Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 30.11.2021

Werbung
Werbung

Nachhaltiges Banking: ein zukunftsweisendes Modell?

von Bernd Bauschmann

(19.11.2021) Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind im Finanzsektor längst angekommen. Geldinstitute stehen zunehmend vor der Aufgabe, ihre Geschäfte sozialer, nachhaltiger und ökologischer auszurichten. In Deutschland gibt es inzwischen mehrere Banken, die sich auf ökologische und nachhaltige Investitionen spezialisiert haben und ihren Kunden grüne Girokonten anbieten.

Bildergalerie
Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch im Bankenwesen eine immer größere Rolle.
Foto: Pixabay / mrganso
***
Girokonten werden zunehmend online geführt.
Foto: Pixabay / mohamed hasan
***

Welche Arten von Girokonten gibt es?
Die Gesamtzahl der Girokonten bei Geld- und Kreditinstituten in Deutschland lag laut Statista im Jahr 2020 bei rund 109,2 Millionen. Grundsätzlich unterscheiden Geldinstitute zwei Arten von Girokonten: Privatgirokonten und Geschäftsgirokonten. Wie bereits an der Bezeichnung erkennbar sind Privatkonten für private Kunden und Geschäftskonten für Firmenkunden vorgesehen.

Innerhalb der Privatkonten bieten die Banken noch einmal verschiedene Kontoarten an, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten. Für Kinder gibt es das Junge Konto oder Schülerkonto mit speziellen Konditionen, das die Eltern für sie führen. Studierende und Auszubildende können ebenfalls ein Girokonto mit günstigen Konditionen abschließen.

Darüber hinaus stellen die Banken Konten für bestimmte Kundengruppen bereit. Dazu zählen etwa das Guthabenkonto, das Girokonto mit Tagesgeldfunktion, das Pfändungsschutzkonto oder das Girokonto ohne Schufa. Letzteres ist, wie auf OnlineBanken.com näher beschrieben, für Personen mit einer schlechten Bonität gedacht. Daneben gibt es sogenannte grüne oder nachhaltige Girokonten. Aber was genau ist damit gemeint?

Was bedeutet Green Banking?
Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, sowohl im privaten Bereich als auch im Geschäftsleben. Viele dürften dabei an Klima- und Umweltschutz denken. Im privaten Umfeld beginnt es damit, Plastik zu sparen – sei es beim Einkaufen, zu Hause oder unterwegs. Im Geschäftsbereich machen es sich immer mehr Unternehmen zur Aufgabe, in Umwelt- und Klimaschutzprojekte sowie soziale Projekte zu investieren. Aber in welchem Zusammenhang steht unser Geld mit dem Thema und was hat es mit Green Banking auf sich? Für Green Banking oder Sustainable Banking gibt es noch keine konkrete Definition. Dennoch lassen sich einige Kriterien festlegen.

Immer mehr institutionelle und private Anleger wünschen sich Möglichkeiten, ihr Geld nachhaltig zu investieren. Diesem Wunsch kommen viele Geldinstitute und Finanzunternehmen zunehmend nach. Sie entwickeln nachhaltige Finanzprodukte, sei es aus ideellen oder wirtschaftlichen Gründen.

Nachhaltiges Banking beschreibt alternative privatwirtschaftliche Bankgeschäfte, die vor allem ökologische, ethische und soziale Belange berücksichtigen. Green Banking richtet sich also nicht nur nach wirtschaftlichen Aspekten aus wie das konventionelle Bankwesen, sondern beachtet auch Nachhaltigkeitskriterien – die sogenannten ESG-Kriterien. Das Kürzel ESG steht für Environmental (Umweltschutz), Social (Gerechtigkeit) und Governance (Unternehmensführung). Green Banking legt also Wert auf Kriterien wie eine gute Unternehmensführung, die Förderung von sozialer Gerechtigkeit und die Verringerung von Klima- und Umweltschäden.

Sustainable Banking bedeutet im Alltag ebenso, dass ein Geldinstitut interne Prozesse klimafreundlich optimiert oder ausgleichende Maßnahmen unternimmt. Einige Banken haben beispielsweise damit begonnen, Programme zur Aufforstung zu starten, an denen sich die Kunden aktiv beteiligen können. Daneben wirken sich auch der Verzicht auf ein ausgedehntes Filialnetz oder der Wechsel hin zum digitalen Banking positiv auf den Umweltschutz aus.

Wie unterscheiden sich nachhaltige Banken von konventionellen Finanzinstituten?
Die Banken arbeiten mit den Geldern und Einlagen ihrer Kunden. Sie nutzen das Kapital, um Kredite zu vergeben, und bringen es auf diese Weise in den Wirtschaftskreislauf. Dabei spielt es eine große Rolle, ob die Geldinstitute Kohleunternehmen mit dem Geld finanzieren oder erneuerbare Energien.

Nachhaltige Banken haben eigens ökologische und ethische Kriterien festgelegt, die sie ihrem kompletten Bankgeschäft zugrunde legen. Sie investieren in Windkraftanlagen statt in die Förderung von Erdöl und Kohle, in Kindergärten statt Kinderarbeit. Sie vergeben ferner keine Kredite an Unternehmen, die gegen Arbeits- und Menschenrechte verstoßen. Allerdings sind die Begriffe „ethisch“, „sozial“ und „nachhaltig“ nicht verbindlich festgelegt. Jede Bank bestimmt selbst, in welche Bereiche sie investieren möchte. Das heißt, dass ein Geldinstitut durchaus auch Branchen einschließen kann, die als problematisch gelten.

Umweltbanken sind im Vergleich zu konventionellen Banken transparenter und zeigen ihren Kunden in der Regel, für welche Projekte sie ihr Geld einsetzen. Auch die Anlagekriterien listen die Banken detailliert auf ihren Internetseiten auf. Ein weiterer Aspekt ist das Mitbestimmungsrecht, das viele nachhaltige Banken ihren Kunden einräumen. Die Bankkunden haben somit aktiv Einfluss darauf, in welche Projekte ihr Geld investiert wird. Bei klassischen Geldinstituten ist dies nicht möglich.

Kurzum: Nachhaltigen Banken geht es nicht allein um die Maximierung der Gewinne. Sie möchten vielmehr auch einen sinnvollen Beitrag zur Förderung der Gesellschaft und Erhaltung der Umwelt beitragen.

Das grüne Girokonto
Das Produktsortiment nachhaltiger Banken unterscheidet sich kaum von dem konventioneller Banken: Auch nachhaltige, alternative Banken bieten Girokonten, Tagesgeldkonten, Fonds und Sparanlagen an, ebenso Baufinanzierungen und Verbraucherkredite.

Ein grünes Girokonto bei einer nachhaltigen Bank eignet sich für all jene, die Wert darauf legen, dass ihr Geld sinnvoll für ethische und soziale Projekte oder für Umwelt- und Klimaschutzprojekte eingesetzt wird. Das Konto wird in der Regel online geführt. Wer ein nachhaltiges Girokonto eröffnen möchte, sollte also überlegen, ob ein Onlinekonto auch zu ihm passt. Der Kontakt zur Bank erfolgt meist über Telefon oder E-Mail.

Und wie steht es um die Sicherheit des eigenen Geldes? Wie konventionelle Banken werden auch nachhaltige Banken von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kontrolliert. Die Banken gehören zudem der gesetzlichen Einlagensicherung an, über die die Einlagen der Kunden in Deutschland bis zu 100.000 Euro pro Person abgesichert sind. Über die gesetzliche Mindestanforderung hinaus bieten viele Geldinstitute außerdem weitere Sicherungen an. Hierzulande sind dies die Einlagensicherungsfonds der Bankenverbände. Über diese sind die Kundengelder weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus geschützt.

Die Konditionen der Konten variieren allerdings stark. Deshalb lohnt ein Vergleich. Insbesondere beim Grundpreis unterscheiden sich die Finanzinstitute. Neben der Grundgebühr müssen die Kunden bei vielen Banken noch mit jährlichen Kosten für die Girokarte sowie (optional) die Kreditkarte rechnen.

Neben den Kosten sollten Verbraucher, die nach einem nachhaltigen Girokonto suchen, einen Blick auf die Kriterien werfen, nach denen die Banken Geschäftsbereiche ausschließen und die Gelder anlegen. Die Kriterien sollten zu den persönlichen Vorstellungen von Nachhaltigkeit passen. Der Wechsel zu einer nachhaltigen Bank ist heute ebenso einfach wie der zu einer konventionellen Bank.