)-9 vorgetragen, dem Lerodalcibep. Im medizinischen Kurznachrichtendienst der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hat Prof. Helmut Schatz, Bochum, Einzelheiten dazu publiziert. Darin schreibt er zur Methodik:
„Die Studie fand an 66 Zentren in elf Ländern statt. Es wurden 922 Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen (CVD) oder mit hohem bis sehr hohem Risiko für Herzinfarkt- oder Schlaganfall rekrutiert. Die Hälfte davon fiel in die beiden Risiko-Kategorien. Mittleres Alter ~65 Jahre, 77 Prozent Weiße, 45 Prozent Frauen. 615 Patienten erhielten für 52 Wochen monatlich 300 mg (in 1,2 ml) Lerodalcibep subkutan injiziert, 307 eine s.c. Plazebo-Injektion. Das mittlere Low Densitiy Lipoprotein (LDL) betrug 116.3 mg/dl in der Verumgruppe und 116.9 mg/dl bei den Plazebo-Patienten. Primärer Wirkungsendpunkt war der prozentuale Abfall des LDL-Cholesterins vom Ausgangswert nach 52 Wochen und der Mittelwert der 50. und 52. Woche."
Zu den Ergebnissen berichtete Prof. Schatz: "Im Vergleich zu Plazebo reduzierte Lerodalcibep das LDL um 56 Prozent nach 52 Wochen (p<0.0001) und um 62 Prozent im Mittel der zwei Wochen 50 und 52 (p<0.0001). Die absolute Reduktion betrug 60 mg/dl nach 52 Wochen und 74 mg/dl für das Mittel aus Woche 50 und 52. Es bestanden keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Subgruppen. Eine größere Reduktion als 50 Prozent – entsprechend den neueren, strengen Empfehlungen in den Leitlinien – erreichten 94 Prozent der Patienten unter Verum und 19 Prozent unter Plazebo. Das Nicht-HDL-Cholesterin wurde um 47 Prozent reduziert, Apolipoprotein B um 43 Proszent und Lp(a) um 33 Proszent. Unerwünschte Nebenwirkungen: Kein Unterschied zwischen beiden Gruppen. Die Reaktionen an den Injektionsstellen waren milde bis moderat. Abbruchraten wegen dieser Reaktionen: 4.2 Prozent unter Verum, 4.6 Prozent unter Plazebo."
Die Firma LIB Therapeutics, ein privates biopharmazeutisches Unternehmen plant, in zwei bis vier Monaten die Zulassung bei der Amerikanischen Arzneibehörde FDA zu beantragen.
Kommentar
Der Vorteil gegenüber den derzeit auf dem Markt befindlichen Präparaten Alirocumab (Praluent® ) und Evolocumab (Repatha®) bestünde im Falle einer Zulassung darin, dass Lerodalcibep nur in geringem Volumen von 1.2 ml injiziert werden kann und nicht gekühlt aufbewahrt und transportiert werden muss, sodass es auch leicht auf längeren Reisen mitgenommen werden kann.
Auf der Pressekonferenz nach der Präsentation beim Scientific Meeting 2024 des ACC gratulierte Dave L. Dixon, Mitglied des ACC Council for Prevention of Cardiovascular Disease, den Autoren „on moving this product forward and demonstrating the LDL-lowering efficacy, as well as providing some additional safety and tolerability data“. Und er fügte hinzu: „It´s clear“ from the baseline LDL characteristics that we have a lot of work to do in terms of helping patients achieve their lipid goals“.
Etwa 30 Prozent der Patienten hätten irgend eine Form von Statinintoleranz. „So, we really have to utilize our non-statin therapies, and unfortunately, we’re not doing a great job of that. Dass in die Studie so viele Patientinnen einbezogen wurden, sei fantastisch, „the investigators did a great job of enrolling underrepresented minorities“. Dixon schloss mit der Feststellung: „Having a once-a-month self-injection option is great and fills a nice niche for patients“.
(Ulrike Schatz, Dresden, Helmut Schatz, Bochum)
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