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Letzte Aktualisierung: 18.06.2024

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Nino Haratischwili ist die 50. Stadtschreiberin von Bergen

Oberbürgermeister Josef und Kulturdezernentin Hartwig gratulieren zum Jubiläum

von Ilse Romahn

(04.09.2023) Beim traditionellen Stadtschreiberfest auf dem Bergener Markt am Freitag, 1. September, wurde Nino Haratischwili zur 50. Stadtschreiberin von Bergen ernannt. Die Roman- und Theaterautorin übernahm das Amt von ihrer Vorgängerin Marion Poschmann.

Oberbürgermeister Mike Josef, Stadtschreiberin Nino Haratischwili und Kulturdezernentin Ina Hartwig
Foto: Frankfurt am Main, Stefanie Koesling
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Als Stadtschreiberin von Bergen erhält Nino Haratischwili das Wohnrecht im Stadtschreiberhaus, um dort ein Jahr lang zu leben, zu arbeiten und Teil der Bürgerschaft Bergen-Enkheims zu werden. Darüber hinaus ist die Ehrung mit einem Preisgeld in Höhe von 20.000 Euro dotiert. Den Preisträger oder die Preisträgerin bestimmt eine Bürgerjury; vergeben wird die Auszeichnung durch die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim im Auftrag der Stadt Frankfurt am Main.
 
Anlässlich des Jubiläums gratulierte Oberbürgermeister Mike Josef den Bürgerinnen und Bürgern Bergen-Enkheims zu ihrem Literaturpreis: „Ein halbes Jahrhundert nachdem er ins Leben gerufen wurde, ist der Stadtschreiberpreis Beispiel und Vorbild – oft kopiert, aber nie erreicht. Das liegt sicher auch an der Einzigartigkeit dieses Ortes und an der Gastfreundschaft der Bürgerinnen und Bürger von Bergen-Enkheim.“ Er fügt hinzu: „Viele Persönlichkeiten haben sich über die Jahre hinweg um den Stadtschreiberpreis verdient gemacht. Stellvertretend für sie alle möchte ich Adrienne Schneider, der Tochter von Franz-Joseph Schneider, der den Preis 1974 ins Leben gerufen hat, sowie der langjährigen Inhaberin der Berger Bücherstube, Monika Steinkopf, meine Anerkennung und meinen Dank aussprechen.“
 
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Ina Hartwig hob die lange Reihe namhafter Preisträgerinnen und Preisträger hervor, darunter Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und Büchnerpreisträger wie Wolfgang Koeppen und Marcel Beyer, die Nino Haratischwili nun fortführen wird: „Der Stadtschreiberpreis ist mit vielen klangvollen Namen verbunden. Mit Nino Haratischwili kommt ein weiterer hinzu. Ihre vielfach ausgezeichneten Romane rufen uns die georgische Gesellschaft im 20. Jahrhundert und vor allem nach dem Zerfall der Sowjetunion ins Bewusstsein und entwerfen breit angelegte, epische Panoramen, in denen persönliche Schicksale kunstvoll mit dem Lauf der Geschichte versponnen werden. Nino Haratischwili ist eine ‚Erzählerin von Weltformat‘, lesen wir in der Begründung der Jury, und diese Einschätzung werden ihre vielen Leserinnen und Leser nur zu gern bestätigen.“
 
Unter dem Titel „Die Wissenschaft der Empathie“ sprach Haratischwili in ihrer Antrittsrede davon, wie Worte und Geschichten unser Leben durchdringen und davon, was sie Krieg und Gewalt entgegen zu setzen vermögen. „Unsere Welt ist aus diesen Geschichten gewebt. Wir saugen sie mit der Muttermilch ein. Alles, was vor uns war und vielleicht gar, was kommen wird, all das ist in uns eingeschrieben, und durch die aus Worten gewebten, unsichtbaren Fäden sind wir alle miteinander verbunden. Worte einen uns, und manchmal trennen sie uns auch. Aber sie sind nun mal die Krücken, die wir benutzen, um uns darauf zu stützen, um uns gegenseitig Halt zu geben und manchmal auch, um schlichtweg nicht den Verstand zu verlieren. Und aus Worten weben wir noch etwas anderes, etwas, was letztlich die einzige und effektivste Prävention gegen jede Gewalt ist: Empathie. Indem wir uns mitteilen, machen wir uns einerseits angreifbar und andererseits zugänglich. Wir schlagen Brücken. Ohne die Fähigkeit, sich in andere reinzudenken, sich einzufühlen – ist für mich diese Welt ein sehr finsterer Ort.“ (ffm)