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Letzte Aktualisierung: 12.08.2022

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Ministerin Dorn besucht Kloster Konradsdorf in der Wetterau auf ihrer Sommerreise

Jahrhunderte vernachlässigt, bald ein touristisches Ziel

von Ilse Romahn

(02.08.2022) Es dauert nicht mehr lange, bis das ehemalige Kloster Konradsdorf in der südöstlichen Wetterau zu einem beliebten Ausflugsziel in Hessen aufrückt. Ende 2022 sollen die Bauzäune um zwei Gebäude in Ortenberg verschwunden sein, die seit Jahren – begleitet von teils überraschenden Erkenntnissen – instandgesetzt werden.

Kloster Konradsdorf
Foto: Michael Leukel
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Auf ihrer Sommerreise ließ sich Wissenschafts- und Kunstministerin, Angela Dorn den Stand der Arbeiten erläutern.

Das Projekt der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG) und des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH) bewahrt eine historische Stätte mit wertvoller romanischer Baukunst. Die von der einstigen Klosteranlage erhaltenen Gebäude, eine Propstei und eine Basilika, die heute inmitten der landwirtschaftlichen Staatsdomäne Konradsdorf liegen, waren jahrhundertelang vernachlässigt worden.

Dorn: Wir gewinnen Kulturdenkmäler Hessens zurück
„Kloster Konradsdorf wird schon bald als ein Kleinod wiederhergestellt sein. Die Gebäude sind herausragende Beispiele romanischer Klosterarchitektur des späten Mittelalters. Zusammen sind sie ein wichtiges Kulturdenkmal in Hessen, das wir endlich zurückgewinnen“, sagte Ministerin Dorn. „Denkmäler und historische Zeugnisse der Vergangenheit unseres Landes dauerhaft und sicher zu erhalten, ist eine Zukunftsaufgabe, der sich die Hessische Landesregierung verschrieben hat. Wir wollen unsere Baudenkmäler nutzbar und lebendig erhalten – dafür ist Kloster Konradsdorf ein wunderbares Beispiel: In wenigen Monaten können wir diesen Ort und seine Geschichte den Besucherinnen und Besuchern in bestmöglichem Erhaltungszustand präsentieren. Und künftig werden verschiedene Initiativen das Kloster als Kulturstätte nutzen.“

Qualitätvolle romanische Bauzier zum Vorschein gebracht
Die zweigeschossige Propstei, das sogenannte Nonnenhaus, und die Pfeiler-Basilika waren in den vergangenen Jahren statisch-konstruktiv gesichert und saniert, die romanische Bausubstanz konserviert und zum Teil restauriert worden. Die SG betreut sie denkmalpflegerisch, wissenschaftlich, liegenschaftlich und in der Vermittlung. Der LBIH ist als Bauherr zuständig. Ziel war, störende, beziehungsweise schädliche bauliche Verfremdungen zu entfernen und die romanische Bausubstanz wieder sichtbar zu machen.

Während der Arbeiten konnten Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege viele Entdeckungen machen. Dazu zählt, dass der frühere sakrale Ort, der bisher nur einem kleinen Fachpubikum bekannt war, mit qualitativ ausgesprochen hochwertiger Bauplastik ausgeschmückt worden war. Bemerkenswert sind erhaltene Säulenkapitelle oder Gewändefragmente.

Ein Schatz hessischer Klosterbaukunst
Der stellvertretende Direktor der SG, Reinhard Kraus, bestätigt: „Die romanische Kulturlandschaft der Wetterau zwischen Büdingen und Münzenberg erhält in Ortenberg einen Schatz hessischer Klosterbaukunst zurück.“ Im Anschluss an die Instandsetzung würden die Erkenntnisse in Konradsdorf mit einer Ausstellung an Besucherinnen und Besucher vermittelt. Schwerpunkt der Präsentation bilde die Propstei.

Erkenntnisse zu den Bauten werden in Ausstellung präsentiert
Nach den Worten der Projektbeauftragten Dr. Anja Dötsch, Leiterin des Fachgebietes Bauangelegenheiten Denkmalpflege bei der SG, ergaben sich viele neue Einsichten zur Funktion und Bedeutung der Bauten. „Bei den archäologischen Untersuchungen, die intensiv durch die Landesärchäologie unterstützt wurden, konnten wir beispielsweise die historische Erschließung der Propstei über eine Rampe nachweisen.“ Ebenso habe man den romanischen Keller des Gebäudes entdeckt, der seit langem verschüttet war. Diese Erkenntnisse seien grundlegend gewesen für das denkmalpflegerische Instandsetzungskonzept.

Ursprung als büdingisches Kloster
Die beiden Gebäude sind die letzten Überreste des ehemaligen Prämonstratenserinnenstiftes Konradsdorf. Die Anlage war eine Schenkung Hartmanns von Büdingen, der im ausgehenden 12. Jahrhundert an der Stelle eines seit längerem besiedelten Ortes ein Hauskloster und eine Grablege seines Hauses gegründet hatte. Um 1190 tradierte er es an den Erzbischof Konrad von Mainz, der es dem Prämonstratenserorden als Frauenkloster eingliederte.
Nach der Säkularisation 1581 und den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg gerieten die Gebäude in die Hände verschiedener Besitzer. Sie wurden landwirtschaftlich genutzt, was einen Verfall der Gebäude nach sich zog. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging Konradsdorf als Gutshof in Staatseigentum über.

In den 1990er Jahren wurde die Baugeschichte der Kirche umfassend erforscht. 2016 begann die Schlösserverwaltung mit der denkmalpflegerischen Instandsetzung der Propstei, die aus Mitteln des Kulturinvestitionsprogramms finanziert wird. Auch die Kirche wird aus Landesmitteln saniert. Die Kosten für die gesamte Maßnahme belaufen sich auf rund sechs Millionen Euro. Hinzu kommen Ausgaben für die Ausstellung in der Propstei sowie für Infrastruktur auf dem Grundstück mit Ladestationen für E-Bikes und WLAN.

Staatliche Schlösser und Gärten Hessen  www.schloesser-hessen.de
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