Organistin Iveta Apkalna und der Staatschor Latvija (Lettland) in der Alten Oper
Die weltberühmte lettische Organistin, Titularorganistin an der Hamburger Elbphilharmonie, und der Staatschor Latvija unter Leitung von Māris Sirmais präsentierten Werke aus mehreren Jahrhunderten. Ein Orchester war nicht dabei. Iveta Apkalna begann mit dem Orgelsolo des Schweizer Komponisten und Organisten Lionel Rogg (*1936).
Foto: Renate Feyerbacher
Die Chormitglieder hatten sich derweil links und rechts an den Wänden im großen Saal der Alten Oper in einer Reihe positioniert und sangen. So gab es ein erstes Gespür von den wunderbaren Stimmen der Chorsängerinnen und -sänger. Der lettische Staatschor zählt zu den bekanntesten und besten Chören in Europa und agiert weltweit unter renommierten Dirigenten. Danach schritten alle auf die Bühne und intonierten Ave verum corpus des bedeutendsten Komponisten des elisabethanischen Zeitalters und Zeitgenossen von William Shakespeare, William Byrd (1543-1623). Gleich anschließend ein Werk des modern-konservativen englischen Komponisten und Dirigenten Benjamin Britten (1913-1976) für Orgel, Chor und Sopransolo. Das Werk für Orgel und Chor des lettischen Komponisten Pēteris Vasks (*1946) Dona Nobis Pacem (Gib uns Frieden) war ein erster Höhepunkt, der tief in persönliche Gedanken eindrang. Es folgten Werke von Johann Sebastian Bach, Henry Purcell und Thierry Escaich (*1965) mit Évocation II (Beschwörungen) von 1996 - 3 Motetten für Chor und Orgel – der absolute Höhepunkt. Eine Hommage an die französische Barockorgelkunst. Chor und Orgel stehen in einem dramatischen Dialog, der hitzig wird und wie ein Duell wirkt und in einem hochdramatischen Schluss endet. Sonderapplaus für Iveta Apkalna, die eine „getreue Sachverwalterin der Werke von Escaich“ ist. Sie ist mit seinem Werk bestens vertraut.
Der französische Komponist, Titularorganist an der Kathedrale Notre Dame de Paris, und Hochschullehrer war Composer in Residence beim Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks. https://www.frankfurt-live.com/konzert-tipp-in-der-alten-oper-frankfurt-am-6-juni und https://www.frankfurt-live.com/sinfonieorchester-des-hessischen-rundfunks-spielt-in-der-notre-dame-de-paris.
Es heißt, die Orgel ist die Königin der Instrumente. Ein Kritiker hat Iveta Apkalna, die 2019/20 Artist in Residence beim Hessischen Sinfonieorchester war, Königin des Orgelspiels genannt. 2005 wurde sie mit dem ECHO Klassik als Instrumentalistin des Jahres und mehrfach mit dem großen Lettischen Music Award ausgezeichnet. Wie sie die 1981 erbaute Karl Schuke Orgel der Alten Oper spielte, war eine wahre Freude. Ihre Füße mit hochhackigen Pumps bewegen gekonnt die unteren Pedale – bewundernswert.
Der Dokumentarfilm The Organ at Night, Regisseurin Agita Cane-Kile, den arte am 2. November 2025 zeigte, wirft einen persönlichen Blick auf das Leben dieser Weltklasse-Musikerin. Über Monate wurde sie vom Filmteam begleitet. Dabei wurden Momente eingefangen, die normalerweise im Verborgenen bleiben: „die Stille vor dem Sturm, wenn sie nachts allein am Instrument sitzt, die Konzentration in leeren Probenräumen, die nachdenklichen Augenblicke zwischen den Auftritten. Es entsteht das facettenreiche Bild einer Künstlerin, die Musikerin, Mutter, Lettin ist.“ (Pressemitteilung von arte).
Eine herzliche, sympathische Frau, ich lernte sie 2013 kennen, die der Ruhm nicht verbogen hat.
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