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Orgelkonzert im Frankfurter Kaiserdom

Am Freitag, 27. Februar, 20.00 Uhr, starten die Frankfurter Domkonzerte mit dem „Orgelkonzert – Verleih uns Frieden“ im Frankfurter Kaiserdom in die Konzertsaison 2026. Dommusikdirektor Andreas Boltz spielt Kompositionen von Hakim, Rheinberger, Raison, Vasks und Holst. Um 19.15 Uhr gibt es zudem eine Konzerteinführung im Hochchor.

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Dommusikdirektor Andreas Boltz
Foto: Anne Zegelmann, Bistum Limburg

Der Gedanke des Friedens dient seit Jahrhunderten als ein zentrales Thema in der klassischen Musik. Komponistinnen und Komponisten haben seit den Zeiten der Renaissance auf Kriege, politische Umbrüche und gesellschaftliche Krisen reagiert, indem sie Werke schufen, die Trost spenden, Versöhnung ausdrücken oder ausdrücklich zum Frieden aufrufen. So auch Josef Gabriel Rheinbergers 20. Sonate in F-Dur op. 196. Sie ist das letzte große Orgelwerk, welches er kurz vor seinem Tod komponierte und trägt als Hommage an das neue Jahrhundert und den damit erhofften Frieden den Beinamen „Zur Friedensfeier“. 

Von André Raison, Organist der königlichen Abtei Sainte-Geneviève du Mont, sind uns nur zwei Sammlungen mit Orgelwerken erhalten geblieben. Das 1714 erschienenen Kompendium „Second Livre“ beginnt mit einer großen Suite zum Thema „La paix tant désirée“/ „Der so sehr ersehnte Frieden” in mehreren Teilen.  

Pēteris Vasks, einer der bedeutendsten Komponisten Lettlands, ist bekannt für seine meditative Tonsprache und seine intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Glaube, Hoffnung und Frieden. In seinem „Te Deum“ greift er einen der ältesten christlichen Hymnen auf und verleiht ihm eine moderne, zugleich zeitlose Klanggestalt. 

Die Orchestersuite „Die Planeten“ von Gustav Holst entstand zwischen 1914 und 1916 und zählt zu den bekanntesten Werken der spätromantischen/ impressionistischen Programmmusik. Jeder Satz der Suite ist einem Planeten unseres Sonnensystems gewidmet und trägt einen charakteristischen Untertitel, der dessen astrologische Bedeutung widerspiegelt. Der zweite Satz, „Venus, die Friedensbringerin“, bildet dabei einen starken Kontrast zum kraftvollen und kriegerischen Eröffnungssatz „Mars“. Während „Mars“ Unruhe und Zerstörung schildert, verkörpert „Venus“ Ruhe, Harmonie und Trost. 

Das Orgelwerk „Aalaiki’ssaalam“ des libanesisch-französischen Komponisten Naji Hakim ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Verbindung von christlicher Tradition, orientalischer Klangsprache und moderner Kompositionstechnik. Dieses Werk wurde durch die tragischen Ereignisse des Sommers 2006 im Nahen Osten, insbesondere dem Libanonkrieg zwischen der Hisbollah-Miliz und Israel, inspiriert und soll ein Zeugnis des Friedens und der Freude sein.  

Seit Juni 2011 wirkt Andreas Boltz als Dommusikdirektor am Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus. Er ist künstlerischer Leiter der „Frankfurter Domkonzerte“ und konzertiert in dieser Reihe mehrmals jährlich als Organist mit vorwiegend thematisch orientierten Konzertprogrammen sowie als Dirigent oratorischer Aufführungen.  

2025 spielte Andreas Boltz Orgelkonzerte unter anderem in der Pariser Basilika Sainte Clotilde sowie in den Domen von Erfurt und München. Zum 500. Jubiläumskonzert in der Reihe der „Frankfurter Domkonzerte“ dirigierte er im Mai zwei Aufführungen von Ludwig van Beethovens monumentaler „Missa solemnis“ mit dem Vocalensemble und dem Neumeyer Consort auf historischen Instrumenten. Mit seinem großen Repertoire an Orgelmusik vieler Epochen spielt er jeden Monat auch eine Orgelmatinee im Frankfurter Dom und gastiert häufig als Organist und Chorleiter im In- und Ausland. Im Sommer 2013 erschien seine erste CD an der Frankfurter Domorgel „Mainmixtures – Komponisten in Frankfurt“, die Nachfolge-Produktion „Main-Stream“ im Herbst 2017 beim Label www.organophon.de.

Ein wichtiger Tätigkeitsschwerpunkt am Frankfurter Dom war neben dem gottesdienstlichen Orgelspiel der Aufbau und die Leitung der Frankfurter Domsingschule mit chorischem Angebot für Jungen und Mädchen zwischen 2011 und 2017. Im Oktober 2018 erhielt er den Schumann-Preis der Schumann-Gesellschaft Frankfurt am Main für besondere musikpädagogische Leistungen mit dem Aufbau der Frankfurter Domsingschule. 

Mit dem Frankfurter Domchor pflegt er die Tradition der Orchestermessen aus Klassik und Romantik im Rahmen der Gottesdienste im Frankfurter Dom, das von ihm gegründete Vocalensemble am Kaiserdom tritt in Projektphasen hauptsächlich für die Gestaltung von konzertanten Angeboten zusammen und setzt hier unter seiner Leitung besondere künstlerische Akzente mit a-cappella Werken von der Renaissance bis zur Moderne wie auch mit oratorischem Repertoire. Die Choralschola des Frankfurter Domes gestaltet einmal im Monat unter seiner Leitung ein Hochamt mit Gregorianischen Gesängen. 

Seine breit gefächerte Ausbildung erhielt er an der Musikhochschule Würzburg. Dort erwarb er die Diplom-A-Prüfung in Katholischer Kirchenmusik, die Staatliche Musiklehrerprüfung und das Meisterklassendiplom für künstlerisches Orgelspiel in der Meisterklasse von Prof. Günther Kaunzinger. Weitere Studien betrieb Andreas Boltz bei Daniel Roth, Francoise Renet, Guy Bovet und Jon Laukvik (Orgel), Eric Ericson und Fritz ter Wey (Chorleitung), Gert-Peter Münden (Kinderchorleitung), Godehard Joppich (Gregorianik), Glen Wilson (Cembalo) und Zsolt Gárdonyi (Komposition). 

Von 1989 bis 1993 war er Assistent des Domkapellmeisters am Kiliansdom in Würzburg. Zwischen Herbst 1993 und Mai 2011 wirkte er als Regionalkantor des Bistums Mainz in Darmstadt und Dozent für Chorleitung und Orgel am Institut für Kirchenmusik in Mainz. 

Seine kompositorische Tätigkeit wurde 1992 beim Internationalen Kompositionswettbewerb in Triest (Italien) mit dem „Premio Speciale” gewürdigt. Neben einer Vielzahl von Werken für die kirchenmusikalische Praxis, darunter Beiträge für die Veröffentlichungen im Umfeld des „Neuen Gotteslobs“, entstanden in den Jahren 2006 und 2010 zwei Musiktheaterproduktionen für das Kulturprogramm im Rahmen der Frankfurter Buchmesse. Im Dezember 2019 wurde sein Adventliches Oratorium „lukas1“ in der KunstKulturKirche Allerheiligen in Frankfurt uraufgeführt. Seine Kompositionen sind in vielen Verlagen veröffentlicht worden. 

Das „Orgelkonzert – Verleih uns Frieden“ mit Andreas Boltz findet am Freitag, 27. Februar, 20.00 Uhr, im Frankfurter Kaiserdom, Domplatz 1,  Frankfurt am Main, statt. Um 19.15 Uhr gibt er im Hochchor des Domes eine Einführung zum Konzert. 

Karten sind zu einem Preis von 13 Euro erhältlich an der Abendkasse, unter Telefon (069)134040-0  oder unter www.frankfurtticket.de.  

www.domkonzerte.de