Musikalische Zeitreise in die 60er Jahre
Im ersten Teil präsentierten die ReBeatles vornehmlich Songs bis Mitte der 60er Jahre. Los legte die Band recht flott mit „Rock’n’Roll Music“, einer der wenigen Hits der Liverpooler, die nicht aus der Feder von Lennon/McCartney stammten. Von den ganz alten Schinken erklangen dazu auch „Love me do“, „All my loving“ oder „I saw her standing there“. Schön fetzig brachte die Coverband „I feel fine“ und „“A hard day‘s night“ rüber, da zuckte es bereits vielen im Tanzbein. Und bei „Twist and shout“ hielt es niemanden mehr auf den Sitzen, von rüstigen Senioren bis hin zu einigen Teenagern und Twens wirbelten begeistert zu der quirligen Musik mit.
In der Tat waren es nicht nur Vertreter der Generation 60plus, die in der Bad Dürkheimer Klosterruine Limburg den Auftritt der ReBeatles begeistert verfolgten. So begleitete ein junger Mann fürsorglich seine Großmutter: „Achtung, pass auf, Oma. Da ist eine Stufe“, warnte der Enkel. Der kurze Zeit später aber keine gelangweilte Miene aufs Gesicht legte, sondern sogar Lieder mitsang. Musikalische Früherziehung hat wohl in diesem Fall gefruchtet. Im Seitengang tanzt eine Mutter mit ihrer Tochter wohl um die Wette. Erstaunlich, wie fit so manche Damen um die 50 noch sind. Und wie tolerant Mädchen mit Mitte 20 sein können... Und wie modern Senioren: Ein älteres Ehepaar schoss ein „Selfie“ von sich mit der Bühne samt Musikern im Hintergrund
Was auffiel, ist die Liebe zu Details bei den ReBeatles. Zunächst einmal erschienen sie im ersten Teil des Konzertes brav in Anzügen, weißen Hemden und Krawatten - wie ihre Vorbilder in deren Anfangszeit. Artig verbeugten sie sich nach jeder Nummer vor dem Publikum. Dann zeigte noch der Blick auf ihre Instrumente Erstaunliches: Ein Ludwig-Schlagzeug, wie es weiland Ringo Starr verdrosch, ein Höfner-Bass, den Paul McCartney einst zupfte und Rickenbacker-Gitarren, auf denen John Lennon und George Harrison damals die Saiten streichelten.
Seit über 20 Jahren verkörpern die vier Musiker der ReBeatles ihre Idole und mit deren Outfits sowie Stimmen und Sound, die nah dran sind am Original. Es begann mit Andrew Kohlenberg, der als Zwölfjähriger einmal bei einem Nachbarjungen eine Beatles-Platte hörte. Die Musik begeisterte ihn. Schon bald sang er „Twist and Shout“ ins Mikrofon, fast wie John Lennon. Die Position Nr. 1 der noch zu gründeten ReBeatles war gefunden. Bei einer gemeinsamen Session mit späteren Musiker-Kollegen sang Martin Schurig Balladen wie „Yesterday“ und „Hey Jude“ unglaublich einfühlsam. Danach gab es keinen Zweifel mehr: Martin musste den Paul McCartney geben.
„Wir suchen George Harrison“ war dann an der Pinnwand eines örtlichen Musikladens zu lesen. Der Gitarrist und Sänger Edwyn Oil meldet sich bei der Band, die kurz darauf verkündet: „Wir haben unseren George“. Seine Stimme ist der des eher schweigsamen Beatle sehr ähnlich, wie etwa bei „While my guitar gently weeps“. Chris Schüßler schließlich komplettiert als Schlagzeuger die heutige Formation der ReBeatles. Er gab 2009 seinen Einstand und verfügt neben einem Ringo-typischen Wortwitz auch über großes Potenzial an seinem Arbeitsgerät. Chris löste den langjährigen Schlagzeuger Toby ab und verleiht der Coverband einen überaus wuchtigen Sound.
Die ReBeatles touren durch ganz Europa, sie gaben schon Konzerte in England oder Russland. Die Coverband aus dem Rhein-Main-Gebiet stand schon auf Festivals mit Größen wie Jethro Tull, The Searchers, The Tremeloes, Kim Wilde oder Karat auf der Bühne. 2010 spielte die Band in der amerikanischen TV-Show „Amazing Race" vor über 60 Millionen Zuschauern live.
In Bad Dürkheim präsentierten sie aber nicht nur die rockigen Beatles-Songs, sie trugen vielmehr auch wunderschöne Balladen vor wie „Yesterday“ oder „You’ve got to hide your love away“. Und spätestens bei „Let it be“ rückte so manches Pärchen mit graumelierten Haaren ganz nahe zueinander, umarmte sich und summte mit einem zarten Lächeln leise mit. Viele sangen auch eifrig mit: „... and when the night is cloudy, there is still a light that shines on me...“ Früher, vor den verschärften Brandschutzverordnungen, wären hier hunderte von Wunderkerzen aufgeflackert.
Zum zweiten Teil ihrer Show beim Bad Dürkheimer Limburg Sommer erschienen die ReBeatles in den legendären bunten „Sgt. Pepper“-Uniformen. Und los ging es mit Songs von oder nach diesem Meilenstein-Album. „With a little help from my friends“, das rhythmische „Back in the USSR“, das optimistische „Here comes the sun“ oder das fetzige „Revolution“ brachten erneut Bewegung unter die Konzert-Besucher. Doch auch Songs, die nicht gerade Highlights der Beatles waren, bekamen das Publikum zu hören: Das flache „Obladi, oblada“ oder das langweilige „Yellow Submarine.“ Am Ende ernteten die ReBeatles aber verdienten begeisterten Applaus.
Eines sorgte an diesem Abend jedoch für Unmut und schlug in der regionalen Presse bereits hohe Wellen: Die Getränkepreise am einzigen Stand der Veranstaltung in der Weinmetropole Bad Dürkheim. Zunächst einmal für Pfälzer völlig unverständlich, dass es nur 0,2-Liter-Gläser gab statt der in diesem Landstrich üblichen 0,25-Liter-Variante. Und dann noch zu einem Preis von 4,50 Euro. „Unverschämt“, fand das - nicht zu Unrecht - ein Besucher. Und auch über den Bierpreis wurde gemeckert, dazu waren es nur Flaschen mit lediglich 0,33 Liter Inhalt. Der Caterer sollte besser nicht wiederkommen.
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