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Letzte Aktualisierung: 31.05.2020

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OB Feldmann: ‚Wir setzen Meilensteine für eine nachhaltige Mobilität‘

von Ilse Romahn

(14.05.2020) Das Netz des städtischen Busverkehrs in Frankfurt am Main steht vor einer grundlegenden Verbesserung.

Oberbürgermeister Peter Feldmann und Verkehrsdezernent Klaus Oesterling präsentieren die neuen Buskonzepte
Foto: Stadt Frankfurt / Bernd Kammerer
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„Mit Metrobussen, Expressbussen und einem nochmals deutlich attraktiveren Nachtverkehr setzt die Stadt Meilensteine für eine nachhaltige Mobilität“, stellt Oberbürgermeister Peter Feldmann fest. „Als wachsende Stadt mit derzeit rund 750.000 Einwohnern und über 375.000 täglichen Einpendlern steht Frankfurt am Main bei der umweltfreundlichen Gestaltung von Mobilität vor besonders großen Herausforderungen. Der öffentliche Nahverkehr, den wir konsequent Schritt für Schritt ausbauen, ist dabei ein wesentlicher Schlüssel zur Lösung. Er muss – und da gehen wir jetzt einen weiteren wichtigen Schritt – immer da sein: Täglich und rund um die Uhr! Darum begrüße ich das neue Taktversprechen sehr: Tagsüber mindestens alle zehn Minuten, an Sonn- und Feiertagen viertelstündlich und nachts jede halbe Stunde.“

Der Fokus in der zukunftsorientierten Entwicklung des Frankfurter Nahverkehrs liegt dabei gleichermaßen auf ökologischen wie ökonomischen Aspekten. „Schon heute leisten Frankfurts Busse und Bahnen mit einem dichten Netz und modernen, sauberen Fahrzeugen einen großen Beitrag zur umwelt- und kundenfreundlichen Mobilität in Deutschlands Pendlerhauptstadt“, erklärt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. „Neben der Bereitstellung höherer Mobilitätskapazitäten für die wachsende Stadt führen wir Premium-Produkte wie Metrobus und Expressbus ein. Die Unterscheidung zwischen Tag- und Nachtnetz wird weitgehend aufgehoben: Viele Linien fahren rund um die Uhr und sie bedienen nachts die gleichen Verbindungen wie am Tage. Für die Fahrgäste ist das eine deutliche Vereinfachung und Attraktivitätssteigerung.“

Der Aufsichtsrat der städtischen Nahverkehrsgesellschaft traffiQ, dessen Vorsitzender Oesterling ist, hat bereits die notwendigen Beschlüsse gefasst. Die Zustimmung von Magistrat und Stadtverordneten vorausgesetzt, kann diese Attraktivitätssteigerung, für die Feldmann und Oesterling nachdrücklich plädieren, zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember in Kraft treten.

Tom Reinhold, Geschäftsführer von traffiQ, formuliert den Anspruch der städtischen Nahverkehrsgesellschaft: „Wir wollen mit einem spürbar verbesserten Angebot mehr Fahrgäste für Busse und Bahnen gewinnen. Gerade auch diejenigen, die heute noch mit dem Auto fahren, wollen wir mit einem attraktiven, schnellen und zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr zum Umsteigen animieren.

Weichen für die Zeit nach Corona stellen
Im März führte die Corona-Pandemie zu einem radikalen Lockdown des öffentlichen, sozialen und wirtschaftlichen Lebens, der nur schrittweise und tastend wieder gelockert wird. Welche Folgen daraus für diese Planungen und für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr resultieren, ist noch längst nicht in der ganzen Tragweite absehbar. Ein massiver Rückgang der Fahrgastzahlen mit entsprechenden Einnahmeverlusten im Jahr 2020 ist sicher.

Ebenso ist ein deutlicher Einbruch der Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Ausgaben für die öffentlichen Haushalte zu erwarten. „Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die robuste deutsche Wirtschaft relativ schnell erholen und das Niveau vor der Pandemie bald wieder erreichen wird“, ist Feldmann überzeugt. Oesterling ergänzt: „Angesichts der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Fahrgastzahlen in Frankfurt am Main erscheint es geraten, den bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie an seinen Grenzen arbeitenden öffentlichen Nahverkehr weiter konsequent auszubauen – dies allein schon vor dem Hintergrund der Herausforderungen, denen sich die Stadt im Klimaschutz stellen muss.“

Metrobus-Linien: 24-Stunden-Betrieb und ‚Taktversprechen‘
Acht nachfragestarke Frankfurter Buslinien erhalten ab Dezember das Label „Metrobus-Linie“. Sie zeichnen sich durch zwei Qualitätsversprechen aus: Zum ersten verkehren sie an jedem Tag der Woche rund um die Uhr (Konzept 24/7). Sie bilden damit einen weiteren Baustein auf dem Weg zu einem zunehmend mit den Linien des Tagverkehrs identischen Nachtverkehrs. Zweitens verkehren sie besonders häufig, fahren also ein „Metro-ähnliches“ Angebot. Es ist gekennzeichnet durch folgendes „Taktversprechen“: Tagsüber mindestens alle zehn Minuten, an Sonn- und Feiertagen viertelstündlich und nachts jede halbe Stunde.

Diese Takte sind, mit geringen Ausnahmen, auf den Metrobus-Linien das Mindestangebot. Bei entsprechend großer Fahrgastnachfrage verkehren die Busse noch häufiger.

Das Metrobus-Netz umfasst folgende Linien: 
M32: Westbahnhof – Bockenheimer Warte – Miquel-/Adickesallee – Höhenstraße – Ostbahnhof
M34: Gallus Mönchhofstraße – Rödelheim Bahnhof – Industriehof – Dornbusch – Bornheim Mitte
M36: Westbahnhof – Bockenheimer Warte – Westend – Konstablerwache – Sachsenhausen Hainer Weg
M43: Bergen Ost – Seckbach – Bornheim Mitte
M55 Sindlingen Friedhof – Zeilsheim – Höchst Bahnhof – Mainberg – Zuckschwerdtstraße – Rödelheim Bahnhof
M60 Rödelheim Bahnhof – Heerstraße – Nordwestzentrum – Heddernheim (– Alt-Eschersheim Im Uhrig)
M72/M73 Nordwestzentrum – Industriehof – Rödelheim / – Westbahnhof

„Für die Fahrgäste der Metrobus-Linien ist das unser Qualitätsversprechen“, meint traffiQ-Geschäftsführer Reinhold: „Ein dichter Takt und die Gewissheit, mit diesen Linien rund um die Uhr das gewünschte Ziel zu erreichen.“

Expressbus-Linien: Auf schnellem Weg zum Flughafen
Das zweite Premium-Produkt, das traffiQ zum Fahrplanwechsel im lokalen Frankfurter Busverkehr einführen möchte, sind Expressbuslinien, wie sie der Rhein-Main-Verkehrsverbund im regionalen Verkehr bereits mit Erfolg betreibt.

„Expressbuslinien haben einen gestrafften Linienweg und benutzen weitgehend Schnellstraßen“, erklärt Tom Reinhold. „Im Interesse der Beschleunigung werden nur ausgewählte Haltestellen bedient.“ Dies sind zumeist solche, an denen wichtige Umsteigemöglichkeiten bestehen. Die Expressbusse erzielen so erhebliche Fahrzeitgewinne von bis zu 15 Minuten gegenüber heutigen Busverbindungen. Ziel aller drei geplanten Expressbuslinien ist der Frankfurter Flughafen: 
X58 Höchst Bahnhof – Flughafen Terminal 1
X61 Südbahnhof – Gateway Gardens – Flughafen Terminal 1
X77 Cargo City Süd – Flughafen Terminal 3 – Gateway Gardens – Südbahnhof

Die Cargo City Süd und das Terminal 3 erhalten mit der Expressbus-Linie X77 erstmals eine Direktverbindung von und zur Innenstadt. Die Linie X77 wird die heutige Linie 77 ersetzen, während die Grundlinien 58 und 61 bestehen bleiben.

Die Linien verkehren täglich von 4 bis 1 Uhr mindestens alle 30 Minuten.

Nachtverkehr: Fast wie am Tage
„Die Stadt Frankfurt am Main verfolgt zielgerichtet den Weg, den Fahrgästen in Bussen und Bahnen ein Mobilitätsangebot zu machen, das ihren Bedürfnissen entspricht“, erklärt Feldmann. „Dazu gehört für mich, dass es ein Nahverkehrsnetz gibt, sowohl bei Tag als auch bei Nacht. Auch hier kommen wir jetzt ein großes Stück weiter.“ In den Jahren 2017 und 2018 hatten RMV und traffiQ das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs in den Wochenend-Nächten schon vollkommen neu strukturiert. Seitdem legen vier U-Bahn-, vier Straßenbahn- und 15 städtische Buslinien in den Nächten vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen ein dichtes Verkehrsnetz über die Mainmetropole. Sie fahren damit ganz oder auf Teilstrecken praktisch rund um die Uhr – einer der attraktivsten Nachtverkehre in Deutschland war aus der Taufe gehoben. Reine Nachtlinien gab es seitdem am Wochenende kaum noch. Unter der Woche startet der Nachtbusverkehr ab der Zentralstation Konstablerwache wie zuvor.

„Jetzt will traffiQ konsequent den nächsten Schritt gehen“, stellt Reinhold fest. „Im neuen Frankfurter Nachtverkehr gilt ein einziges Liniennetz, das in jeder Nacht im Halbstundentakt bedient wird und sich im Liniennetz faktisch nicht mehr vom Tagesnetz unterscheidet.“ Denn das Netz besteht aus dem 24-Stunden-Betrieb wichtiger Tageslinien. Dies sind U-Bahn- und Straßenbahnlinien, die in den Werktagsnächten durch neue schienennahe Nachtbus-Linien ersetzt werden, und die auch nachts fahrende Metrobus-Linien. Ergänzt wird dieses Netz um weitere wichtige Buslinien, die im Halbstunden- oder Stundentakt verkehren.

Unter der Woche gilt also das gleiche Netz wie am Wochenende. Die U-Bahnen und Straßenbahnen werden aufgrund der geringeren Nachfrage durch parallel verkehrende Nachtbus-Linien ersetzt. Damit entsteht in Frankfurt ein Nahverkehrsnetz, das dem Konzept 24/7 folgt, also auf vielen Linien ein einheitliches Angebot an sieben Tagen die Woche und rund um die Uhr bietet.

Das nächtliche Angebot setzt sich dabei aus drei Bausteinen zusammen:
• Die acht Metrobuslinien verkehren täglich rund um die Uhr.
• In den Wochenendnächten bilden vier U-Bahn- und vier Straßenbahn-Linien das Rückgrat des lokalen Nahverkehrs. Da in der Woche die Fahrgastnachfrage deutlich geringer ist, werden diese Linien dann durch Nachtbuslinien ersetzt, die bei gleicher Liniennummer dem Linienweg der Schiene folgen: Der schienennahe Nachtbus mit den Linien N4, N5, N7, N8, N11, N12, N16, N18.
• Acht weitere Buslinien, die wichtige Erschließungsaufgaben in die Stadtteile hinein übernehmen. Sie verkehren im Halbstunden- oder Stundentakt.

Hinzu kommen die regionalen Leistungen des RMV mit S-Bahn und regionalen Nachtbuslinien.

Oberbürgermeister Feldmann begrüßt dieser Weiterentwicklung: „Der Frankfurter Nachtverkehr ist eine Erfolgsgeschichte, die zu unserer rund um die Uhr lebhaften Stadt passt. Für die Fahrgäste ist der 24/7-Verkehr eine deutliche Komfortsteigerung, da sie nur noch ein Liniennetz kennen müssen.“

Frankfurter Nahverkehr: Attraktive, nachhaltige Mobilität
„Der Nahverkehr bildet die Lebensadern unser pulsierenden Stadt“, sagt Feldmann. „Die Aufgabe, den mehr als einer Million Menschen, die in Frankfurt am Main leben und arbeiten, ein attraktives und nachhaltiges Mobilitätsangebot zu unterbreiten, nimmt die Stadt mit Nachdruck an.“ Oesterling ergänzt: „Wenn wir den Autoverkehr mit seinen Schäden für Lebensqualität und Umwelt reduzieren wollen, geht das nur, wenn wir den Menschen eine attraktive Alternative bieten. Dafür bauen wir den öffentlichen Nahverkehr konsequent aus.“ (ffm)