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Pariser Flair im Weingut Diefenhardt

Chanson-Abend beim Rheingau-Musikfestival

Alle Tische im Weingut Diefenhardt in Martinsthal waren besetzt, und erwartungsvoll begrüßte das Publikum den Künstler und Chansonier Christophe Bourdoiseau und seine Band. Unter „Sous le ciel de Paris“, einem Lied von Edith Piaf und französischen Chansons , war eingeladen worden.

Französische Chansons sind Lieder einer ganz besonderen Art, deren Inhalt meist die Liebe in all ihren Facetten – auch den unanständigen – ist oder die vom Verlassen werden, von Einsamkeit, Freude, Leid und Schmerz erzählen. Ein Chanson, so sagt man, klingt nach Melancholie und Poesie. All das bekamen die Besucher geboten.

Der in Holland geborene Franzose Bourdoiseau, Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters, lebt heute in Berlin, schwärmte aber von Paris, der Stadt der Liebe, wenn er seine Titel ansagte. Er selbst begleitete seinen Gesang und seine poetische Musik mit der Gitarre, die Band mit Geige, Kontrabass und Akkordeon.

Chansons der 30er Jahre von Edith Piaf, Jaques Brel, Gilbert Bécaud und Ives Montand interpretierte der Protagonist des Abends, aber auch eigene Kompositionen aus dem Berlin von heute. „Madame, Madame“ vom „Spatz von Paris“ oder auch „Nathalie“ von Bécaud und „C`èst si bon“ von Ives Montand begeisterten die Zuhörer. Besonders angetan war Bourdoiseau das Chanson Boheme von Charles Aznavour. Boheme ist ein Begriff, den es seit Mitte des 17. Jahrhunderts gibt und die Lebensweise von Personen, die durch Vagabundieren und scheinbar in-den-Tag-hineinleben gekennzeichnet ist. Der Begriff umreißt das Milieu großstädtischer junger Künstler und Intellektueller – insbesondere solcher des Pariser Quartier Latin.

Eine Berliner Zeitung hat über Christophe Bourdoiseau geschrieben: “Diese Stimme macht süchtig.“ In Martinsthal fehlte allerdings seiner Stimme einiger Charme. Vom Zauber der Stimme von Aznavour war bei ihm wenig zu merken. Mit großer Lautstärke trug er die Lieder vor. Man hätte sie sich oft zärtlicher, leiser oder auch trauriger wünschen können.

Die Chanson-Freunde, die gekommen waren, bedankten sich bei dem Sänger und den Musikern jedoch mit Zwischenapplaus und zum Abschied mit lang anhaltendem Beifall.