Mobilität statt Scham
Wenn ältere Menschen stürzen oder sich aus dem Alltag zurückziehen, ist das oft ein Warnsignal. Doch statt eine eingeschränkte Mobilität frühzeitig anzusprechen, scheuen viele Angehörige das Gespräch, obwohl gerade ihnen eine besondere Rolle zukommt. Ein Kölner Mediziner gibt Angehörigen Tipps.
Foto: Saljol GmbH, Experteninterview mit Dr. Christian Flügel-Bleienheuft
Dr. Christian Flügel-Bleienheuft, niedergelassener Arzt in Köln, kennt die Befindlichkeiten in Sachen Rollator aus seiner Praxis sehr gut. „Viele Patienten sagen zu mir: So alt bin ich doch noch nicht. Oder: Was sollen die anderen denken?”
Warnzeichen werden oft übersehen
Für den Mediziner ist ein Sturz ein klares Alarmsignal. Häufiger sind die Hinweise jedoch subtiler: Wenn längere Wege zunehmend gemieden, Einladungen abgesagt oder Museumsbesuche und Spaziergänge eingestellt werden. „Sobald Menschen Aktivitäten meiden, weil sie sich unsicher fühlen oder häufig Pausen machen müssen, ist die Mobilität bereits eingeschränkt“, erklärt Flügel-Bleienheuft. Diese Veränderungen werden von Patienten häufig verdrängt oder heruntergespielt, wodurch die Nutzung eines Rollators als unnötig erscheint.
Im Patientengespräch versucht er deshalb, die Perspektive zu ändern: weg vom „Hilfsmittel“, hin zur Selbstständigkeit. „Ein Rollator ist nicht nur eine Gehhilfe, sondern auch eine mobile Sitzgelegenheit. Er vergrößert den Aktionsradius. Moderne Leichtgewicht-Modelle lassen sich zudem problemlos im Auto oder Bus transportieren.“
Angehörige sollten unterstützen statt bevormunden
Angehörigen kommt bei der Verbesserung der Mobilität eine wichtige Rolle zu, denn sie bemerken die Veränderungen oft zuerst. Doch es ist für viele eine Herausforderung, diese Wahrnehmung mit dem Betroffenen zu besprechen, denn gut gemeinte Ratschläge können schnell als Bevormundung verstanden werden.
Der Arzt rät deshalb zu Fingerspitzengefühl:
- Sorgen sollten konkret geschildert werden: „Ich habe gesehen, dass du gestern beim Einkaufen unsicher gegangen bist.“, statt pauschal „Du bist langsam geworden“.
- Vorteile von Mobilität betonen, nicht auf vorhandene Defizite fokussieren.
- Gemeinsam ausprobieren statt anordnen.
- Die Entscheidung für einen Rollator liegt bei den Betroffenen.
„Es geht darum, die Selbstständigkeit zu erhalten, ohne dass dies peinlich wird“, bestätigt Rollator-Experte Thomas Appel. Neben der richtigen Größe und Funktionalität sei auch die Wahrnehmung eines Rollators ein wichtiger Aspekt, so der Experte. Wie bei einer Brille kommt es auch bei diesem Hilfsmittel auf das Design an, da man den Rollator im öffentlichen Raum nutzt. Form und Farbe sind deshalb wichtige Aspekte für die Nutzung und sollten beim Kauf Beachtung finden.
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