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Letzte Aktualisierung: 03.12.2020

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Ministerin Sinemus: Homeoffice wird auch künftig Teil der Arbeitswelt bleiben

von Ilse Romahn

(19.11.2020) Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung beschleunigt. Seit Beginn der Pandemie reduzieren Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber den Kontakt zwischen Menschen.

Zum Teil ermöglicht die Digitalisierung Arbeiten auf Abstand: Immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten von zu Hause, immer mehr Prozesse, Lieferketten und Wartungsarbeiten werden aus der Ferne gesteuert, Produktion und Vertrieb stellen sich digital auf.

"Unternehmen – digital, auf Abstand, produktiv“ war daher der zweite Online-Dialog überschrieben, zu dem am Dienstag die Hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Prof. Dr. Kristina Sinemus, sowie der Präsident der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath, gemeinsam eingeladen hatten. Marion Gottschalk, Geschäftsführende Gesellschafterin der Ille Papier-Service GmbH, sowie Liv Dizinger, Abteilungsleiterin DGB-Bezirk Hessen-Thüringen, diskutierten unter Moderation von Alexander Hagelüken, Süddeutsche Zeitung, zu ihren Erfahrungen der Arbeit auf Abstand. 

„Die Pandemie-Situation wirkt als digitaler Beschleuniger und Katalysator existierender Trends. Wir erleben hautnah, dass die Digitalisierung in einer Vielzahl von Bereichen tragfähige Technologien in der Krise bietet – ob Bildung, Kommunikation, Wirtschaft oder in der Verwaltung. Homeoffice wurde mit den Kontaktbeschränkungen im Frühjahr quasi über Nacht fast wie selbstverständlich möglich. Und: es funktioniert“, sagte Digitalministerin Sinemus. Sie zeigte sich überzeugt, dass Homeoffice Teil der digitalen Arbeitswelt bleiben werde. Dies belegten auch Studien, unter anderem von Bitcom Research. Demnach hat während des ersten Lockdowns im Frühjahr jeder zweite ganz oder teilweise von zu Hause gearbeitet und rund 70 Prozent wünschen sich auch für die Zukunft mehr Homeoffice als vor der Corona-Pandemie. 

„Krisen können Innovationsbeschleuniger sein, so auch die Coronakrise“, sagte Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath, Arbeitswissenschaftler und Präsident der acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. In der Pandemie sollten die Chancen ortsflexiblen Arbeitens genauso genutzt werden, wie Konzepte der zeitlichen oder räumlichen Distanzierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir merken, dass Unternehmen, Institutionen und öffentliche Einrichtungen, die bereits in die Digitalisierung investiert haben, in der Krise widerstandfähiger und flexibler sind“, erklärt Spath. Für Führungskräfte sei dabei Vertrauen in die Eigenmotivation und die Selbstorganisation von Beschäftigten zentral: „Am besten ist es, gemeinsam mit den Beschäftigten Lösungen zu entwickeln.“ 

Marion Gottschalk, Geschäftsführerin der Ille Papier-Service GmbH aus Altenstadt, berichtete, wie ihr auf Wasch-Hygiene spezialisiertes Familienunternehmen die Digitalisierung nutzt. Sie vertrat die Auffassung, dass Homeoffice nicht zwangsweise vorgeschrieben werden sollte, sondern individuell anhand der Bedürfnisse von Firmen und Mitarbeitenden festgelegt werden sollte. 

DGB-Vertreterin Liv Dizinger sieht in der Arbeit von zu Hause viele Vorteile, vor allem für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie plädierte jedoch für eine vertragliche Regelung, damit die Rahmenbedingungen – wie beispielsweise zu Arbeitszeiten und Erreichbarkeit – klar geregelt sind.

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