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Letzte Aktualisierung: 26.10.2020

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Mit Musik die Menschen fröhlich gemacht

Die Trompeterin Gunhild Dörholt erhält den Ehrenbrief des Landes Hessen

von Ilse Rohman

(31.08.2020) Im Westen Frankfurts ist sie eine bekannte musikalische Größe und hat sich gleichzeitig mit ihrem sozialem Engagement in die Herzen vieler Menschen aller Altersgruppen gespielt: Dafür haben der dienstälteste amtierende Ministerpräsident Deutschlands Volker Bouffier und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann Gunhild Dörholt jetzt mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. Am Montag, dem 7. September, wird ihr der Frankfurter OB die Auszeichnung persönlich in der Paulskirche verleihen.

Wird am 7. September mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet: Gunhild Dörholt.
Foto: Privat
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Wie viel heiterer sind doch gleich die Menschen, wenn sie auf Festen, Veranstaltungen und Konzerten von fröhlicher Musik unterhalten werden. Um dieses Wohlgefühl hat sich im westlichen Frankfurter Umfeld die Trompeterin Gunhild Dörholt aus Unterliederbach verdient gemacht. Insofern freut nicht nur sie sich über den Ehrenbrief des Landes Hessen, sondern nicht minder die Schar ihrer Fans.

Begonnen hatte sie mit ihrer Musik im zarten Teenageralter, und zwar im Posaunenchor Unterliederbach. Schon damals half sie, übrigens bis heute, auch stets beim Posaunenchor Höchst aus, wenn Not am Mann bzw. Frau war. Dazu gehört beispielsweise der regelmäßige Auftritt beim weihnachtlichen Turmblasen auf dem Alten Schloss in Höchst, das sie seit Jahrzehnten mitgestaltet.

Während ihres Mathematikstudiums wechselte sie dann in den Musikverein Unterliederbach und spielte dort gleich in drei Formationen: im Blasorchester Hoechst, in der Bigband Hoechst und in der Gruppe „Die Unterliederbacher“, die sich der volkstümlichen Musik verschrieben hat. In der Adventszeit trifft man sie im Quartett der „Unterliederbacher Weihnachtsbläser“, das mit seinen Nikolausmänteln bekleidet auf Weihnachtsmärkten und -feiern für besinnliche Stimmung sorgt. Kein Wunder, dass Gott und die Welt sie kennt – und schätzt. Denn ihre glockenreinen Trompetenklänge verzaubern die Zuhörer, speziell bei ihren Solis.

Die Zahl und Orte ihrer Auftritte sind nur schwer aufzulisten. Sie reichen von eigenen Konzerten des Musikvereins, mal mit, mal ohne Bigband, wie den traditionellen „Herbstkonzerten“ im Höchster Bildungs- und Kulturzentrum (Bikuz) und vor vielen Jahren sogar in der ausverkauften Jahrhunderthalle, den Konzertmuscheln im Palmengarten und in Bad Soden über Auftritte bei Weihnachtsmärkten, Stadtteilfesten, beim Frankfurt-Marathon, im Frankfurter Waldstadion vor Fußballspielen, beim Höchster Schlossfest, in Kirchen, als Mitwirkende bei Filmen und in größeren Restaurationsbetrieben und bei Gartenfesten von Einkaufszentren und Vereinen. Es wurden sogar eigene CDs und Kassetten des Blasorchesters und der Big Band produziert, bei denen sie mitwirkte.

Ganz besonders gefielen ihr und ihren Kolleginnen und Kollegen stets das Spielen in diversen Altersheimen, „weil die Menschen dort so dankbar und fröhlich sind, wenn wir auftauchen. Und manche, die sich sonst nur mehr mühsam die Treppen hinauf schleppen, tanzten sogar dabei“, erzählt sie. Und als die Lehrlinge der damaligen Hoechst AG jedes Jahr zu früher Stunde mit frischer Musik vom damaligen Blasorchesters Hoechst begrüßt wurden, um ihnen den ersten Arbeitstag ein wenig leichter zu machen, war Gunhild Dörholt auch stets mit dabei.

Und als ob das nicht schon genug wäre, kommen dazu ja noch jeweils die Proben. Und das alles ehrenamtlich! Und billig ist so ein Instrument ja auch nicht, zumal Gunhild Dörholt zusätzlich noch Flügelhorn spielt. Und Querflöte, und Klavier, und Blockflöte, und Irish Pipe, aber das nur privat.

Gunhild Dörholt gab auch ehrenamtlich Trompetenunterricht für jugendliche Bläser und ging in Schulen, wo sie auf heitere Weise dem potenziellen Musikernachwuchs die Liebe zur Blasmusik näherzubringen versuchte: Die einen durften versuchen, der Trompete Töne zu entlocken, andere taten dies mit Gießkanne, Schlauch und Mundstück, und alle hatten ihren Spaß dabei.

Musikauftritte bringen aber nicht nur Spaß mit sich, sondern auch eine ganze Menge organisatorischer Arbeit. Karl Valentin hat einmal gesagt: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“ Auftritte müssen exakt geplant, die bisweilen recht eigenwilligen musikalischen Individuen im Orchester gehegt werden, die Kasse muss stimmen, Probenräume und Dirigenten gesucht werden, neue Mitspieler gesucht und integriert werden, und und und... Aber auch davor scheute sie nicht zurück.

Vorstandsarbeit gehört genauso zu ihrer Passion wie das Entlocken schöner Töne aus dem Instrument. Seit ihrem Studium ist „Gunhild 1. von Trompetanien“, wie ihr Beiname als damalige Faschingsprinzessin des 1. Sindlinger Karnevalvereins lautete, mit kurzer Unterbrechung Vorstandsmitglied im Musikverein Unterliederbach e. V., mal als Beisitzerin, später als stellvertretende Vorsitzende und seit 2005 bis heute – als Schriftführerin.

„Mit ihrer engagierten Arbeit trägt sie wesentlich dazu bei, dass im Frankfurter Westen die traditionelle und moderne Orchestermusik gepflegt werden und das Orchester mit seinen Auftritten zum Gelingen der Gesellschaft beitragen kann“, heißt es u.a. im Antrag, ihre Leistungen mit der Verleihung des Ehrenbriefs doch bitte auch offiziell zu würdigen. „Auch im Orchester, das im Schwerpunkt bei Vereins- und Kirchenfesten auftritt und Konzerte gibt, ist sie als 1. Trompeterin seit über 25 Jahren eine tragende Säule“, bescheinigte ihr auch der rührige 1. Vorsitzende des Vereins, der Saxophonist Franz Lindenthal.

Gunhild Dörholt gibt das Kompliment zurück: „Wenn ich nicht die Unterstützung von Musikern wie Franz Lindental, Manfred Schreiber, Karl Barnekow, Frank Jäger und vielen anderen gehabt hätte, wäre mein musikalischer Weg wohl etwas holpriger verlaufen.“

Diese Einstellung ehrt sie. Aber das passt ja auch zum Ehrenbrief.