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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Natürlicher Nistplatz für Honigbienen

Zoo schafft für einen Schwarm eine neue Heimat

von Karl-Heinz Stier

(29.05.2020) Mit einer neuen Art, die zugleich 30 000 „Angehörigen“ umfassen, ist der rund 450 Tiere umfassenden Zoo um eine neue Tiergattung reicher geworden.

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Sie erläuterten das neue Bienenansiedlungsprojekt(v.l.n.r.): Kultdezernentin Dr. Hartwig, Zoodirektor Dr. Cesares und die Bienenbotschafter aus Karben Moses M. Mrohs und Antonio Gurliaccio
Foto: Karl-Heinz Stier
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Hier ist die Königin mit ihrer Corona von 30 000 Bienen schon eingezogen.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Seit 10. Mai summt und brummt es in einer Streuobstwiese im Südosten des Geländes. In Kooperation mit der BIENENBOTSCHAFT aus Karben im Wetteraukreis ist hier ein natürlicher Nistplatz für wildlebende Honigbienen entstanden. Ursache dafür: in einem Bienenstock in der alten Heimat wurde es eng, die Königin zog mit einem Teil der Bienen aus, ein neuer Nistplatz wurde gesucht. Die Folge: bei Imker und Bienenbotschafter Antonio Gurliaccio in Karben teilte sich ein von ihm betreutes Volk, er nahm den Schwarm und brachte ihn in den Zoo. Hier nahmen die Bienen sofort ihr neues Zuhause in einem Kirchholzstamm in Besitz. Etwa eine Stunde dauerte es, bis die letzte der 30 000 Bienen eingezogen waren.

„Bienen sind in Frankfurt höchst willkommen“, betonte Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft. „Die Biene hat stark an Popularität gewonnen, weil uns ihre Leistung als Bestäuberin bewusst geworden ist. Sie ist damit die perfekte Botschafterin für die zahlreichen massiv bedrohten Insektenarten“.

Auf dem neuen Zoo-Areal wird nicht die klassische Imkerei vorgestellt, sondern nach neuesten wissenschaftlichen Erkentnissen, der sogenannten „Natural Halbeetat* Tree“, die Entwicklung der natürliche Behausung von Bienenvölkern in ausgehölten Baumstämmen. Hier finden die Bienen beste Voraussetzungen für ein artgemäßes Leben. Dazu gehört, dass die Bienen auch nur sich selbst und nicht die Menschen mit Honig versorgt - wie das die Imker mit ihren Bienen tun. Nach Mitteilung von Bienenbotschafter Gurliaccio gehen seit Jahren viele Naturschwärme zu Grunde, weil sie in der Natur keine geeigneten Nistplätze mehr finden und aus Sicherheitsgründen gerade alte Bäume mit Höhlen gefällt werden. Vögeln, wildlebenden Honigbienen und anderen Insekten würden dann keine geeignete Rückzugsräume geboten.

Zoodirektor Dr. Miquel Casares wies daraufhin, dass es dem Zoo nicht um die Honiggewinnung, sondern um die naturnahe Bienenerhaltung gehe. Dafür sollen die Besucher*innen sensibilisiert werden. So ist auf der Streuobstwiese neben dem Bienenbaum noch ein weiterer ausgehöhlter Baumstamm aufgebaut, der im Innern veranschaulicht, wie eine Bienenbehausung auf welchen Stockwerken aussieht.