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Letzte Aktualisierung: 06.12.2019

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Melodram – nächster Akt in 2020

Konjunktur- und Kapitalmarktausblick der Helaba

von Karl-Heinz Stier

(29.11.2019) Helaba-Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud liebt es, bei ihren alljährlichen Konjunktur- und Kapitalmarktaussichten mit Alltagsgegebenheiten in der Welt der Kultur, des Sports oder der Vergnügungsindustrie verbal zu spielen.

Chefvolkswirtin Dr. Gertrud R. Traud
Foto: Ralph Delhees
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Diesmal ist das Theater dran. Sie beantwortet die Frage, welches Stück 2020 gespielt wird: Melodram, Komödie oder Tragödie? Und entschied sich „Vorhang auf für Melodram“, ein Akt mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 70 Prozent!

In ihrer Analyse stellt sie fest, dass die Weltwirtschaft Ende 2019 am Rande einer Rezession stehe, „dem ökonomischen Pendant zu einem Nervenzusammenbruch“. Sie und ihre Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Konjunktur ins Jahr 2020 hinein fangen wird und die weltwirtschaftliche Expansion sich fortsetzt, wenn auch mit überschaubarer Dynamik.

„Wesentlich für das Theatergenre Melodram ist es, dass das Stück trotz erheblicher Risiken und Unsicherheiten ein gutes Ende nimmt. So zeigen die Protagonisten Einsicht in das Notwendigste“. Weder USA noch China hätten einen Anreiz, den Handelskonflikt so eskalieren zu lassen, dass die Weltkonjunktur gegen die Wand fährt. Mit der Entspannung im Handelsstreit und einer geordneten Brexit-Lösung hellten sich die Perspektiven weltweit wieder auf. Dis Fiskalpolitik werde 2020 leicht expansiv sein und die geldpolitische Kehrtwende der großen Notenbanken im laufenden Jahr sich positiv auf die Konjunktur auswirken, so Dr. Traud. „Der Aufschwung kommt in der Regel genau aus der Ecke, in der vorher die konjunkturelle Schwäche konzentriert war. Bühne frei für eine Erholung im globalen Industriezyklus“!

Davon dürfte vor allem Deutschland dank der hier besonders wichtigen Industrie profitieren. Der private Konsum und die Bautätigkeit gäben weiterhin Impulse. Deutschland werde mit einem Jahresdurchschnitt von einem Prozent Wirtschaftswachstum leicht unter der Eurozone abschneiden. In den USA falle die Erholung 2020 mit zwei Prozent etwas schleppender aus als im Vorjahr.

Bei Aktien dürfe es zeitweilig zu Übertreibungen kommen, weil der Mangel an Anlagealternativen anhält. Ein Ausflug des DAX über 14 000 Punkte dürfte sich als nicht nachhaltig erweisen. Gegen Jahresende werde sich der Index um 13 500 Punkte bewegen. Immobilien bleiben angesichts extrem niedriger Zinsen beim Anlieger-Publikum beliebt. Am deutschen Wohnungsmarkt werde sich die Lage nicht entspannen, solange restriktive politische Maßnahmen die Neubautätigkeit belasten.

„Der US-Dollar ist deutlich überbewertet und die US-Handels– sowie Haushaltsdefizite mahnen zur Vorsicht“, so die Chefvolkswirtin weiter. Auch dürfte der politische Gegenwind für den Euro 2020 nachlassen. Gold glänze auch im kommenden Jahr im Rampenlicht. Im Jahresverlauf dürfte das Edelmetall bis auf 1 700 US-Dollar je Unze steigen.

Mit rund 6 100 Mitarbeitern sowie einer Bilanzsumme von 172 Milliarden Euro gehört der Helaba–Konzern zu den führenden Banken im Finanzplatz Frankfurt. Sie versorgt die Sparkassen mit hochwertigen, innovativen Finanzprodukten und Dienstleistungen. Als Sparkassenzentralbank in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg ist die Helaba Partner für 40 Prozent aller deutschen Sparkassen.