Mangelhafte Toleranz an der Goethe-Uni
Auszug aus dem Buch „Aus der Zeit gefallen?"
Foto: Umschlaggestaltung: Sibylle Schug, Umschlagmotive: oben privat, unten IMAGO/Eibner Europa
Die drei Autoren sind hochkarätig: Der bewunderungswürdige Jürgen Großmann (Baujahr 1952), vormals neben tausend wichtigen anderen Funktionen Vorstandsvorsitzender der RWE AG, ferner der promovierte Orthopäde Dominik Pförringer, geboren 1980, und, keineswegs Quotenfrau, sondern ein Gewinn für die Gesellschaft, der Embryo unter den Dreien mit dem Geburtstag 1998, Franca Bauernfeind, bekannt u.a. als Bundesvorsitzende des Rings Christlich-Demokratischer Studenten RCDS und Mitglied im CDU-Bundesvorstand.
Diese drei Generationen also fühlen sich momentan „aus der Zeit gefallen“ – und empfinden dies als durchaus positiv. Sie stellen sich gemeinsam und jeder für sich den oben genannten beherrschenden Themen mit gesundem Menschenverstand und auch mit Humor, was das Lesen vergnüglicher macht. Hier eine Leseprobe von Franca Bauernfeind zum Thema Political Correctness mit Bezug auf die Goethe-Universität Frankfurt unter dem Titel „Sinkende Toleranzbereitschaft“:
„Der Einfluss von Moralisierung und Political Correctness auf die Toleranzbereitschaft lässt sich auch an empirischen Daten ablesen. Eine Umfrage aus dem Jahr 2020 der Wissenschaftler Matthias Revers und Richard Traunmüller zeigt erschütternde Ergebnisse in Bezug auf die Toleranzbereitschaft von Studenten an der Goethe-Universität Frankfurt. Eine beträchtliche Mehrheit spricht sich einerseits für die Einschränkung der Meinungsfreiheit aus. Aus Angst, stigmatisiert und sozial isoliert zu werden, tendierten Studenten andererseits zur Selbstzensur. Darüber hinaus gab ein Viertel aller Befragten an, wegen ihrer Meinungsäußerung persönliche Zurückweisung erlebt zu haben, ein Drittel der Studenten fühlte sich in Vorlesungen gehemmt, die eigene Meinung offen zu sagen, von der sie wussten, dass sie im universitären Umfeld als kontrovers gilt.
Die Ergebnisse der Studie verweisen außerdem darauf, dass die Intoleranz gegenüber Andersdenkenden entlang einer politischen Einstellung verläuft. Studenten, die sich selbst auf der linken Seite des ideologischen Spektrums verorteten, tolerierten deutlich seltener kontroverse Redner, Dozenten oder Bücher. Wo Toleranzbereitschaft gegenüber Andersdenkenden sinkt, steigt die Gefahr einer zunehmend eingeschränkten Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit.
Wie gezeigt, hat die Political Correctness als direkte Folge der Moralisierung Einfluss auf die Toleranzbereitschaft. Sinkende Toleranzbereitschaft und Political Correctness bestärken sich darüber hinaus gegenseitig. Indem die politisch korrekten Meinungen Anklang finden und von Menschen weitergetragen werden, die wenig Toleranz gegenüber Andersdenkenden aufweisen, werden jene politisch korrekten Meinungen verstärkt.
Im Gegenzug fühlen sich die ´Intoleranten´ in ihrem Vorgehen bestärkt, denn je stärker der Political-Correctness-Mechanismus ausgeprägt ist, desto höher sind der Konformitätsdruck und die Selbstzensur. So beeinflusst die sinkende Toleranzbereitschaft indirekt auch Ausgrenzung und Stigmatisierung sowie den sozialen Meinungsdruck und Selbstzensur positiv.“