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Letzte Aktualisierung: 18.05.2022

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Nachholbedarf bei Akademisierung der Pflege

Frankfurt University of Applied Sciences zum heutigen Internationalen Tag der Pflegenden

von Claudia Staat

(12.05.2022) Der 12. Mai wurde 1965 vom International Council of Nurses zum Internationalen Tag der Pflegenden erklärt, in Anlehnung an den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale (*1820), die als Pionierin der modernen westlichen Krankenpflege gilt. Der Aktionstag würdigt die Arbeit von 28 Millionen Menschen, die sich derzeit weltweit mit Professionalität und Fachkompetenz, mit Empathie und Einfühlungsvermögen für alte und kranke Menschen und deren Angehörige einsetzen.

Prof. Dr. Klaus Müller ist Experte für Pädagogische Aufgaben in der Pflege an der Frankfurt UAS.
Foto: Kevin Rupp /Frankfurt UAS
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Er gewinnt an Bedeutung, wenn das Gesundheitswesen wie derzeit besondere Herausforderungen zu bewältigen hat und der Pflegeberuf durch den Fachkräftemangel und die erschwerten Arbeitsbedingungen unter der COVID-19-Pandemie in den Fokus der gesellschaftlichen Wahrnehmung rückt.

Dies nimmt Prof. Dr. Klaus Müller zum Anlass, um auf die Bedeutung der akademischen Ausbildung in der Pflege hinzuweisen. Der Professor für Pädagogische Aufgaben in der Pflege an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) verweist in seinem Statement darauf, dass Deutschland diesbezüglich im Vergleich zu anderen Ländern Nachholbedarf habe. „Es ist an der Zeit, auf den fortlaufenden Wandel der Arbeitswelt zu reagieren“, lautet Müllers Appell.

„Nicht nur in Zeiten der Krise sollte der Blick auf den Pflegeberuf gerichtet werden“, betont der Wissenschaftler. „Denn Pflege erfüllt einen gesellschaftlichen Auftrag und bietet physische, psychische und soziale Unterstützung für akut kritisch, chronisch und lebensbegrenzt erkrankte Menschen sowie für das Leben unter den Bedingungen von psychischer Erkrankung und Behinderung. Ein vielfältiger und komplexer Aufgabenbereich in sich differenzierenden Versorgungsbereichen erfordert eine zunehmende Spezialisierung der Pflegepraxis. Der technisch-medizinische Fortschritt korrespondiert mit dem demografischen Wandel. Erforderlich werden somit eine Steuerung und Gestaltung hochkomplexer Pflegeprozesse. Zudem ist die stetige Erweiterung von Wissen und evidenzbasierten Erkenntnissen aus Forschung und Wissenschaft maßgeblich, um diesem dynamischen Berufsfeld gerecht zu werden.“

Der an der Frankfurt UAS konzipierte, primärqualifizierende duale Studiengang Angewandte Pflegewissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Julia Lademann und Prof. Dr. Klaus Müller bietet erstmals die Möglichkeit, in acht Semestern den Bachelor of Science plus die Berufszulassung zur Pflegefachkraft zu erlangen. Die Besonderheit des Studienganges ist die gelungene Verzahnung von Theorie und Praxis, die durch eine Zusammenarbeit mit Gesundheitsunternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet erreicht wird. Die Studenten durchlaufen einen generalistisch konzipierten Studiengang, d.h. sie können nach erfolgreichem Abschluss sowohl in der Pflege von Kindern und Jugendlichen, als auch von erwachsenen und älteren Menschen arbeiten.

„Im Gegensatz zu den Fachschulen der beruflichen Pflegeausbildung, die über einen länderspezifischen Ausbildungsfonds refinanziert werden, wird das Studium von den Hochschulen getragen, die Vergütung der Studierenden in den Praktika von den kooperierenden Praxispartnern. Diese innovativen Player im Gesundheitswesen sehen darin eine Investition in die Zukunft und einen großen Schritt in Richtung einer Professionalisierung der Pflege“, so Müller.

Im Vergleich zu anderen Ländern liegt Deutschland im Hinblick auf die Akademisierung in der Pflege weit zurück, obwohl die deutliche Empfehlung des Wissenschaftsrates in Deutschland bereits seit 2012 einen Anteil an akademisch ausgebildeten Pflegefachkräften im Umfang von 10 bis 20 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs empfiehlt. Diese Empfehlung spiegelt sich bislang weder im Angebot der Studienplätze noch im praktischen Feld wider.

Die bisher klare Trennung zwischen beruflicher Ausbildung und Hochschulausbildung gilt es nach Müllers Überzeugung neu zu justieren und die Akademisierung der Pflege als Chance im Hinblick auf die gesellschaftlichen und beruflichen Herausforderungen zu verstehen. Daher besteht die Forderung an die Politik, den Lebensunterhalt junger Menschen zu sichern, die sich für ein Pflegestudium entscheiden.

Müller: „Bei einem Studium mit hohem Theorieanteil und starker praktischer Ausrichtung ist eine finanzielle Förderung unabdingbar, um interessierte Schüler mit Hochschulreife für das Berufsfeld zu gewinnen.“ Eine akademische Qualifikation steigert nach internationalen Studien die Pflegequalität und wirkt sich positiv auf die Versorgung von Menschen mit Unterstützungsbedarf aus, indem wissenschaftliche Methoden und Forschungsergebnisse in die Pflegepraxis einfließen. Genau diesen Ansatz verfolgt die Frankfurt UAS mit ihrem Studienangebot Angewandte Pflegewissenschaft.

Zur Person:

Prof. Dr. Klaus Müller ist seit 2015 Professor für Pädagogische Aufgaben in der Pflege an der Frankfurt UAS. Der ausgebildete Krankenpfleger und Lehrer für Pflege studierte Gesundheitswissenschaften sowie Lehramt für die Oberstufe an beruflichen Schulen mit Fachrichtung Gesundheit. Vor seinem Ruf an die Frankfurt UAS war er u.a. Professor für Gesundheits- und Pflegewissenschaft an der FH der Diakonie in Bielefeld sowie Koordinator des Transfernetzwerks innovative Pflegeausbildung der Robert Bosch Stiftung. Seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind Gestaltung betrieblicher Ausbildungsprozesse, motivierende Gesundheitsberatung, Strategien pflegerischer Arbeit (professionelle Sorge / Caring) sowie Studiengangsentwicklung. (idw)