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Letzte Aktualisierung: 12.08.2020

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Mobilität im Lockdown - Erste Ergebnisse

von Helmut Poppe

(31.07.2020) Die Mobilität in Hessen ist insgesamt inzwischen fast wieder auf dem Stand wie vor den Corona-Lockdown.

Mobilität
Foto: wirtschaft.hessen
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Doch hat sich der Anteil der Verkehrsmittel an den zurückgelegten Wegen deutlich verschoben: Der Anteil des ÖPNV hat sich um fünf Prozentpunkte auf fünf Prozent halbiert, dafür wird mehr zu Fuß gegangen (+ 6 Punkte auf 25 Prozent). Das Auto verbesserte sich leicht von 52 auf 55 Prozent. Das sind erste Ergebnisse einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin, an der Hessen beteiligt ist.

Die Daten wurden im Mai durch telefonische Befragungen sowie mit Unterstützung einer freiwillig nutzbaren App ermittelt. Dabei ergab sich auch, dass das Fahrrad seine Verkehrsleistung gegenüber dem Vergleichsjahr 2017 verdreifachte. Zwar ging der Anteil an der Zahl der Wege leicht von 10 auf 8 Prozent zurück, die durchschnittliche Wegelänge wuchs jedoch auf 6,9 Kilometer. Besonders stark stieg die Nutzung in der Freizeit: 45 Prozent der Fahrradwege wurden diesem Zweck zugeordnet – fünfmal mehr als 2017.

Auch beim Einkaufen lässt sich eine deutlich intensivere Nutzung des Fahrrads feststellen, während der Anteil der Arbeitswege während des Lockdowns gering war. Das Fahrrad war in der Corona-Krise also vor allem Transportmittel für Einkäufe oder Erledigungen sowie Fitness- und Freizeitgerät.

Verkehrsminister Tarek Al-Wazir wies darauf hin, dass solche schnellen Veränderungen der Anteile der unterschiedlichen Verkehrsmittel zeigen, dass die Corona-Krise ein außergewöhnliches Ereignis ist: „Menschen haben ihre Gewohnheiten sehr schnell verändert, es bleibt aber abzuwarten, ob diese Veränderungen von Dauer sind. Offensichtlich wurden im Mai 2020 kürzere Strecken öfter zu Fuß zurückgelegt, das Fahrrad verstärkt auch für längere Strecken genutzt und Bussen und Bahnen eher gemieden.“ Den wachsenden Radanteil bezeichnete er als ermutigend: „Die Menschen nutzten das Fahrrad auch für größere Entfernungen und gingen kürzere Strecken zu Fuß. Wir liegen mit unserer Nahmobilitätsstrategie also richtig. Jetzt kommt es darauf an, Busse und Bahnen wieder attraktiv zu machen. Dazu gehört zum Beispiel, das Tragen von Masken durchzusetzen. Die Verkehrswende wird vor allem im Ballungsraum nur mit einem leistungsfähigen und attraktiven Öffentlichen Nahverkehr gelingen.“

Al-Wazir warb für die Teilnahme an der Studie mittels der Tracking-App MOBICO: „Wir brauchen valide Mobilitätsdaten. Nur so können wir passgenaue Mobilitätsangebote entwickeln und die Verkehrswende zum Erfolg führen. Die App sammelt diese Daten anonym. Niemand kann damit überwacht werden.“