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Letzte Aktualisierung: 18.05.2022

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Neues Partyleben in der Pandemie

von Ilse Romahn

(02.05.2022) Geschlossene Clubs und Kneipen, abgesagte Partys: Die Pandemie hat Jugendliche und junge Erwachsene in den vergangenen beiden Jahren zum Feiern ins Freie getrieben – oder in die eigenen vier Wände. Mit welchen Folgen für den Konsum legaler und illegaler Drogen? Laut einer Studie des Centre for Drug Research der Goethe-Universität, gefördert vom Drogenreferat der Stadt, liefen die Freiluft-Partys 2021 in Frankfurt weitestgehend ohne exzessiven Substanzkonsum und gewalttätige Auseinandersetzungen.

Insgesamt haben junge Menschen während der Pandemie wohl deutlich weniger legale und illegale Drogen konsumiert, sagt Bernd Werse, der die Studie leitete. Der Grund: „Und zwar nicht nur, weil es weniger gemeinsame Gelegenheiten dazu gab, sondern auch, weil man in der Pandemiesituation häufig bemüht war, Partys im öffentlichen Raum nicht zu sehr ausschweifen zu lassen.“

Nach den Opernplatz-Krawallen im Juli 2020 hatte sich die Frankfurter Polizei durch eine ausgewogene Mischung aus Kontrolle und Deeskalation offenbar gut auf Feiernde im öffentlichen Raum eingestellt. Neben einzelnen Anwohnerbeschwerden wegen Lärms war die Polizei hauptsächlich wegen Gruppen von jungen, stark alkoholisierten Männern in Einsatz.

Härter feiern in Clubs
Dass bei den Feten im öffentlichen Raum vorwiegend Alkohol und weniger illegale Drogen eine Rolle spielen, bestätigt Karsten Tögel-Lins, Geschäftsführer des Vereins Basis, dem Träger des Projekts „Safe Party People“. Mit Info-Ständen und aufsuchenden Beratungs- und Safer Use-Angeboten sind die Mitarbeitenden in Frankfurter Clubs, auf Festivals, Underground-Partys oder auch in Parks zur Stelle: „Wir sehen allerdings nicht, was die Leute konsumieren, wenn sie nach der Party im Freien irgendwo privat weiterfeiern“, sagt Tögel-Lins. Vor allem aus der Gruppe der Mittzwanziger werde in Gesprächen deutlich, dass sie aus Frust und Langeweile zu Hause mehr Drogen konsumierten als vor der Pandemie.

„Wir bewegen uns hier in einem Dunkelfeld“, bestätigt die Leiterin des Drogenreferats, Regina Ernst. „Deshalb fördern wir das Safe Party People-Projekt, um möglichst nahe an den verschiedenen Partysettings zu bleiben. Der akzeptierende, vertrauensvolle Ansatz mit Aufklärung und schadensmindernden Safer Use-Angeboten ist für uns unverzichtbar, um junge Menschen zu erreichen und Situationen realistisch einschätzen zu können.“ Daher spielen auch die Wahrnehmungen aus den Clubs eine wichtige Rolle. „Von ihnen hören wir, dass in bestimmten Ausgehszenen deutlich härter gefeiert und konsumiert wird als früher“, sagt Tögel-Lins. Bei einigen Partys habe es zahlreiche Überdosierungen gegeben. Vor allem hochdosiertes Ecstasy sei in hohem Maße im Umlauf.
 
Kondom fürs Glas gegen K.O.-Tropfen
Als aktuelles Problem melden Clubs die Verbreitung von GBL/GHB, bekannt als K.O.-Tropfen oder auch Liquid Ecstasy. Safe Party People hat dazu bereits mit einer Info-Veranstaltung für junge Leute im Café KOZ am alten Uni-Campus reagiert. Als Schutz bei Partys und in Clubs geben sie sogenannte „Cup Condoms“ aus – Latexüberzüge für Becher und Gläser, die das Drogenreferat mitfinanziert. Sie bieten zwar keine endgültige Sicherheit vor unliebsamen Attacken, sagt Tögel-Lins, „aber wir machen die Leute auf das Thema aufmerksam und zeigen, passt aufeinander auf, gebt Bescheid.“

Gesundheitsdezernent Stefan Majer ist deshalb ein politisches Klima der Offenheit in der Stadt wichtig: „Die jungen Leute sollen wissen, dass wir sie in ihrem Konsumverhalten nicht kriminalisieren, sondern sie mit unseren Präventionsangeboten unterstützen und vor gesundheitlichen Schäden bewahren wollen“, sagt der Stadtrat. Mit diesem Anliegen sieht er sich auf einer Linie mit den Clubs: „Wir ziehen an einem Strang, um ein sicheres, unbeschwertes Nachtleben zu bieten, das unsere Stadt lebens- und liebenswert macht.“ (ffm)