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Mit Diabetes am Steuer

Unterzucker-Risiko im Straßenverkehr wird massiv überschätzt

Das Risiko gefährlicher Unterzuckerungen im Straßenverkehr wird bis heute dramatisch überschätzt – und entspricht längst nicht mehr der medizinischen Realität. Die aktualisierte S2e-Leitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ zeigt eindrücklich: Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist das Unfallrisiko durch Unterzuckerungen bei Diabetes mit 12 bis 19 Prozent deutlich geringer als bei anderen Erkrankungen wie ADHS (300 Prozent) oder Schlafapnoe (140 Prozent).

Moderne Diabetesbehandlung hat die Sicherheit am Steuer spürbar erhöht. Ein immer größerer Anteil der Betroffenen nutzt heute Medikamente ohne das Risiko einer Unterzuckerung, und digitale Glukosesensoren (CGM) warnen rechtzeitig vor kritischen Werten. Automatisierte Insulindosierungssysteme (AID), die Insulinpumpen eigenständig anpassen, verhindern gefährliche Blutzuckerabfälle. Zusammen mit modernen Schulungsprogrammen reduzierte sich das tatsächliche Risiko im Straßenverkehr für viele Menschen mit Diabetes in den letzten Jahren deutlich. Die neue Leitlinie fasst diese Entwicklungen erstmals umfassend zusammen – und korrigiert damit ein gesellschaftlich weit verbreitetes Vorurteil, dass Menschen mit Diabetes fälschlich stigmatisiert und privat, wie beruflich, ausgrenzt.

Auf einer Pressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 8. Dezember erläutern Experten die wichtigsten Erkenntnisse, liefern faktenbasierte Einordnungen und diskutieren, was diese Fortschritte für die Fahreignung, Fürsorgepflichten und Verkehrssicherheit bedeuten. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9300 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich seit 1964 in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als neun Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.