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Letzte Aktualisierung: 15.07.2024

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Mehrgenerationenhäuser: gemeinsames Leben unter einem Dach

von Bernd Bauschmann

(11.07.2024) Die Altersstruktur unserer Gesellschaft wandelt sich. Einerseits werden wir immer älter, andererseits kommen weniger Kinder zur Welt. Im Schnitt hatten Familien in Deutschland im Jahr 2022 nur knapp 1,5 Kinder. Das hat nicht nur auf das Renten- und Pflegesystem erhebliche Auswirkungen. Auch das Zusammenleben verändert sich dadurch. Das gilt auf dem Land genauso wie in Städten wie Frankfurt. Mehrgenerationenhäuser sind eine mögliche Antwort auf die Herausforderungen des demografischen Wandels.

Symbolfoto
Foto: Pixabay / Tammy Cuff
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Generationenübergreifendes Wohnen: Was ist das?

Für Jahrhunderte war es innerhalb der Großfamilie ganz normal, dass drei oder mitunter sogar vier Generationen gemeinsam unter einem Dach lebten. Erst im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich das verändert. Erhöhte Mobilität am Arbeitsmarkt, zunehmender Individualismus und der daraus erwachsende Wunsch junger Menschen, sich von der Familie abzunabeln, haben das klassische Mehrgenerationenhaus zur Ausnahme gemacht.

Dabei hat das Zusammenleben mehrerer Generationen für alle Beteiligten große Vorteile. Während die älteren Generationen von Gesellschaft und mitunter etwas Hilfe im Alltag profitieren, können die jüngeren Menschen von den älteren viel lernen. Wissen, das über ein langes Leben erworben wurde, kann so weitergegeben werden. Das können Lebensweisheiten sein, aber auch ganz praktische, handwerkliche Kenntnisse für den Alltag. Ob es ums Parkettboden Pflegen und Holz Ölen oder um das Einmachen von Obst und Gemüse geht: Die Älteren können den Jüngeren viel beibringen.

Die Träger von Mehrgenerationenhäusern versuchen aktiv, Menschen unterschiedlichen Alters in einem Haus zusammenzubringen. Typischerweise gibt es in solchen Häusern separate Wohnungen für die verschiedenen Bewohner. Das sind teilweise kleine Single-Wohnungen und Einzelzimmer, teils aber auch größere Wohnungen für Familien. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume wie Wohn-, Ess- und Spielzimmer, in denen die verschiedenen Hausbewohner zusammenkommen.

Mehrgenerationenhäuser in Frankfurt am Main

Auch in Frankfurt gibt es verschiedene spannende Projekte, in deren Rahmen Generationenhäuser realisiert werden. Das Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen bringt die verschiedenen Vereine und Wohnprojekte zusammen. Zu den im Netzwerk organisierten Initiativen zählen unter anderem der „Adaptiv e. V.“, der ein Generationenhaus in der ehemaligen Akademie der Arbeit in Bockenheim realisieren will. Der schon seit 1995 aktive „anders leben – anders wohnen e. V.“ hat in der Leuchte 35a im Nordosten der Stadt bereits vor mehr als 20 Jahren ein Wohnprojekt realisiert. Dort leben heute 14 Menschen im Alter zwischen 10 und 81 Jahren. Dort hat sich im Laufe der Jahrzehnte auch immer wieder gezeigt, dass es zwischen den Generationen natürlich auch zu Unstimmigkeiten kommen kann. Die Lebensentwürfe verschiedener Menschen sind schließlich sehr unterschiedlich. Bei der Schlichtung der Konflikte konnten alle Beteiligten einiges dazulernen. Mit einem Nachbarschaftscafé und einem jährlichen Fest tritt die Initiative indes auch mit anderen Nachbarn in Kontakt.

Ein Mehrgenerationenhaus der anderen Art befindet sich seit 2007 in der Alten Braunfabrik im Gallus. Anders als in Mehrgenerationenwohnhäusern leben die Menschen hier nicht. Stattdessen ist das von der Stadt und vom Bundesfamilienministerium geförderte Projekt als Begegnungsstätte für Menschen aus dem Stadtteil konzipiert. Kindertagesstätte, Gesundheitsberatung, Projekte aus dem Bereich der Frauenförderung und verschiedene Kulturvereine finden hier unter einem Dach zusammen. Auch ein gemeinsam bestellter Bürgergarten und verschiedene Cafés haben hier ihr Zuhause. Mit dem Billabong gibt es ein ähnliches, ebenfalls vom Bundesministerium gefördertes Projekt auch in Riedberg.