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Letzte Aktualisierung: 04.08.2020

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Oberbürgermeister Feldmann empfängt Vertreterinnen der Initiative ,Familien in der Krise‘

von Ilse Romahn

(29.06.2020) Stephanie Dinkelaker, Nil Salditt, Ayse Dalhoff, Nora von Obstfelder, Marte Termin und Agnes Horvath haben eines gemeinsam: Die sechs Mütter stehen seit über zwölf Wochen vor der schier unlösbaren Aufgabe, ihr Berufs- und Privatleben sowie die Arbeit aus dem Homeoffice und die Betreuung der eigenen Kinder unter einen Hut zu bringen.

Oberbürgermeister Feldmann empfängt Vertreterinnen der Initiative Familien in der Krise
Foto: Stadt Frankfurt / Max Scharffetter
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Die Vertreterinnen der bundesweiten Initiative „Familien in der Krise“ haben sich am 26. Juni mit Oberbürgermeister Peter Feldmann getroffen, um mit Frankfurts Stadtoberhaupt über ihre Lage zu sprechen und sich politische Rückendeckung für ihre Forderungen zu verschaffen.

Unisono berichteten die Mütter davon, dass Homeschooling und Homeoffice unter einem Dach nicht funktionieren. „Ich kann so nicht weitermachen“, sagte Nil Salditt, deren Zwillinge eigentlich die erste Klasse besuchen, seit über 100 Tagen bis auf wenige Ausnahmen allerdings zuhause bleiben mussten. Agnes Horvath, die Mutter einer siebenjährigen Tochter, hat festgestellt, dass es ihrer Tochter von Monat zu Monat schlechter ging, da die soziale Isolation und die fehlende schulische Förderung nicht zu kompensieren seien. Nora von Obstfelder hat als Bankerin die Finanzkrise in London erlebt. „Mit Macht und Geld hat man Einfluss, als Eltern nicht“, lautet das bittere Fazit der dreifachen Mutter.

„Unsere Eltern lassen sich nicht gerne aus der Zeitung überraschen. Am Ende haben vor allem die Mütter die Folgen des Corona-Lockdowns ausgebadet“, sagte Feldmann und erklärte, dass auch er mit der mangelhaften Kommunikation zur Umsetzung aktueller Coronamaßnahmen durch das Land hadere. Die Legende vom sorgenfreien Homeoffice sei widerlegt worden: „Ich habe es selbst erlebt, denn als Oberbürgermeister gehöre ich auch nicht zu einer systemrelevanten Berufsgruppe und weiß aber, dass Kinder ihre Zeit einfordern.“ Der Oberbürgermeister präzisierte: „Ich möchte nicht, dass unsere Eltern gesundheitspolitische Versuchskaninchen werden.“

Die Runde war sich rasch einig, dass nicht nur Kinder und Eltern, sondern auch Erzieher und Lehrer Planungssicherheit benötigen und dringend wissen müssen, wie es nach den Sommerferien weitergehen werde. Besonders groß sei der Druck der Verantwortung, der auf Schul- und Kitaleitungen laste. „Es geht hierbei um die Weitergabe von Informationen und darum, wann man etwas erfährt. Das gleiche Problem wie Sie beklagt unsere Bildungsdezernentin Sylvia Weber gegenüber dem Land, die kaum Reaktionsspielräume hat“, sagte Feldmann.

„Sie haben uns allen aus dem Herzen gesprochen. Wir versuchen, eine bundesweite Lobby aufzubauen, weil wir seit März darauf aufmerksam gemacht haben, dass unsere Kinder nicht vergessen werden dürfen. Es wird über Bundesliga, Biergärten und Kaufhäuser entschieden. Aber wir Familien stehen stets am Ende der Kette“, sagte Ayse Dalhoff. Hätte die Initiative „Familien in der Krise“ nicht auf der Straße und in Parlamenten und persönlichen Gesprächen auf sich aufmerksam gemacht, „wären wir heute nicht da, wo wir sind“, ist Dalhoff überzeugt.

Gleichwohl setzt sich die Initiative weiterhin für eine kontrollierte Öffnung von Schulen und Kitas für alle Kinder, einheitliche Hygienekonzepte, die Aufhebung von Abstandsregeln und Maskenpflicht und gegen einen erneuten landesweiten Lockdown von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ein.

Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass diese Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene getroffen werden müssen und die Stadt Frankfurt letztlich nur das umsetzen könne, was verordnet werde. Auch hier wünsche man sich mehr Planungssicherheit und klare Aussagen zum weiteren Vorgehen seitens der Landesregierung. „Ich möchte Sie aber bestärken und ermuntern, weiterzumachen. Als Stadt haben wir beschlossen, sehr zeitnah 50 Millionen Euro zu investieren, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Aber bei der Schulung der Lehrer brauchen wir Unterstützung vom Land“, nannte der Oberbürgermeister ein konkretes Beispiel. Auch habe die Stadt bereits Corona-Massentests in Seniorenheimen durchgeführt. Diese Testbusse könnten nun Frankfurts Schulen anfahren, um rechtzeitig auf Infektionsherde zu reagieren.

Ferner waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Einhaltung von Kinderrechten eine Selbstverständlichkeit sein sollte und auch das Problem häuslicher Gewalt sowie der Erhalt von Bildungsgerechtigkeit stärker thematisiert werden müssten. Oberbürgermeister Peter Feldmann bot den Vertreterinnen von „Familien in der Krise“ an, für ein weiteres Treffen bereitzustehen sowie etwaige Veranstaltungen der Initiative durch seine Teilnahme zu unterstützten. 

Wetere Informationen zur Initiative gibt es unter http://www.familieninderkrise.com/ im Internet. (ffm)