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Letzte Aktualisierung: 12.07.2024

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Mit dem Open Air Kunstfestival in Nantes wird der Sommer kreativ

von Ilse Romahn

(21.06.2024) In den meisten Städten der Welt gehen Besucherinnen und Besucher ins Museum, um sich Kunst anzuschauen. Nicht so in Nantes: In der kreativen Stadt an der Loire südlich der Bretagne liegt die Kunst auf der Straße. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die ehemalige Industriestadt hat sich in den 1990er Jahren als Zentrum für Open Air Kunst neu erfunden.

Parc des Chantiers auf der Insel von Nantes
Foto: Franck Tomps LVAN
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2024 lädt das Open Air Kunstfestival Le Voyage à Nantes vom 6. Juli bis 8. September dazu ein, das gesellige, bunte Stadtleben mit seinen rund 80 größtenteils kostenfreien Kunstwerken und Kulturveranstaltungen zu erleben. In allen Ecken der Stadt finden sich großdimensionierte Kunst-Installationen und Skulpturen unter freiem Himmel. Verbunden sind sie durch die Grüne Linie, der man durch pittoreske Pflastergassen und entlang der Loire in alle Stadtteile folgen kann.

Wo die Kunst in den Bäumen hängt
In diesem Jahr beschäftigen sich die Künstlerinnen und Künstler des Festivals mit Statisten, die in jeder Stadt zu finden sind, aber im Alltag oft zu wenig wahrgenommen werden: den Bäumen. Einige haben Installationen direkt in den Bäumen geschaffen – selbstverständlich ohne ihnen dabei Schaden zuzufügen. So zum Beispiel die taiwanesische Künstlerin Yuhsin U Chang, die einen Baum auf dem Square Maurice-Schwob zum Zentrum ihrer Installation gemacht hat.  Für „Un Pinus pinea en l’an 2252“ (Eine Pinie im Jahr 2252) hat sie mit Blick auf die mögliche Lebensdauer der Pinie berechnet, wie groß der Durchmesser des Baumstammes im Jahr 2252 wäre, einen hypothetischen Stamm kreiert und diesen vorsichtig in den Baum eingearbeitet. Eine Zeitreise in die Zukunft, die den Betrachtenden vor Augen führt, wie kurz die menschliche Lebenszeit im Vergleich zu der der Bäume ist.

Auf der Place Graslin stellt Henrique Oliveira das Holz in den Fokus seines Kunstwerks. Der Brasilianer erforscht die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Architektur. Seine Objekte sind stets von einem Hauch des Fantastischen umgeben. Für das sommerliche Kunst Open Air in Nantes hat er unter dem Namen „Fitzcarraldo Dream“ einen überdimensionalen Baum geschaffen, der aus den Steinen des zentralen Platzes erwächst und sich über das Pflaster bis zum Theater Graslin windet. Kreiert aus Holzresten von Baustellen, hinterfragt das Objekt das Zusammenspiel zwischen Natur und von Menschen geschaffener Kunst und erinnert die Betrachtenden an die Schönheit dessen, was oft als alltäglich und vergänglich angesehen wird.

Kunst und Kultur als Herzschlag der Metropolregion Nantes
Nicht nur entlang der Grünen Linie in der Stadt, sondern auch an den Ufern der Loire reihen sich das ganze Jahr über Kunstwerke wie Perlen an einer Schnur: Denn ab Nantes erstreckt sich westwärts bis zur Mündung der Loire in den Atlantik der Kunstparcours Estuaire Nantes <> Saint-Nazaire: 33 große Skulpturen und verblüffende Architekturwerke sind am und im Wasser zu bewundern. Zu den berühmtesten zählen die Seeschlange „Serpent d’Océan“ von Huang Yong Ping sowie Fuß, Pullover und Verdauungssystem „Le pied, le pull-over et le système digestif“ des Künstlerduos Daniel Dewar und Grégory Gicquel. Nicht weniger überraschend lugt die Schornstein-Villa „La Villa cheminée“ des japanischen Künstlers Tatzu Nishi hoch über den Baumwipfeln empor. Übernachten kann man in der Villa tatsächlich, ein Rundum-Blick über die Loire ist garantiert. Der etwa 60 Kilometer lange Parcours lässt sich ideal mit dem Fahrrad erkunden, von April bis Oktober sind auch 2,5-stündige Bootsfahrten auf der Loire ab Nantes buchbar.

Die Reise nach Nantes: Eine Stadt erfindet sich neu
Modern und kreativ zeigt sich Nantes bereits seit den 1990er Jahren, als mit Le Voyage à Nantes die eigene Reise der Stadt von der Industriebrache zur innovativen, weltoffenen Metropolregion mit Freilicht-Kunst und grünen Oasen begann. Denn das Kunstfestival Le Voyage à Nantes ist Teil des gleichnamigen Verbandes, zu dem neben dem Stadtmarketing und dem Kunstparcours bis Saint-Nazaire auch das ehemalige Werft-Gelände „Parc des Chantiers“ auf der Loire-Insel mitten in der Stadt gehört. Heute drehen hier zwischen Galerien und grünen Flussufern der berühmte zwölf Meter hohe Grand Eléphant und das Karrussel der Meereswelten ihre Runden. Die Insel-Maschinen „Machines der l’île“ sind kunstvolle, mehrere Meter hohe mechanische Figuren aus Holz und Metall, die ihre Inspiration sowohl in der industriellen Vergangenheit der Stadt als auch in den Geschichten ihres berühmtesten Sohnes, dem Schriftsteller Jules Verne, finden. Le Voyage à Nantes zeigt in seiner Gesamtheit die Verbundenheit der Stadt mit ihrer Kulturszene, ohne die ihr Neubeginn nicht möglich gewesen wäre.

Hinkommen, rumkommen und übernachten
Nur zwei Stunden mit dem TGV von Paris entfernt, ist Nantes für deutsche Gäste ein ideales Ziel für einen City Trip. Direktflüge nach Nantes gibt es ab Frankfurt, Berlin, Hamburg und München. Im ein- bis siebentägigen City Pass ab 27€ sind der ÖPNV, Bootsfahrten auf der Loire sowie viele Sehenswürdigkeiten der Stadt bereits inklusive. Hotels finden Reisende – von einer ehemaligen Kapelle bis zum Künstlerzimmer – auf der Website von Le Voyage à Nantes.