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Letzte Aktualisierung: 26.10.2020

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Oberbürgermeister Feldmann empfängt Stadtschülerrat

von Ilse Romahn

(18.06.2020) Um sich über die mehrwöchige coronabedingte Unterrichtspause, das Anlaufen des Schulbetriebs nach den Osterferien und die Perspektive nach den Sommerferien zu informieren, hat sich Oberbürgermeister Peter Feldmann am Dienstag, 16. Juni, mit Vertretern des Stadtschülerrates (SSR) getroffen.

„Ich habe bei meiner Tochter mitbekommen, dass es gerade für unsere Grundschüler nicht lustig zugegangen ist. Ich werde die Gesichter vieler Kinder nicht vergessen, als sie gehört haben, dass sie wegen einer inzwischen zurückgezogenen Klage zunächst nicht zurück in die Schule durften“, sagte Feldmann und bat die anwesenden SSR-Delegierten, ihm ihre Erfahrungen zu schildern.

Der stellvertretende SSR-Vorsitzende Magnus Welkerling hat im März unter sehr speziellen Bedingungen seine Abiturprüfungen abgelegt. „Freitags wurde uns in einer Mathestunde angekündigt, dass dies vielleicht die letzte Stunde vorm Abi sein könnte. Das war zwei Wochen vor Beginn der schriftlichen Prüfungen“, berichtete Welkerling. In dieser Zeit habe er fokussiert lernen können. Die sonst übliche individuelle Förderung sei aber komplett entfallen. „Der Online-Unterricht war ebenfalls mehr als notdürftig“, erzählte der Abiturient. Dies habe zum einen daran gelegen, dass Schüler sowie Lehrer über sehr unterschiedliche technische Voraussetzungen verfügen. Auch sei etwa Mathematik-Unterricht per E-Mail ein eher ungeeignetes Format.

Die Prüfungssituation selbst hat Welkerling als „etwas befremdlich“ empfunden: „Unser Kurs wurde auf verschiedene Räume aufgeteilt. Ich habe selbst zwei Klausuren in der Turnhalle geschrieben.“ Den Ablauf der Prüfungen beschrieb Welkering als professionell und geordnet. Allerdings fand er es schade, dass die traditionelle Abiturfeier im Grüneburgpark entfallen musste.

Alice Korolyova, die jüngst ihren Realschulabschluss gemacht hat, berichtete, dass es nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs zunächst an Hygieneartikeln gemangelt habe. Auch habe mit der Zeit die Disziplin von Schülern und Lehrern, was das Händewaschen vor Unterrichtsbeginn und die Einhaltung der Abstandsregeln anbelangt, sukzessive abgenommen. Durch die reduzierte Klassengröße konnten maximal acht Schüler in einem Raum am Unterricht teilnehmen. Das restliche Drittel der Klasse habe Einzelunterricht erhalten. „Der Lehrermangel führte dazu, dass nur noch Hauptfächer unterrichtet wurden. Arbeitsaufträge wurden nicht immer an jene, die nicht im Präsenzunterricht waren, weitergegeben. Und wegen des Lehrermangels wurde mitunter auch fachfremd unterrichtet“, resümierte Korolyova.

Ein ähnliches Fazit zog auch Iva Mae Keglevic: „Für mich war es nicht so schön, immer zuhause zu sitzen und per E-Mail Arbeitsaufträge zu erhalten, die nicht verpflichtend sind.“ Nach den Osterferien sei an ihrer Schule begonnen worden, mit Microsoft Teams zu arbeiten. Das habe die Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern vereinheitlicht und spürbar verbessert.

Das Gehörte bestätigte die Beobachtungen des Oberbürgermeisters, die er bei einem Besuch des Riedberg-Gymnasiums in der Vorwoche machte: „Krisen wie diese können Chancen beinhalten, bergen aber auch das Potenzial zur Diskriminierung. Um gut auf eine mögliche zweite Welle vorbereitet zu sein, braucht es gute Vorbereitung, Ressourcen und auch qualifiziertes Personal“, sagte Feldmann. Er wollte von den Vertretern des Stadtschülerrats zudem wissen, wie sie zu einer Rückkehr zum regulären Unterricht nach den Sommerferien stehen.

Stadtschülersprecher Paul Harder hält es für ratsam, dass sich Lehrer über die Sommerferien in Sachen Digitalisierung fortbilden. Auch er ist der Überzeugung, dass es nicht zu unnötigen Risiken kommen sollte. Harder rät dazu, im Falle einer wieder aufkommenden Corona-Welle die Schulpflicht auszusetzen und Eltern sowie Kindern Übergangsweise die Entscheidungsfreiheit über den Schulbesuch zu gewähren.

SSR-Vorstandsmitglied Gabriel Hanika führte an, dass die Corona-Krise viele bestehende Mängel im Bildungssystem aufgedeckt habe: „Informationen über Maßnahmen werden nur wenige Tage vor der Umsetzung veröffentlicht. Das sorgt für einen großen psychischen Druck, der auf Schülern und Lehrern lastet“, sagte Hanika. Daher müsse man sich schon vor den Sommerferien auf ein Konzept einigen, wie der Schulbetrieb danach fortgesetzt werden könne.

Harder ist der Ansicht, es sei ein „absolutes Armutszeugnis, wenn es erst eine globale Pandemie benötigt, damit an hessischen Schulen genug Seife und Hygieneartikel vorhanden“ seien. Trotz hoher Neuverschuldung wäre es jetzt angezeigt, in die Schule und somit die Zukunft der Bildung zu investieren. Vorbereitung auf eine mögliche zweite Welle sollte trotz Regelunterricht nach den Ferien nicht unterlassen werden.

Um bestehende Prozesse zu optimieren und die Schulen bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu unterstützen, fordert der Stadtschülerrat die Einrichtung einer zentralen Kontaktstelle im zuständigen Amt für Immobilien, an die sich die Schulgemeinden, auch die Schülervertretungen, direkt wenden können. Der Oberbürgermeister sagte zu, den Baudezernenten dazu aufzufordern.

Dem Stadtschülerrat ist trotz Unterrichtsausfall sehr daran gelegen, die aktuellen Demonstrationen gegen Rassismus zu unterstützen. Rassismus und Diskriminierung sei auch im Schulalltag immer wieder ein Problem, sagte Harder. Daher fordert das Gremium einen städtischen Ansprechpartner sowie Redezeit in der Stadtverordnetenversammlung, zumindest anlässlich der anstehenden Rassismusdebatte. Der Oberbürgermeister verwies darauf, dass dieses Anliegen zwar nicht in seiner Entscheidung liege, aber sagte zu, dafür bei der Stadtverordnetenversammlung zu werben. (ffm)