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Letzte Aktualisierung: 30.09.2022

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Open Space: Überirdisches in der Alten Oper

FRATOPIA – Festival der Entdeckungen

von Ilse Romahn

(21.09.2022) Raumgreifend und klangsinnlich: Vokal- und Orgelwerke aus mehreren Jahrhunderten, die von erweiterten Perspektiven erzählen, stehen auf dem Programm, wenn am Donnerstag, 22. September 2022, um 19.30 Uhr der RIAS Kammerchor unter Justin Doyle und die lettische Organistin Iveta Apkalna der Einladung zum Fratopia-Festival der Alten Oper Frankfurt folgen.

Bildergalerie
Iveta Apkalna
Foto: Aiga Redmane
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Jörg Widmann
Foto: Marco Borggreve
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„Überirdisches“ ist der Konzertabend überschrieben, anspielend nicht zuletzt auf das Chorwerk „Earthrise“ des britischen Komponisten Alec Roth. Anlass dieses Werks war das 40-jährige Jubiläum der Mondlandung im Jahr 2019, für das Roth einen 40-stimmigen A-Cappella-Chorsatz schuf, ganz in der Tradition der ebenfalls im Konzert erklingenden 40- stimmigen Motette „Spem in alium“ des Renaissancekomponisten Thomas Tallis. Für den Titel ließ sich der Komponist von jenem Foto des Erdaufgangs inspirieren, das die Apollo 8 1968 während ihrer Mondumkreisung aufnahm und das unseren Planeten aus gänzlich neuer Perspektive zeigt.

Von anderen Dimensionen kündet auch die „Messe solennelle“ des französischen Komponisten Jean Langlais aus dem Jahr 1951, die auf ihre Weise eine sphärische Wirkung entfaltet und von unendlichen Weiten kündet. Komplettiert wird das Programm durch Orgelwerke von Lionel Rogg und Peteris Vasks.

Nicht nur in den Werken des Abends, sondern auch in deren Aufführungsform werden erweiterte Perspektiven zum Thema: Das Konzert findet im eigens für das Fratopia-Festival zum „Open Space“ umfunktionierten Großen Saal der Alten Oper mit anderer Bestuhlung statt. Und auch die Chorsänger beziehen neue Plätze: Sie agieren von verschiedenen Positionen im Saal, um dem Publikum neue unmittelbare Hörerfahrungen zu ermöglichen.

Unmittelbar im Anschluss greift ein weiteres Konzert das Thema „Raumerfahrung in der Musik, Musikerfahrung im Raum“ auf. Denn auch im Nach(t)konzert um 21.30 Uhr, das der diesjährige Fokus-Künstler der Alten Oper, Jörg Widmann, eigens für das Fratopia-Festival konzipiert hat und selbst mitgestaltet, werden Werke, die Visionäres verkünden, von verschiedenen Positionen im Großen Saal aus interpretiert. Jörg Widmann ist dabei sowohl als Interpret als auch als Komponist zu erleben: Gemeinsam mit dem Pianisten Dénes Varjon spielt er die vier Stücke für Klarinette und Klavier op. 5 von Alban Berg; mit Michael Acker und Tim Abramczik vom SWR Experimentalstudio realisiert er – selbst im Raum wandelnd – eine Aufführung des Werks „… selig sind …“ für Klarinette und Elektronik von Mark Andre, das der Komponist als „Zwischenräume des Entschwindens“ bezeichnete. Zur Uraufführung gelangt Widmanns eigenes neues Werk „Labyrinth V für Sopran solo“, interpretiert von Sarah Aristidou, für die das Werk auch geschrieben wurde. Auf dem Programm stehen zudem Robert Schumanns „Geistervariationen“ für Klavier, komponiert als letztes Werk bereits im Zustand geistiger Umnachtung und von der Ahnung anderer Welten kündend.

Überirdisches: € 30,- (Endpreis) Nach(t)konzert: € 25,- (Endpreis) Beide Konzerte im Paket: € 40,- (Endpreis) Tickethotline: (069)1340400

www.alteoper.de