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Letzte Aktualisierung: 18.05.2022

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Nie wieder Frieden? Der Ukraine-Krieg und die neue Welt-Unordnung

Römerberggespräche am 30. April im Schauspiel Frankfurt

von Ilse Romahn

(28.04.2022) Der Krieg Russlands gegen die Ukraine zwingt Millionen zur Flucht, Städte werden zerstört und Menschen getötet. Der Krieg ist zugleich eine Zeitenwende für das Leben in Europa und darüber hinaus. Der Angriff hat die Vorstellung einer auf Kooperation gegründeten globalen Ordnung erschüttert. Rund zwei Monate nach Kriegsbeginn beschäftigen sich die Römerberggespräche am Samstag, 30. April, im Schauspiel Frankfurt mit den Auswirkungen von Putins Krieg auf die Stabilität und den inneren Frieden westlicher Demokratien.

Die mit dem Fall der Mauer entstandene Hoffnung auf ewigen Frieden in Europa scheint als Illusion entlarvt worden zu sein. Worauf kann man sich in Zukunft überhaupt noch verlassen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Diesen und anderen Fragen gehen die 51. Römerberggespräche in ihrer diesjährigen Ausgabe nach und könnte damit aktueller nicht sein.
 
„Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen scheint, die Idee einer kooperativen Weltordnung, die auf Frieden, Prosperität und der Verfolgung gemeinsamer Ziele fußt, in die Ferne rücken zu lassen. Er wird auch unser gesellschaftliches Gefüge einer Prüfung unterziehen. Eine wissenschaftliche, fächerübergreifende Analyse der neuen Situation ist dringend geboten und hilft uns, Klarheit und eine Haltung zu den dringenden Fragen zu gewinnen. Ich freue mich deshalb sehr, dass für die Römerberggespräche auch dieses Mal wieder namhafte Expertinnen und Experten gewonnen werden konnten, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema blicken und helfen, unseren Umgang mit der neuen Situation zu erhellen", sagt Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt.
 
Von 10 bis 17 Uhr versammeln sich auf der Bühne des Schauspiels Expertinnen und Experten, um über das Thema „Nie wieder Frieden? Der Ukraine-Krieg und die neue Welt-Unordnung?“ mit Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren. Das tagesfüllende Programm umfasst Impulsreferate und Podiumsgespräche, moderiert von Hadija Haruna-Oelker und Alf Mentzer vom Hessischen Rundfunk.
 
Die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, und Ina Hartwig eröffnen um 10 Uhr die Veranstaltung. Um 10.15 Uhr beginnt Karl Schlögel, Autor und ehemaliger Leiter des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte in Konstanz und an der Viadrina in Frankfurt an der Oder, mit seinem Impulsreferat „Die Ordnung im Kopf und die Unordnung der Welt“. Um 11 Uhr sprechen Alice Bota, Redakteurin der Zeit, und Jurko Prochasko, ukrainischer Germanist, Autor und Übersetzer, zu „(K)ein neuer Krieg – Osteuropäische Perspektiven“. Es folgt um 12 Uhr Viktor Jerofejew, russicher Schriftsteller, mit seinem Vortrag „Putin and Europe“.

Nach einer einstündigen Pause setzt um 14 Uhr Charlotte Klonk, Professorin für Kunst- und Neue Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, mit „Nie Wieder – Bilder des Krieges“ das Thema fort. Um 14.45 Uhr sprechen Stefan Kadelbach, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, und Adam Tooze, britischer Wirtschaftshistoriker, über „Verbrechen und Strafe: Wie sanktioniert die Weltgemeinschaft Putins Aggression?“. Es schließt sich um 15.30 Uhr Jannis Panagiotidis, Historiker und Migrationsforscher, mit „Flucht aus der Ukraine, postsowjetische Migration und die Zukunft der Migrationsgesellschaft” an. Mit ihrem Vortrag „Zurück auf Null? Der Ukrainekrieg und seine Folgen” schließt Friedens- und Konfliktforscherin Nicole Deitelhoff den Tag um 16.15 Uhr.
 
Weitere Informationen gibt es unter roemerberggespraeche-ffm.de.

Die Römerberggespräche sind eine feste Institution der Debattenkultur in Deutschland. Sie finden seit 1973 jährlich in Frankfurt am Main statt und beschäftigen sich mit aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Die Veranstaltung wird vom Kulturamt Frankfurt gefördert. (ffm)