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Matthias Craß – Erbacher Jungwinzer als Senkrechtstarter

Das Vinum Magazin bezeichnete ihn als „eines der 25 deutschen Winzertalente des Jahres 2017“. Diese Auszeichnung erhielt Matthias Craß aus Eltville-Erbach nicht von ungefähr.
Matthias Craß -  Winzer mit Feingefühl und Sachverstand
Matthias Craß - Winzer mit Feingefühl und Sachverstand
Foto: Karl-Heinz Stier
Seine neue Vinothek
Seine neue Vinothek
Foto: Karl-Heinz Stier

Er arbeitet  nicht wie  mancher Kellermeister in Großbetrieben, die sich dem Zwang ausgesetzt sehen, möglichst schnell ihre Tropfen auf den Markt zu bringen, nein, seine Weinphilosophie ist anders:  er lässt seinem Wein Zeit, er lässt ihn sich entwickeln. Man müsse mit klaren und präzisen Weinen überzeugen. „Ich lege Wert auf einen eigenständigen Charakter meiner Weine, die man nur mit bester Traubenqualität erreicht. Deshalb ist bei mir selektive Lese per Hand vorwiegend Pflicht“. Jeder Weinberg werde bei der Ernte genau kontrolliert, schadhafte Trauben aussortiert. Die Trauben ruhen lange auf der Maische und kommen dann erst in die  Kelter. Auch bei der Kellertechnik ist Matthias Craß  sehr zurückhaltend, unterstützt wird lediglich im Reifeprozess. „Mein Ziel sind authentische Weine, die das Gebiet und die Lagen klar widerspiegeln“.

Soweit die Weinphilosophie des 37jährigen. Er stammt aus einer Familie mit langer Weintradition. Bereits vor 400 Jahren ließ sich Firmengründer, Gastronom und Winzer Hans Martin Graß im Rheingau nieder. Der Nachfahr Jakob Ignaz Craß war im 19. Jahrhundert Erbacher Bürgermeister und als Weinkommissionär überregional  bekannt. 1873 erwarb der Gastronom Karl Graß eine Burg in Eltville, um sie gastronomisch zu nutzen. Bis heute trägt sie den Namen Burg Craß.

Matthias Craß  ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und neun Jahren. Familienbedingt hat er schon im frühen Alter im elterlichen Weinbau mitgearbeitet. „Als „Erbacher Bub“ half er den Eltern beim Lesen und anderen Handreichungen. Sein weiterer Werdegang:  nach der Schule schloss er auf Schloss Vollrads die Ausbildung als Winzergehilfe ab, machte danach seinen Weinbautechniker in Bad Kreuznach und wurde  2. Kellermeister auf Schloss Vollrads. Dann kamen die drei Wanderstationen: Rauenthaler  Winzerverein (Kellermeister), zwei Jahre im Weingut Barth und  Kellermeister auf Schloss Reinhartshausen bis 2014.

Das Jahr 2014 war dann für ihn ein Schicksalsjahr. Sein Vater wurde 65, und trotz guter Referenzen bei den bisherigen Arbeitgebern hat er sich für die Selbstständigkeit und den Eintritt ins eigene Winzerunternehmen entschieden. Er kaufte das Gebäude in der Taunusstraße 2, um es als Restaurant zu nutzen. Und er änderte  gemäß seiner Philosophie so manches im Keller und den Weinbergen um.

Heute bewirtschaftet das Weingut Crass eine Rebfläche von etwa acht Hektar. Der größte Teil ist gebietstypisch mit Riesling (60 %) und Spätburgunder (20 %) bestockt. Doch auch Grauburgunder (7 %), Merlot, Sauvignon Blanc (5 %) und Gelber Muskateller – eine Spezialität de s Weinguts -  werden neu angebaut (Ertrag: derzeit 1000 Liter). „Ich arbeite gerne die feinen Unterschiede der Rebsorten und der Weinlagen heraus. Diese Facetten machen meine Weine eigenständig und besonders“, bekräftigte Matthias Craß.

Er baut 60 % seines Weines trocken aus, 30 % feinherb, der Rest geht in liebliche Richtungen. Seine Filetlagen sind in Erbach der Steinmorgen, der Hohenrain und der Michelmark sowie die Kiedricher Sandgrub. Die Böden rund um Erbach sind vielfältig ausgeprägt: im Steinmorgen Löss und Lösslehm, im Michelmark Kies und Mergel, im Hohenrain tiefgründiger  Lösslehm und tertiärer Mergel. Übrigens kann er in der Kürze seiner Weinbautätigkeiten auch schon Auszeichnungen vorweisen:  wie den Gault Millau 2017 – 2 Trauben, den Eichelmann 2017 – 1 1/2 Stern und bei der hessischen Landesweinprämierung 2017: 10 goldene Preismünzen. Der 2016 Erbacher Siegelsberg Riesling Alte Reben wurde sogar zum Landessieger in der Kategorie Riesling feinherb gewählt.

Probieren kann man seine 25 Sorten Weine in der angebauten Vinothek, zu denen auch Rieslinge und Spätburgunder im Holzfass (Halbstück) gehören. „Holzfässer sind wieder im Kommen“ , bemerkte Matthias Craß. Von dort stammen auch seine Lieblingsweine: eine Riesling Spätlese Alte Reben vom Erbacher Siegelsberg von 2016  und aus der gleichen Reblage ein 2015er Spätburgunder.

Und noch etwas ist empfehlenswert:  Das Restaurant Crass  in der Taunusstraße 2, ein schmucker Gutsausschank, den Küchenchef Denis Rook kulinarisch  seit zwei Jahren bestellt. Seine Speisekarte definiert sich mit über leicht deftigen Speisen mit regionalem Einschlag. So findet man darin zum Beispiel: „Claudias Spundekäs (6.50/5 Euro)“, in „Riesling eingelegter Handkäs“ (6.50/5 Euro), „Woihinkelche“ (14), „Schweinebäckchen“ (15.50), „Himmel und Erde“ (8.50 , „Frankfurter Grie Soß‘“ (9.50), „Wisper-Fortelle“(16.50), „Rumpsteak Rucola“ (16 ) oder „Schokoladen-Dreierlei“    (7.50). Die Ausschankweine (0,2) liegen zwischen 2.50 und 4,20 Euro.

Auf die Frage nach seinen weiteren Plänen überlegte Matthias Craß nicht lange: „Ich möchte gerne Sekte herstellen, die nach alter Handwerkskunst gerüttelt werden. Doch dazu brauche ich noch Platz“.

Doch eines steht schon heute fest: seit der Übernahme des elterlichen Weingutes geht es mit  Matthias Graß Weinphilosophie steil bergauf. So sagt  man über den Jungwinzer auch treffend: „ Er ist ein crasser Aufsteiger“.