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Letzte Aktualisierung: 02.02.2023

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Mehr Sicherheit für Kinder im Winter

Die Stiftung Kindergesundheit informiert über Unfallrisiken

von Giulia Roggenkamp

(19.01.2023)  Unter den vielen Schreckensbotschaften der letzten Monate hat sich auch eine etwas bessere Nachricht versteckt: Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie 2021 kamen zwar wieder rund 22.300 Kinder unter 15 Jahren bei Unfällen im Straßenverkehr zu Schaden, das waren jedoch 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenig wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Übersicht

Ein Grund zum Jubeln sind aber auch die neuen Zahlen nur bedingt, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit: Auch 2021 wurde immer noch alle 24 Minuten ein Kind bei einem Verkehrsunfall verletzt oder getötet.

Grau, neblig, feucht und glitschig

In den dunklen Monaten November bis Januar verunglücken im Durchschnitt ein Drittel mehr Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, als im Schnitt der übrigen Monate. Die Wintertage sind grauer, es regnet oft und zusätzlich kann Nebel die Sicht beeinträchtigen. Gefallene Blätter und die Feuchtigkeit machen Fahr- und Gehbahnen glitschig und erschweren den Kindern, die zu Fuß und den Erwachsenen, die mit einem Auto auf den Straßen sind, ihren täglichen Weg.

Besonders häufig verunglücken Kinder im Verkehr zwischen sieben und acht Uhr morgens, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Das ist die Zeit, zu der sich die Kinder üblicherweise auf dem Weg zur Schule befinden. Auch in ihrer Freizeit am Spätnachmittag sind die Kinder stärker gefährdet, wenn sie vom Spielplatz, von Freunden, vom Sportverein oder der Musikstunde nach Hause kommen. Es sind die Stunden, in denen der Autoverkehr besonders stark ist, weil dann auch die berufstätigen Erwachsenen zwischen Arbeit und Zuhause unterwegs sind.

Lassen Sie Ihr Kind leuchten!

„Gerade in den Wintermonaten müssen also die Eltern dafür Sorge tragen, dass den Kindern unterwegs möglichst nichts passiert“, unterstreicht Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Die wichtigste Regel in der dunklen Jahreszeit lautet deshalb: Das Kind muss gut zu sehen sein! Helle, farbige Kleidung ist oft lebensrettend. Das sollten Eltern beim Kauf von Regenkleidung, Anoraks und Winterjacken für ihre Kinder unbedingt beachten“.

Beim trüben Licht in den Wintermonaten werden Kinder allein wegen ihrer Größe leicht übersehen, betont die Stiftung Kindergesundheit. Kinder in dunkler Kleidung sind nach Berechnungen des ADAC – trotz Scheinwerferlicht – erst aus 25 Meter Entfernung zu erkennen, mit heller Kleidung immerhin aus 40 Metern. Mit reflektierender Kleidung und Schultasche werden Kinder dagegen schon aus rund 140 Metern frühzeitig erkannt.

Empfehlenswert sind Schulranzen nach DIN-Norm: Sie müssen mit genügend fluoreszierendem Material (mindestens 20 Prozent der sichtbaren Fläche in orangerot oder gelb) und reflektierenden Materialien ausgestattet sein. Ebenfalls nützlich sind in Neonfarben leuchtende Armreifen, reflektierende Streifen, die man auf die Kleidung aufnäht und auch „Katzenaugen“-Anhänger, die an einem Band am Schulranzen befestigt sind.

Lichter ans Fahrrad!

Ist das Kind mit Roller oder Fahrrad unterwegs, sollte auch der Schutzhelm hell sein und Reflektoren haben und die Beleuchtung des Fahrrads einwandfrei funktionieren. Auch wenn das Radfahren dadurch schwerer fällt, sollte das Kind bei schlechter Sicht mit eingeschaltetem Dynamo und Fahrradlicht radeln. Schränken Schnee und Glatteis die Verkehrssicherheit ein, sollten Eltern ihr Kind im Winter besser nicht mit dem Fahrrad fahren lassen.

Auch wenn die Kinder am helllichten Tag unterwegs sind, sollte die Kleidung auffällig sein, sagt die Stiftung Kindergesundheit: Es ist meist trübe in dieser Jahreszeit, die Sicht ist schlecht und es könnte bereits dunkel sein, wenn das Kind heimkommt. Wer vorwiegend dunkle oder schwarze Kleidung trägt, wird von der Dunkelheit verschluckt und von den anderen zu spät erkannt.

Handy weg beim Laufen und Fahren!

Kinder und Jugendliche legen am Tag meist viele Wege zurück, zum Beispiel zur Schule, zu Freunden, zu Freizeitaktivitäten oder zum Einkaufen, zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Für viele von ihnen sind dabei Handys und Kopfhörer die wichtigsten Begleiter.

Durch die ausufernde Benutzung digitaler Geräte werden sie jedoch vom Verkehr abgelenkt und reagieren zu spät auf die drohenden Gefahren, warnt die Stiftung Kindergesundheit. Kinder sollten deshalb von vornherein wissen: Schon ein kurzer Blick auf das Smartphone kann schnell böse enden! Professor Dr. Berthold Koletzko betont mit Nachdruck: „Der richtige Umgang mit Smartphone und sozialen Medien ist nicht angeboren, sondern muss in Kindheit und Jugend erlernt werden“.

Elektrofahrzeuge: die lautlose Gefahr

Ein zusätzliches Risiko im Verkehr entsteht durch die Zunahme von E-Autos, aber auch durch E-Bikes und E-Roller, befürchtet die Stiftung Kindergesundheit: Die Elektrofahrzeuge bewegen sich auf den Straßen und auch auf den Fuß- und Radwegen oft sehr schnell, sind jedoch für Fußgänger und Radfahrer häufig kaum zu hören. Die Unfallzahlen sind bereits alarmierend.

Aber auch die seit Jahrzehnten steigende Anzahl an SUV (Sports Utility Vehicles) gefährdet insbesondere Kinder, die zu Fuß unterwegs sind. Bei einem Unfall mit einem SUV ist die Gefahr schwerer und tödlicher Verletzungen besonders hoch, weil ihr Kopf und Brustkorb genau auf Höhe des Einschlagpunktes liegen. Kommt es zu einem Zusammenstoß, prallen Becken und Köpfe der Kinder gegen die vordere Haubenkante – mit fatalen Folgen.

Eine dringende Bitte der Stiftung Kindergesundheit an alle Autofahrer: Fahren Sie in der dunklen Jahreszeit besonders vorsichtig! Sorgen Sie vor dem Abfahren für gute Sicht rundum, säubern Sie auch die Rückspiegel, schalten Sie neben dem Fahrlicht auch Gebläse und Heizscheibe ein. Auch die frühzeitige Überprüfung der Reifen und Bremsen und ausreichend Frostschutzmittel im Wischwasser erhöhen die Sicherheit unserer Kinder auf der Straße.

Für sicheren Schulweg sorgen

Eltern sollten ihren Kindern durch gemeinsames Üben zeigen, wie sie ihr Verhalten in der dunklen Jahreszeit anpassen müssen. Die Stiftung Kindergesundheit nennt Beispiele:

• Muss das Kind eine Fahrbahn überqueren, sollte es dies möglichst an einer gut ausgeleuchteten Stelle tun, zum Beispiel bei einer Straßenlaterne. Das ist bei Dunkelheit sicherer als ein unbeleuchteter Zebrastreifen, weil das Licht auch bei schlechten Sichtverhältnissen wie Regen, Schneefall oder Nebel von den Autofahrern besser wahrgenommen werden kann.
• Wenn Kinder Distanzen zurücklegen müssen, die ohne eigenen Gehweg sind, ist es oberstes Gebot, immer links zu gehen, damit sich Fußgänger und Autofahrer möglichst früh erkennen können, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit.

Kinder sind und bleiben die schwächsten Verkehrsteilnehmer: Ihr Blickwinkel ist begrenzt, sie können links und rechts noch nicht sicher unterscheiden, sie haben Schwierigkeiten, die Geschwindigkeit von Autos einzuschätzen, sie sind leicht abzulenken und sie können sich nicht über längere Zeit konzentrieren. „Die Welt des motorisierten Straßenverkehrs ist nicht wirklich für Kinder gemacht, und absolut verkehrssichere Bedingungen gibt es nicht. Neben der Verantwortung der Autofahrer und der Verkehrserziehung durch Familien, Kitas und Schulen ist auch die Politik gefordert, den Straßenverkehr so zu gestalten, dass Risiken für Kinder soweit wie möglich reduziert werden“, sagt Professor Dr. Berthold Koletzko.

Wichtige Tipps für Schnee und Eis

Ski und Rodel erfreuen sich nicht nur in der Alpenregion, sondern auch im übrigen Deutschland großer Beliebtheit. Doch wo Wintersport getrieben wird, passieren auch Unfälle. Kleine Kinder fallen mit ihren Brettern häufiger hin als sie fahren. Ein Sturz auf die hart gewalzte Piste kann jedoch ganz schön wehtun.

Im Winter verletzen sich Kinder und Jugendliche besonders oft an Kopf und Hand, oder brechen sich den Unterschenkel. Durch das Tragen eines geeigneten Skihelmes kann das Risiko einer gefährlichen Kopfverletzung um bis zu 60 Prozent verringert werden, betont die Stiftung Kindergesundheit. Der Helm sollte unbedingt der EN-Norm 1077 entsprechen, da diese Modelle die von der EU bestimmten Mindestanforderungen für Funktion und Schutz erfüllen. Helme mit dem Prüfzeichen EN 1078 sind lediglich für Radfahren, Inline-Skating und Skateboarden geeignet.

Sehr wichtig: Der Helm muss optimal passen! Einen zu großen Helm zu kaufen in der Annahme, dass das Kind noch „hineinwächst“, ist laut Stiftung Kindergesundheit nicht sinnvoll. Die Kopfgröße von Kindern ändert sich relativ langsam. Bis dem Kind der zu große Skihelm irgendwann mal richtig passt, bietet er wenig oder gar keinen Schutz, da er leicht verrutschen kann. Der Helm sollte immer zusammen mit der eigenen Ski- und Sonnenbrille anprobiert werden. Auch hier gilt: Auffällige Farben machen das Kind für andere Skifahrer gut sichtbar.

Professor Berthold Koletzko betont: „Gegen Kinderunfälle gibt es leider keine Impfungen. Deshalb müssen sich Eltern, Autofahrer und alle Erwachsenen selbst verantwortungsvoll um die Sicherheit unserer Kinder bemühen“. idw.-