Mehr Fahrradpendler in Hessens Städten – Frankfurt auf dem Vormarsch
Die Zahl der Fahrradpendler in Hessen nimmt zu – besonders im Rhein-Main-Gebiet. Laut dem aktuellen Mikrozensus nutzten im vergangenen Jahr sieben Prozent der hessischen Erwerbstätigen das Fahrrad für den Weg zur Arbeit. Das liegt unter dem Bundesdurchschnitt von zehn Prozent. Doch die Statistik spiegelt nicht überall die Realität wider.
In Großstädten mit über 100.000 Einwohnern liegt der Anteil deutlich höher: Bei elf Prozent. In kleineren Gemeinden und auf dem Land ist das Fahrrad mit lediglich vier Prozent kaum verbreitet. Auffällig: 61 Prozent der Fahrradpendler legen Strecken unter fünf Kilometern zurück. Das unterstreicht die Bedeutung des Fahrrads insbesondere für kurze Distanzen.
Im Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main zeigen andere Erhebungen ein ganz anderes Bild. Eine Befragung der Integrierten Verkehrsmanagement GmbH (IVM) beziffert den Anteil der Fahrradpendler auf 23 Prozent – fast viermal so hoch wie der landesweite Durchschnitt. Auch Bus und Bahn (34 Prozent) sowie Fußwege (21 Prozent) spielen dort eine große Rolle. Ein Grund für die Differenz: Im Mikrozensus wird nur das Verkehrsmittel berücksichtigt, mit dem die längste Teilstrecke zurückgelegt wird.
„In den kreisfreien Städten sind doppelt so viele Pendler regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs wie in den Landkreisen“, berichtet IVM-Geschäftsführerin Heike Mühlhans unter Berufung auf eine Zusatzstichprobe der bundesweiten Studie „Mobilität in Deutschland“.
Besonders deutlich ist der Trend in Frankfurt. Dort radeln 27 Prozent der Beschäftigten zur Arbeit – gegenüber nur 26 Prozent, die das Auto nutzen. Noch 1998 betrug der Radanteil lediglich fünf Prozent, der Pkw-Anteil lag bei rund 50 Prozent. Die Zahlen stammen aus einer Langzeiterhebung der Technischen Universität Dresden.
Maßgeblich für diesen Wandel ist der Ausbau der Radinfrastruktur. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hessen fordert seit Jahren sichere und durchgängige Radwege sowie diebstahlsichere Abstellanlagen. Doch beim Bau von Radschnellwegen, wie der Strecke zwischen Darmstadt und Frankfurt, kommt es laut ADFC kaum voran. Bislang wurden elf Kilometer bis Langen fertiggestellt, weitere Trassen sind in Planung – etwa nach Hanau, Maintal, Wiesbaden und in die Wetterau.
Auch E-Bikes und Pedelecs verändern das Mobilitätsverhalten. „Früher gingen wir von fünf Kilometern aus, heute sind es zehn bis 15“, sagt Christine Breser, Mobilitätsberaterin der IVM. Das Förderprogramm „Besser zur Arbeit“ bringt Unternehmen dazu, fahrradfreundliche Bedingungen zu schaffen. Etwa ein Viertel der Belegschaft nutzt im Sommer das Rad.
Mit Umkleiden, Duschen und Leasingrädern wird das Fahrrad zur ernstzunehmenden Alternative im Berufsverkehr. Ein Trend, der nicht nur das Klima entlastet, sondern auch den Alltag vieler Pendler grundlegend verändert.