Meilenstein in der Transplantation
Nun können mehr Spendernieren transplantiert werden
An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist erstmals die Maschinenperfusion für Spendernieren angewendet worden. Zwei Patienten konnten dank dieser Technologie eine neue Niere erhalten. Einer erhielt zusätzlich im Rahmen eines kombinierten Eingriffs eine neue Leber. „Beiden Patienten geht es gut, die transplantierten Nieren produzieren Urin – ein klares Zeichen für den Erfolg der Transplantationen“, sagte Dr. Nicolas Richter, verantwortlicher Bereichsleiter in der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie.
Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) führte am 19. Januar 2026 bundesweit die Maschinenperfusion bei Nieren von Spenderinnen und Spendern mit erweiterten Spenderkriterien ein, zu den vor allem Spenderorgane von älteren Menschen gehören. Das Verfahren dient dem schonenden Transport von Spendernieren vom Entnahmeort in das jeweilige Transplantationszentrum, sodass mehr Organe genutzt und erfolgreich transplantiert werden können. Denn: In Deutschland entfällt fast die Hälfte aller Organtransplantationen auf die Niere. Gleichzeitig warten mehr als 6.200 Menschen auf eine Spenderniere.
Konservierung entscheidet über den Transplantationserfolg
Im Unterschied zur Kaltlagerung auf Eis wird das Organ bei der Maschinenperfusion kontinuierlich mit einer Konservierungslösung durchspült und unter kontrollierten Bedingungen versorgt. „Die Organe erreichen so unser Zentrum in sehr gutem Zustand“, sagte Privatdozent Dr. Philipp Felgendreff, Oberarzt in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der MHH. „Bei komplexen Eingriffen wie der kombinierten Leber-Nieren-Transplantation oder bei Organen mit erweiterten Spenderkriterien gewinnen wir durch diese neuartige Konservierung wertvolle Zeit und erhalten die Funktion der Organe besser. Davon profitieren vor allem die Patienten.“
Im Vorfeld wurde das medizinische und pflegerische Personal intensiv im Umgang mit der Maschine geschult, zudem mussten interne Abläufe angepasst werden. „Das Gerät wiegt 23 Kilogramm und muss innerhalb der Klinik zuverlässig transportiert und im Operationssaal sicher gehandhabt werden“, erläutert Dr. Ulrike Bode, Geschäftsführerin des Transplantationszentrums. „Dies gelingt nur dank der engen und erfolgreichen Zusammenarbeit aller beteiligten Abteilungen – vom Eurotransplant-Verbindungsbüro über den MHH-Transportdienst bis hin zum OP-Pflegepersonal.“
Bessere Versorgung der Patienten
„Die erfolgreiche Transplantation maschinenperfundierter Nieren – sowohl als alleinige Transplantation als auch in Kombination mit einer Lebertransplantation – stellt einen wichtigen klinischen Meilenstein in der Transplantationsmedizin dar“, betont Prof. Dr. Moriz Schmelzle, Direktor der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie und Leiter des MHH-Transplantationszentrums der MHH. „Darüber hinaus verbessern wir die Versorgung von Patienten mit endgültigem Nierenversagen deutlich.“ Stellvertretend für die Mitarbeiter und im Namen der Patienten dankte er den Organspendern und ihren Angehörigen. - idw.
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