Opel rutscht im Stellantis-Konzern nach unten
Der Stellantis-Konzern hat seine Markenhierarchie neu geordnet – und für Opel bedeutet das einen deutlichen Bedeutungsverlust. Während Fiat, Peugeot sowie die US-Marken Jeep und Ram künftig als globale Kernmarken gelten und 70 Prozent der Investitionen erhalten sollen, wird Opel in die zweite Reihe versetzt. Rüsselsheim spürt die Folgen.
Die Marke mit dem Blitz zählt nun offiziell zu den „regionalen Marken“, die sich die verbleibenden 30 Prozent teilen müssen.
„Der traditionsreiche Autobauer aus Rüsselsheim sei identitätsstiftend für die nördlichen Länder Europas“, heißt es in der Präsentation des Konzerns.
Weniger Geld, weniger Einfluss – und weniger Jobs
Für die Belegschaft in Rüsselsheim ist die neue Konzernstrategie ein weiteres Signal, dass Opel im globalen Wettbewerb an Gewicht verliert. Schon im April hatte Stellantis angekündigt, im Entwicklungszentrum 650 der 1650 Ingenieursstellen abzubauen.
„Wir sehen in der Kooperation mit Leapmotors Chancen, aber eben durchaus auch Risiken“, warnt der Opel-Betriebsrat in einem internen Schreiben.
Die Sorge: Durch die wachsende Zusammenarbeit mit chinesischen Herstellern könnten Entwicklungsaufgaben und Produktionsvolumen abwandern.
China-Partnerschaften als Chance – oder als Gefahr?
Stellantis setzt zunehmend auf Kooperationen mit chinesischen Herstellern. Zwei Partnerschaften stehen im Fokus:
- Leapmotor: liefert den E-Antrieb für ein neues Opel-SUV, das ab 2028 in Saragossa gebaut werden soll.
- Dongfeng: soll gemeinsam mit Stellantis ein europäisches Joint Venture für Einkauf und Engineering aufbauen.
Autoexpertin Beatrix Keim sieht darin durchaus Vorteile:
Opel bekomme damit Zugriff „auf die Technologie-Entwicklung in China“.
Gleichzeitig betont sie, dass chinesische Ingenieure den europäischen Markt nicht automatisch verstünden – und dass Künstliche Intelligenz künftig ohnehin viele Ingenieurstätigkeiten verändern werde.
Produktionsabbau in Europa – aber keine Werksschließungen
Stellantis plant, die europäischen Produktionskapazitäten um 800.000 Fahrzeuge zu reduzieren. Werksschließungen seien nicht vorgesehen, betont Konzernchef Antonio Filosa. Ein Großteil des Abbaus resultiert aus der geplanten Einstellung der Autoproduktion im französischen Poissy Ende 2028.
Weitere Maßnahmen:
- Werke in Spanien und Rennes sollen künftig mit chinesischen Herstellern geteilt werden.
- Das Leapmotor-SUV B10 soll ebenfalls in einem Stellantis-Werk gebaut werden – ebenfalls in Saragossa.
Der Betriebsrat warnt vor „Kannibalisierungseffekten“, sollte der Konzern chinesische Modelle in Europa aggressiv ausrollen.
Opel im Vergleich: Noch stark, aber unter Druck
2025 verkaufte Stellantis in Europa 34.000 Leapmotor-Fahrzeuge – Opel und Vauxhall kamen im selben Zeitraum auf 400.000 Neuzulassungen. Noch ist Opel also deutlich stärker. Doch Stellantis traut Leapmotor ein rasantes Wachstum zu und will die Verkaufszahlen 2026 verdoppeln.
Für Opel bedeutet das: Die Konkurrenz kommt nicht mehr nur von außen, sondern zunehmend aus dem eigenen Konzern.
Fazit: Opel bleibt wichtig – aber nicht zentral
Die neue Stellantis-Strategie zeigt klar: Opel ist für den Konzern weiterhin relevant, aber nicht mehr strategisch führend. Die Marke soll den nordeuropäischen Markt bedienen, während die großen Investitionen in globale Marken fließen.
Für Rüsselsheim bedeutet das eine Zukunft mit weniger Einfluss, weniger Entwicklungskapazitäten – und der Herausforderung, sich in einem Konzern zu behaupten, der zunehmend auf chinesische Technologie und globale Plattformen setzt.
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