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Letzte Aktualisierung: 17.05.2021

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Maßnahmen zum Klimaschutz

Das verhängnisvolle Wachstum der Weltbevölkerung: Wie geht´s weiter?

von Norbert Dörholt

(27.04.2021) Die EU und Deutschland haben zur Umsetzung des Klimaschutz-Abkommens von Paris für die verschiedenen Sektoren konkrete Ziele aufgestellt. Bis zum Jahr 2050 soll Klimaneutralität erreicht sein, 2030 muss dazu der Zwischenschritt mit einer Reduktion der CO2-Emissionen von etwa 55 Prozent im Vergleich zu 1990 gelingen. Der Wandel zum nachhaltigeren Wirtschaften und Leben hat begonnen. Taktgeber für diesen Transformationsprozess sind die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Die chemische Industrie unterstützt diese uneingeschränkt. Aber noch sind die Wege nicht kartiert – und genau darüber soll in dem am gestrigen Montag gestarteten gemeinsamen Projekt der drei Herausgeber von „DER BLOG“ offen debattiert werden [www.nachhaltigkeits.blog]. Ziel von DER BLOG ist: Eine möglichst breite Diskussion über eine nachhaltige Gesellschaft im Allgemeinen und eine nachhaltige chemische Industrie im Besonderen. Denn so sehr die Klimaziele der Vereinten Nationen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft einen, so ambitioniert und teilweise strittig sind die Wege zum notwendigen gemeinsamen Ziel.

Über „DER BLOG“

Die chemische Industrie in Deutschland muss und will deutliche Fortschritte in Richtung einer ökonomischen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit machen. DER BLOG soll unterschiedliche Perspektiven zu wichtigen Fragen der Nachhaltigkeit in der Chemie aufzeigen. Mutig. Fair. Offen. Ohne Vorurteile. Auf Augenhöhe. Als thematischer Leitfaden dienen dabei die 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Offen, überparteilich, ohne Denkverbote

Denn der menschengemachte Klimawandel ist Realität. Die Lebenszyklen auf der Erde sind nach zwei Jahrhunderten Industrialisierung und einem in der Geschichte zuvor unbekannten Wachstum der Weltbevölkerung in vielfältiger Weise aus dem Takt geraten. Artensterben, Übernutzung der Ressourcen, die Vernichtung lebensnotwendiger Wälder und Lebensräume sowie die Verschmutzung von Böden, Gewässern und Luft bedrohen das Leben auf der Erde. Nachhaltigkeit ist daher das zentrale Stichwort zur Beschreibung unserer gesamtgesellschaftlichen Zukunftsaufgabe.

Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Ursprünglich stammt der Begriff aus der Forstwirtschaft und hatte im Kern die Bedeutung, dass in einem bestimmten Zeitraum nicht mehr Holz dem Wald entnommen wird als nachwächst. In der aktuellen Diskussion werden auch soziale, wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Aspekte unter dem Begriff subsumiert.

Und genau in dieser Breite werden in den kommenden Monaten renommierte Gastautoren auf den Onlineseiten von DER BLOG das Thema diskutieren. Die von den Vereinten Nationen verabschiedete „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ dient dabei als Leitfaden. Sie beinhaltet 17 „Ziele für nachhaltige Entwicklung“, kurz SDGs (englisch: Sustainable Development Goals).

Zum Auftakt von DER BLOG erscheinen Beiträge, die mit dem nachhaltigen Entwicklungsziel 13 der Vereinten Nationen – „Maßnahmen zum Klimaschutz“ – in Verbindung stehen.
Die Autoren sind:

• 28.4.2021: Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie

• 30.4.2021: Svenja Schulze (SPD), Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

• 3.5.2021: Professor Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina

Die Beiträge sollen Widerspruch erzeugen. Leser sollen die hier ausgetauschten Argumente mit der eigenen Lebensrealität und Kenntnis abgleichen können und gerne auch darauf reagieren. Das ist der Prozess, den Gunda Röstel, Michael Vassiliadis und Christian Kullmann mit ihrer gemeinsamen Herausgeberschaft für DER BLOG anregen wollen.

Über die Herausgeber und ihre Motivation

Vor dem Einstieg in die Energie- und Wasserwirtschaft war Gunda Röstel Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. Die Prokuristin der Gelsenwasser AG und Geschäftsführerin der Dresdner Stadtentwässerung ist Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

Gemeinsam mit Michael Vassiliadis saß sie in der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, die einen Pfad für das Auslaufen der Kohleverstromung beschrieben hat. Beide sind auch Mitglied des Nationalen Wasserstoffrats. Vassiliadis ist Vorsitzender der IG BCE und vertritt die Interessen mehr als einer Million Beschäftigter in den energieintensiven Industrien und der Energiewirtschaft.

Christian Kullmann, seit 2017 Vorstandsvorsitzender von Evonik Industries AG und seit 2020 Präsident des in Frankfurt ansässigen Verbands der Chemischen Industrie (VCI), ist ein Freund des offenen Wortes. Anders als beim Ausstieg aus der Kohle, so hofft er, sollten Gespräch und Debatte so früh wie möglich beginnen. Mit dem Onlineangebot DER BLOG will er dafür gemeinsam mit Michael Vassiliadis und Gunda Röstel mehr Raum schaffen.

Stimmen der Herausgeber zum Projekt

Christian Kullmann: „Die Transformation hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und Lebensweise hat längst begonnen. Sie wird die Arbeits-, Produktions- und Lieferprozesse in allen Industrien betreffen – gerade auch die in der chemischen Industrie. Beginnend bei der Dekarbonisierung der Produktion selbst geht es darüber hinaus um die Umweltverträglichkeit unserer Grundstoffe und Produkte insgesamt. Das ist eine immense Herausforderung, der wir uns nicht verweigern. Den Transformationsprozess wollen und werden wir aktiv mitgestalten. Dafür brauchen wir verlässliche politische Zielsetzungen und Rahmenbedingungen.“

Gunda Röstel: „Gute, konstruktive Debatten brauchen Diversität. Und genau die wollen wir mit unserer gemeinsamen Herausgeberschaft für diesen Blog fördern. Denn die chemische Industrie ist doch nur einer von vielen Akteuren. Die Sicht des VCI auf die Aspekte der Transformation unterscheidet sich wahrscheinlich von derjenigen anderer Wirtschaftsverbände und in der Art und Weise möglicher Lösungen vermutlich auch von jener der Umweltverbände. Weil wir am Ende nur gemeinsam etwas verändern können, müssen wir dringend damit beginnen, die Sicht der anderen zunächst einmal wahrzunehmen. Wahrnehmen heißt nicht, Ansichten zu teilen.“

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE: „Für die Gestaltung der Zukunft gibt es kein Patentrezept. Was wir einbringen können, sind unser Know-how und die Erfahrungen der Beschäftigten – allein in der chemischen Industrie sind das mehr als 500.000 in Deutschland, mehrere Millionen weltweit. Mit diesem breiten Wissen wollen wir uns in den gesellschaftlichen Diskurs darüber einbringen. Wir wollen helfen, die Wege in eine nachhaltige Zukunft zu kartieren und nachhaltig zukunftsfeste Arbeitsplätze in der Transformation sichern und schaffen.“

Projektinformation

Zielgruppen

Erreicht werden sollen vorrangig die Politik und Parteien, überdies die verschiedensten Interessensverbände inklusive der Naturschutzverbände, die Mitglieder des VCI, die Mitglieder der IG BCE sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Der einzelne Blog-Beitrag

Jeweils drei oder vier Persönlichkeiten werden sich in den kommenden Monaten aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit einem der SDGs auseinandersetzen. Dabei geht es immer um die Frage, welche wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen oder gesellschaftlichen Veränderungen nötig sind, um die Chemie-Branche nachhaltiger oder den Beitrag der Chemie-Branche zur nachhaltigen Entwicklung wirkungsvoller zu machen. Damit dezidiert auch um die Frage, wo die chemische Industrie diesen Zielen – noch? – entgegensteht.