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Letzte Aktualisierung: 23.07.2021

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Mit Kunst und Literatur gegen psychische Folgen der Pandemie

von Ilse Romahn

(19.07.2021) Kunst und Literatur beflügeln die Seele und können eine heilende Wirkung haben. Diese Erfahrung können Krebspatienten machen, die an zwei ungewöhnlichen Kreativ-Projekten des „Fördervereins Onkologie der Hochtaunus-Kliniken e. V. – Die Lebensqualität im Fokus“ (LIF) teilnehmen.

Ein kleiner Lichtblick in schwierigen Zeiten, denn an Krebs erkrankte Menschen leiden immens unter den psychischen Folgen der monatelangen Isolation. Während  die sportlichen  Gruppen-Angebote  des Vereins wie Bewegungstherapie, Onkowalking  oder Yoga pandemiebedingt  in den vergangenen Monaten ruhen mussten, stellte sich der Vorstand des im Herbst  2018 von Klinikärzten gegründeten Vereins die Frage: „Was können  wir tun, um den Patienten trotz der Pandemie etwas anbieten zu können?“  Die  Lösung: „Damit wir aktiv bleiben konnten, haben wir unsere Kunst-Therapie mit Einzel-Terminen an Bord  behalten und mit der kreativen  Schreibwerkstatt zudem um ein neues Projekt bereichern  können“, schildert  Vereinsvorsitzende  Dagmar Giesecke.

Aus eigener Erfahrung weiß Sonja Marusczyk, dass Schreiben hilft „Erlebtes zu verarbeiten“,  erzählt  die gebürtige Österreicherin im Gespräch. „In dem Moment, in dem man etwas niederschreibt, muss man es gedanklich sortieren und einordnen.  Das  erleichtert es, Erlebnisse emotional  aufzuarbeiten und besser zu verstehen“,  beschreibt  sie das Prinzip ihres kreativen Schreibprojekts, das sie seit  Anfang 2020 bei LIF anbietet. „Ich fing mitten in der Corona-Zeit an“,  erinnert sie sich. Glücklicherweise ist Schreiben nicht an einen physischen Treffpunkt  gebunden  „Man kann überall    schreiben und überall lesen.  Auf diese Weise funktioniert der Austausch mit  den Teilnehmerinnen     völlig unkompliziert.“  Drei  Frauen sind es,  die sie derzeit  bei der Schreibtherapie begleitet.   Sonja  Marusczyk spricht bewusst  von „begleiten: „Ich gebe  die handwerklichen  Tipps. Ob  Prosa, Fiktives, Biografisches oder Lyrik - die kreative Umsetzung bleibt den Schreibenden überlassen“ ergänzt   Sonja Marusczyk,  die seit ihrer  Kindheit Erlebnisse aufschreibt und sich zum Ziel gemacht hat,   andere Menschen für das Schreiben zu begeistern.  „Ich finde es sehr wichtig, dass die Damen  schreiben  und  hoffe, ein Meilenstein für deren Genesung  zu sein, auch wenn das nicht vordergründig sichtbar ist. Ich spüre aber ihren Spaß und die Freude am Schreiben und den Lebensmut.“  

Auch wenn es Zukunftsmusik ist, träumt sie davon,  „irgendwann nach Corona-Zeiten eine Lesung in der Klinik auf die Beine stellen zu könnten. „Vielleicht könnte man das sogar mit einer Kunstausstellung verbinden.“

Die passenden Werke könnten die Teilnehmer der Kunsttherapie  beisteuern. Die Frankfurter  Künstlerin und Kunsttherapeutin Dana Zeisberger leitet dieses Projekt von LIF seit knapp zwei Jahren  und ist froh, „dass ich in Einzelstunden auch während der Pandemie weitermachen konnte“.   Während beim Schreiben das Wort im Mittelpunkt steht, ist es bei  der Kunsttherapie das Visuelle.  „Gefühle, die man nicht verbal äußern kann,  werden sichtbar. Das regt heilsame Prozesse im Fühlen, Denken und Handeln an. Ziel ist es durch Malen und Zeichnen neue, andere Sichtweisen zu erproben“, sagt Dana Zeisberger. Wie und mit  welchen Materialien sie kreativ werden, entscheiden die Teilnehmer selbst: Auf diese Weise  entstehen nicht nur Gemälde  oder  Zeichnungen, sondern  auch Installationen oder Tonarbeiten.  So unterschiedlich die Arbeitsweisen, so unterschiedlich sind auch die Motive:  „Viele Bilder von Palliativpatienten wirken auf den Betrachter oft  leer - wenn die Menschen keine Vorstellung  von ihrer Zukunft haben. Man findet oft auch Segelboote, die den Aufbruch zu anderen Ufern symbolisieren. Daneben spielen Blumen und  Landschaften eine Rolle. Sie werden häufig mit  Erinnerungen verknüpft“,  erklärt Dana Zeisberger, die mehrere Jahre lang am Universitätsklinikum Marburg in der Psychosomatik sowie im palliativen Bereich gearbeitet hat. Die Idee einer gemeinsamen Ausstellung mit einer Lesung,  gefällt ihr gut. „Das hängt allerdings  auch von Patienten ab.“ Konkret hat sie sich  als Zukunftsprojekt  vorgenommen,  mit ihren Teilnehmern  Weihnachtskarten zu gestalten.   

Kontakt zu den beiden LIF-Projekten
Onkologie- und Palliativpatienten, die sich für die Kunsttherapie des Fördervereins  LIF interessieren, können sich bei Dana Zeisberger melden, die per E-Mail unter folgender Adresse zu erreichen ist: mail@kunsttherapie-danazeisberger.de

Wer schreiben möchte, kann Sonja Marusczyk unter der Mobilfunknummer (0151)52450673 anrufen oder ihr eine E-Mail senden: sonja-marusczyk@t-online.de