Metzler Chefvolkswirt erwartet keinen Zinsschritt der EZB am Donnerstag
Aller Voraussicht nach wird es am Donnerstag dieser Woche, 23. Juli; zu keinem Zinsschritt bei der EZB-Sitzung kommen – so der Konsens an den Finanzmärkten, dem sich Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management, anschließt.
Die Inflation verzeichnete zuletzt einen erfreulichen Rückgang von 3,2 Prozent im Mai auf 2,8 Prozent im Juni, sodass kein offensichtlicher Handlungsbedarf bestehe. Sollte der Ölpreis bei unter 90 USD pro Barrel bleiben, dürfte die Inflation in den kommenden Monaten zwischen 3,0 und 2,7 Prozent schwanken, um dann im April 2027 aufgrund von Basiseffekten wieder auf 2,0 Prozent zu fallen. Das Inflationsbild signalisiert laut Walk derzeit auch nicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf der Sitzung im September den Leitzins anheben sollte. Im Gegensatz dazu erwarten die Finanzmarktakteure jeweils eine Leitzinserhöhung im September und Dezember.
Ein Argument für Leitzinserhöhungen sei eine Arbeitslosenquote von nur 6,2 Prozent – der niedrigste Stand seit Einführung des Euro im Januar 1999. Ein enger Arbeitsmarkt gekoppelt mit einer erhöhten Inflation könne Zweitrundeneffekte und damit eine Lohn-Preis-Spirale auslösen.
Dagegen spricht laut Edgar Walk jedoch, dass sich die Konjunkturdynamik merklich abschwächen könnte. So zeigte die Umfrage der EZB bei den Geschäftsbanken eine anhaltende Verschärfung der Kreditstandards und einen merklichen Rückgang der Kreditnachfrage der Konsumenten. Auch signalisierten die Einkaufsmanagerindizes keinesfalls eine überhitzte Konjunktur, sondern eher eine Stagnation. So sei auch keine Beschleunigung der Lohndynamik erkennbar. Metzler Asset Management erwartet daher keine Leitzinserhöhung mehr in diesem Jahr.
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