Kultur

Monet und das Künstlerdorf Étretat in der Normandie

Das Städel Museum lädt ein, der bis heute anhaltenden Faszination des normannischen Küstenortes auf 170 Bildern nachzuspüren. „Mit unserer großen Sonderausstellung im Frühjahr 2026 widmen wir uns erstmals der Entstehung des Mythos Étretat. Der Küstenort mit seinen markanten Felsentoren und dem einzigartigen Licht fasziniert Künstler seit dem 19. Jahrhundert und hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren. 

Ausstellungsansicht „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“
Ausstellungsansicht „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“
Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz
Ausstellungsansicht „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“
Ausstellungsansicht „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“
Foto: Städel Museum – Norbert Miguletz

In Étretat entwickelte Claude Monet seine berühmten Motivreihen, die den Impressionismus entscheidend prägten. Besonders stolz sind wir, dass zwei herausragende Werke aus der Städel-Sammlung, die in Étretat entstanden sind, den Ausgangspunkt der Schau bilden: Monets Mittagessen und Gustave Courbets Woge. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Besucherinnen und Besuchern der bis heute anhaltenden Faszination Étretats nachzuspüren“, bertont Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, in seinen Einführungsworten.

Seit mehr als 150 Jahren ist Étretat in der Normandie mittlerweile Urlaubsort und Ziel des internationalen Tourismus, jährlich werden rund 2 Millionen Besucher gezählt. Die Besucherströme bedrohen die Steilküste, jedoch ebenso wie die Erosion und der Klimawandel. Seit vergangenem Jahr darf die Felsformationen nicht mehr beklettert werden. Die Untersuchung des Mythos Étretat ermöglicht, wie unter einem Brennglas die ambivalenten Auswirkungen der Popularisierung eines Ortes sowie die Rolle der Kunst dabei nachzuvollziehen. Mit „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ lädt das Städel Museum derzeit bis zum 5. Juli ein, die Faszination Étretats neu zu erkunden. Die Schau ist das Ergebnis erfolgreicher deutsch-französischer Zusammenarbeit und hier insbesondere mit der Partnerstadt Lyon.

Die Kreidefelsen haben es allen angetan
Zwischen hohen, weißen Kreidefelsen liegt am Ärmelkanal die kleine normannische Gemeinde Étretat. Der kleine Küstenort ist in all seinen Facetten der typische Ort an der Küste mit all seinen Erscheinungen der Gezeiten, der kleinen, großen und gewaltigen Wellen, der Himmel zu den verschiedenen Tages- und Monatszeiten, das Rauschen der Wellen und des Windes und das Klatschen der Wellen an die Felsen, das alles ist in den Bildern von Monet, Matisse und Courbet herauszulesen. Die Naturerscheinungen verzaubern noch heute die Besucher an der französischen Küste und hier speziell in Étretat.

Der Küstenort Étretat wird zum Mythos – und fasziniert. Die Felsen zogen im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler in ihren Bann. Die künstlerische Entdeckung des einstigen Fischerdorfes und seinen Einfluss auf die Malerei der Moderne ist im Städel mit rund 170 herausragenden Gemälden, Zeichnungen, Fotografien und historischen Dokumenten aus führenden französischen, deutschen und weiteren internationalen Museen sowie aus Privatsammlungen zu sehen, darunter allein 24 Werke von Claude Monet.

Künstler machten den Ort berühmt?
Étretat spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer neuen Malerei, die als Impressionismus in die Geschichte der Kunst einging. Das Interesse der Künstler galt vor allem der charakteristischen Klippenlandschaft, die als aufregend schön und bedrohlich zugleich wahrgenommen wurde. Maler und Schriftsteller reisten nach Étretat und machten den abgelegenen Ort durch ihre Werke über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt. Mit der zunehmenden touristischen Erschließung um 1850 entwickelte sich Étretat zu einem beliebten Seebad und zu einem Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und das Pariser Bürgertum: Gustave Courbet malte hier seine berühmten Wellenbilder, Guy de Maupassant erhob Étretat literarisch zu einem Sehnsuchtsort und der Gentleman-Gauner Arsène Lupin, die Romanfigur von Maurice Leblanc, hortete hier seine Kunstschätze. Auch der aufstrebende Maler Claude Monet war von der einzigartigen Steilküste mit ihren drei Felsentoren – der Porte d’Amont, der Porte d’Aval und der Manneporte – derart fasziniert, dass er ihr etliche Gemälde widmete. Unter dem Eindruck, der sich stets verändernden Licht- und Wetterverhältnisse begann, Monet in Étretat Motivreihen zu malen – eine Arbeitsweise, die sich später zu seinem Markenzeichen entwickeln sollte.

Die Küste spürbar erleben

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung bekommen zum Auftakt beim Betreten des Saales erst einmal erlebbar die monumentale Wirkung der Natur rund um die Küste von Étretat durch eine immersive Projektion zu spüren.

Die Ausstellung vereint neben Werken von Eugène Delacroix, Gustave Courbet, Claude Monet und Henri Matisse eine Vielzahl weiterer wichtiger Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Johann Wilhelm Schirmer und Eugène Le Poittevin über Camille Corot und Eugène Boudin bis hin zu Elger Esser.

Gemeinsam verdeutlichen die Arbeiten die anhaltende Faszination, die dieser Ort bis heute ausübt. Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Staatlichen Museen zu Berlin, dem Fitzwilliam Museum in Cambridge, dem Metropolitan Museum of Art in New York, der National Gallery of Canada in Ottawa sowie dem Musée d’Orsay in Paris.