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Letzte Aktualisierung: 08.02.2023

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Maria Stuart als schrilles Travestiespektakel

von Ilse Romahn

(25.01.2023) Grelle Bilder, schrille Figuren und ein mitunter ganz und gar nicht hoheitliches Benehmen: Das Theaterhaus sechzig90 bringt Schillers klassisches Drama Maria Stuart als knallig-exzentrisches Theaterstück auf die Bühne. Am Dienstag, 31. Januar, ist die moderne Interpretation um 20 Uhr im Großen Haus im Theater Rüsselsheim zu sehen.

Als Gast der Pekinger Universität wurde Angela Merkel von Studenten gefragt, wie es sich anfühle, als Frau eine Regierung zu leiten. Angela Merkel erwiderte, dass die Frage nicht einfach zu beantworten sei, weil sie noch nie ein Mann gewesen sei und daher nicht wisse, wie es sich für einen Mann anfühle.

Friedrich Schiller schuf mit seinem klassischen Drama und Trauerspiel zwei Archetypen mächtiger Frauen – für das Kollektiv Produktionsbüro Petra P. eine Vorlage par excellence: Dem Kampf der Diven um Leben und Tod ist mit Dezenz nicht beizukommen. Sie kleiden Schillers Pathos in Paillette, lesen das Drama quer und queer, von hinten und nicht von vorn.

„Das ist Trash vom Feinsten. […] Es wird geflucht, geblödelt, gekeift und gefurzt - und doch schwingt hinter den grellen Bildern den schrillen Figuren stets mehr mit.“ (Bonner Generalanzeiger)

Wie (Geschlechter-)Konstruktionen und Rollenbilder, die klassische dramatische Vorlagen wie Schillers Maria Stuart überliefern, sichtbar zu machen sind, ist nur ein Thema der theatralen Forschung des Künstlerkollektivs. Da oft erst die Überzeichnung dessen, was gemeinhin als normal gilt, einen neuen Blickwinkel auf diese „Normalität“ erlaubt, nimmt sich das Produktionsteam Maria Stuart“ als Travestiespektakel an: Konzentriert auf nur drei Darsteller tarieren sie die Spielräume zwischen Genderdebatte und Maskerade, queerer Theorie und Glamour, klassischem Versmaß und Zote aus.

„Das Anarchische dient als Werkzeug, um festgefahrene Rollenbilder zu zerschlagen, und gleichzeitig als Kontrastmittel zu jenen Passagen, die dann doch etwas nachdenklicher werden.“ (Bonner Generalanzeiger)

Maria Stuart – ein Königindrama ist ein bewusst nicht didaktisches, vielmehr dialektisches Experiment: Es ist die Aufdeckung von Geschlechterkonstruktionen bei maximaler (Spiel-)Freude an und mit allen Klischees - bis Kopf und Vorhang fallen.

Von und mit Daniel Breitfelder, Johannes Brüssau und Sebastian Breyer, produziert vom Theaterhaus sechzig90, Euro Theater Central Bonn und Produktionsbüro Petra P.. 

Am Dienstag, 31. Januar, ist Maria Stuart – ein Königindrama um 20 Uhr im Großen Haus im Theater Rüsselsheim zu sehen. Einlass ist ab 19 Uhr. 

Tickets und Ermäßigungen sind online und in den Servicestellen von Kultur123 Stadt Rüsselsheim erhältlich. Eintritt im Vorverkauf: 12 Euro pro Person, an der Abendkasse: 15 Euro pro Person.