"Parzival" ein Kunstgenuss bei den Festspielen Bad Hersfeld
Bürgermeisterin Anke Hofmann dankte in der vergangenen Woche bei der Eröffnung der 75. Bad Hersfelder Festspiele dem Schirmherren Ministerpräsident Boris Rhein für die Übernahme und die damit gezeigte Verbundenheit des Landes zu Bad Hersfeld. Eine besondere Ehre war ihr die Begrüßung des Ministerpräsidenten a.D. Volker Bouffier, der stets gerne nach Bad Hersfeld gekommen ist und dankte ihm, dass er die Festrede anlässlich der Eröffnung der 75. Bad Hersfelder Festspiele hielt.
Bouffier hob besonders hervor: "75 Jahre Bad Hersfelder Festspiele sind eine grandiose Erfolgsgeschichte mit großer Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Stiftsruine ist die größte romanische Klosterruine in der Welt und eine der schönsten und beeindruckendsten Bühnen Europas und die Festspiele mit ihrer einmaligen Spielstätte gehören zu den traditionsreichsten Festspielen Deutschland."
Die neue Intendantin der Bad Hersfelder Festspiele Elke Hesse freute sich beim Festakt zur Eröffnung: "Die Verantwortung für eine so angesehene und erfolgreiche Kulturikone wie die Bad Hersfelder Festspiele zu übernehmen ist zunächst einmal eine große Ehre, weil es gilt, eine große Tradition fortzuschreiben und die Herausforderung dabei ist, diese Tradition offen für die Zukunft zu halten." Fortschreiben und Öffnen lautet ihre Antwort und genau das will sie mit ihrem Team in den kommenden Wochen versuchen.
Gestartet wurde mit "Parzival" oder Die Suche nach dem Heiligen Gral, ein Schauspiel mit Musik nach Wolfram von Eschenbach in der Bearbeitung von Michael Schachermaier, der auch die Regie führt.
"Parzival oder Die Suche nach dem Heiligen Gral“ ist die Neuinterpretation eines der größten Stoffe der Weltliteratur. Parzival ist der Prototyp des suchenden Menschen. Seine Geschichte, eine Erzählung von Macht und Ohnmacht, wird in der Bad Hersfelder Stiftsruine zur Uraufführung gebracht. Parzival geht seinen Weg, vom naiven Jungen zum mitfühlenden Helden. Eine Reise, die als Sinnbild für die Suche nach innerer Reife und Erkenntnis gilt. Es ist eine Geschichte von Rittertum und Ängsten, vom Versuch die Welt zu verstehen, von großen Abenteuern und von Mystik, von der Erkundung des eigenen Ichs, aber vor allem eine Geschichte der Hoffnung und der Empathie.
Wolfram von Eschenbachs Parzival ist mehr als nur ein ritterliches Abenteuer: Es ist der erste Entwicklungsroman der Literaturgeschichte. Das Versepos aus dem 13. Jahrhundert ist eine tiefgründige Allegorie über Menschwerdung und Selbsterkenntnis. Für die große Suche nach Hoffnung und Erlösung bietet die Stiftsruine in Bad Hersfeld einen einzigartigen Rahmen. Das Publikum wird mitgenommen in die Welt des Rittertums, begegnet Figuren aus längst vergangenen Zeiten und dennoch einem aktuellen, zeitlosen Stoff der eigens für die Festspiele neu geschrieben wird. Parzival auf der Bühne der Bad Hersfelder Festspiele ist ein kräftiges und immer noch aktuelles Plädoyer für Empathie und die Sehnsucht nach einer besseren Welt.
Parzival (Thieß Brammer), Sohn des Ritters Gahmuret und der Königin Herzeloyde (Varia Sjöström), wächst nach dem frühen Tod seines Vaters bei seiner Mutter auf, die ihn vor den Gefahren der Ritterwelt schützen will. Sie flieht mit ihrem Sohn in tiefe Wälder und versucht ihn von der Außenwelt abzuschirmen. Als Parzival dennoch von der Existenz einer anderen Welt und von Rittern und Burgen erfährt, verlässt er seine Mutter, die später vor Kummer stirbt.
Unbeholfen und leichtgläubig gerät Parzival in die Welt der Ritter, begeht durch seine Unwissenheit verhängnisvolle Fehler. Nachdem Parzival im Kampf den roten Ritter (Igor Karbus) tötet und dessen Rüstung anlegt, verschlägt es ihn an den Hof von König Artus (Uriel Jung). Er ist ein Getriebener, der Wunsch ein „wahrer Ritter“ zu werden lässt ihn immer weiterziehen, auf der Suche nach Abenteuern und Bewährung gelangt Parzival schließlich zur Gralsburg, wo er Zeuge eines mysteriösen Rituals wird: Der leidende, verwundete König Anfortas (Jörg Thieme) wird von dem wundersamen Gral am Leben gehalten. Parzival, dem in seiner Ausbildung zum Ritter geraten wurde, nicht zu viele Fragen zu stellen, fragt nicht nach dem Leid des Königs - ein folgenschweres Versäumnis, der Gral, der König und die Gemeinschaft der Schatten verschwinden scheinbar für immer im Nebel.
Parzival muss viele Prüfungen bestehen, ehe es ihm gelingt die Burg Montsalavat und die Gemeinschaft des Grals wiederzufinden. Die alles entscheidende, letzte Prüfung steht ihm nun bevor…
Standing Ovations in der ausverkauften Stiftsruine für Schauspieler Thieß Brammer, er war bei der Premiere die Entdeckung des Abends, indem er glaubhaft die Entwicklung des Titelhelden verkörperte. Das Bühnenbild von Volker Hintermeier war durch verschiedene Baugerüste klar und transparent. Das Kostümbild von Alexander Djurkov Hotter hat die Gewänder aus dem Mittelalter auch mit dem Modernen verbunden und zu einer Einheit zusammengeführt. Die Live-Band Dark Knights mit Paul Wallfisch, Martin Wenk und Budgie begleiteten das Spiel rockig-modern und doch zeitlos stets präsent aber nicht aufdringlich mit Gesang. Running Gag des Abends war der Trauerschnepper, ein Vogel der auch in den Bad Hersfelder Wäldern beheimatet ist.
Parzival – ein Kunstgenuss auf hohem Niveau. Zwei Stunden ohne Pause vergingen wie im Fluge.
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