Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 07.04.2020

Werbung
Werbung

Lichtprojektion von Robert Seidel auf der Fassade des Deutschen Romantik-Museums

von Kristina Faber

(12.03.2020) Robert Seidel wird zur Luminale die Fassade des künftigen Deutschen Romantik-Museums inszenieren. Dabei lässt er sich von der Sammlung des Freien Deutschen Hochstifts inspirieren. In seiner Projektion will er Schaffensprozesse fragmentarisch sichtbar werden lassen.

Die Gerüste am Großen Hirschgraben 17–21 sind verschwunden und somit ist der Blick frei auf die Fassade des Deutschen Romantik-Museums, das hier 2021 eröffnen wird. Zur Luminale 2020 wird der in Berlin lebende Künstler Robert Seidel diese Fassade inszenieren. Die Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung markiert dabei den Beginn einer Reihe von Veranstaltungen bis zur Eröffnung des neuen Museums.

Schaffensprozesse sind komplex verästelt, in ihnen verspannen sich Anspruch und Realisierung mit ungewissem Ausgang. Die Projektion von Robert Seidel versammelt die Fragmente eines solchen nichtlinearen Prozesses und bildet ihn auf der Fassade des neuen Deutschen Romantik-Museums ab. Inspiriert von den umfassenden Archiven des Freien Deutschen Hochstifts, dem Trägerverein des Museums und des Frankfurter Goethe-Hauses, und den in den vergangenen hundert Jahren zusammengetragenen Handschriften, Manuskripten und Zeichnungen wird in Seidels Arbeit ‚Obsidian‘ der schweifende Blick des Künstlers als Entdecker eingefangen, der aus einer überbordenden Fülle von Quellen etwas Ungesehenes schafft.

„Ein Ereignis wie die Luminale lädt dazu ein, Orte im Stadtraum immer wieder neu zu ‚besetzen’", erklärt Robert Seidel. „Gebäude, die man aus dem Alltag heraus gar nicht mehr wahrnimmt, können auf diese Weise eine Art Verwandlung erfahren, neu inszeniert werden."

Unterstützt von artifiziellem Nebel und einem eigens komponierten Soundtrack von Markus Popp (Oval) und der Altistin Stine Marie Fischer wird ‚Obsidian‘ ein kristallines Assoziationsnetz entfalten, welche das Erhabene und Ungreifbare in die urbane Sinneswelt zurückholt.

Robert Seidel arbeitet an der Grenzerweiterung von abstrahierter Schönheit durch visuelle, technologische und wissenschaftliche Ansätze. Seine Projektionen, Installationen und Experimentalfilme wurden auf zahlreichen internationalen Festivals und in Museen wie dem Palais des Beaux-Arts Lille, ZKM Karlsruhe, Art Center Nabi Seoul, Young Projects Los Angeles sowie dem MOCA Taipeh gezeigt und unter anderem mit dem Ehrenpreis der KunstFilmBiennale und dem Visual Music Award Frankfurt ausgezeichnet.

‚Digital Romantic‘ am Deutschen Romantik-Museum
Bereits vor der Eröffnung des Deutschen Romantik-Museums in Frankfurt am Main hat die Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung das Thema ‚Digital Romantic zu ihrem Leitmotiv gemacht. Licht als Medium und Material vereint in sich die Gegensätzlichkeit dieser beiden Begriffe. Es scheint geeignet, die Frage nach der Wechselwirkung, dem Zusammenspiel und der Bedeutung von Digitalem und Romantik zu beantworten. Ausgelotet werden sollen nicht nur die gestalterischen Aspekte, sondern auch die historische und gesellschaftliche Dimension, die Verbindungen zwischen der Epoche der Romantik und der gegenwärtigen digitalen Revolution.

Dr. Mareike Hennig, Leiterin der Kunstsammlungen des Freien Deutschen Hochstifts: „Robert Seidel als Künstler für die Fassade des Deutschen Romantik-Museums gewonnen zu haben, ist ein großes Glück. Seine Arbeiten lassen spürbar werden, was schon die Romantiker bewegte, das Verlangen, Gegensätze zusammen zu bringen, ohne sie zu nivellieren: Licht und Dunkelheit, Vergänglichkeit und Unbedingtheit, Abgrund und Glück, die Manifestation von Schönheit im Ephemeren. Ohne sich auf ein einzelnes, konkretes Objekt aus unserem Bestand zu beziehen, spürt Robert Seidel dem feinen Verlauf des Entstehens von Kunst nach. Er erschafft dabei selbst ein Werk, das so schön und klug, der Romantik nach Jahrhunderten einen weiteren Ton hinzufügt."

Die im Rahmen einer Kooperation des Freien Deutschen Hochstifts und der Luminale entstandene Arbeit von Robert Seidel zeigt so eindrücklich, dass Lichtkunst nicht nur Oberflächen verändert, sondern vielmehr neue Bedeutungsebenen aufzeigt, Perspektiven öffnet und Sinnschichten offenlegt, die vorher verborgen waren.

13.-15. März 2020 Luminale TALK
Im Festivalzentrum, dem Instituto Cervantes, bietet Luminale TALK an drei Tagen Raum zum interdisziplinären Dialog und Diskurs mit renommierten Expert*innen aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik. Der Thementag ‚Digital Romantic‘ am 14. März ist eine Kooperation der Luminale mit dem Freien Deutschen Hochstift.

14. März 2020: Thementag ‚Digital Romantic‘

Eine Kooperation von Luminale und Freies Deutsches Hochstift

Mit diesem Thema möchte die Luminale 2020 zu einer Auseinandersetzung mit scheinbar Widersprüchlichem inspirieren, denn Licht vereint als Medium und Material (der Kunst wie auch der Stadtgestaltung) genau diese Gegensätze in sich: Licht ist digital und romantisch zugleich, Licht verwandelt, verzaubert bekannte Orte und fügt ihnen neue Seh- und Bedeutungsebenen hinzu.

Ausgelotet werden soll aber nicht nur die künstlerische, sondern auch die historische, stadtplanerische und gesellschaftliche Dimension des gewählten Schwerpunkts. So geht es im Luminale TALK um Romantik als kulturgeschichtliche Epoche, um neue Romantik in urbanen Zentren, um digitale Romanzen in Online-Dating-Plattformen und schließlich um die Frage nach einer Versöhnung von Digitalem und Romantischem im Zuge der großen gesellschaftlichen Umbrüche, deren Zeugen wir gerade werden. Ist eine neue Romantik die Antwort auf die Objektivierung des Menschen durch das Digitale, und kann das Digitale romantisch sein – oder die Romantik digital?

12–14 Uhr Künstler*innen im Gespräch Robert Seidel (Obsidian) u.a.
14:15–15 Uhr Das Deutsche Romantik-Museum in Frankfurt am Main
Vortrag von Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts)
15:15–16:30 Uhr Romantische Stadtansichten Podiumsdiskussion mit Dr. Mareike Hennig (Leiterin der Kunstsammlungen im Freien Deutschen Hochstift), Michael Gunterdorf, Nikolaus Hirsch
16:45–18:15 Uhr Digitale Romanzen
Podiumsdiskussion mit Barghavi Govindarajan, Dr. Kai Dröge, Robin K. Bieber
18:30–20 Uhr Umbruch, Aufbruch – Romantik 2.0
Podiumsdiskussion mit Prof. Wolfgang Bunzel (Leiter der Abteilung Romantikforschung im Freien Deutschen Hochstift, Prof. Melanie Jaeger-Erben, Prof. Matthias Wagner K

Moderation: Michael Hierholzer, Leiter des Kulturressorts in der F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung
Durch das Programm führt Rainer Ewerrien, Autor und Schauspieler.

Veranstaltungsort: Instituto Cervantes, Staufenstraße 1, 60323 Frankfurt am Main

Die Luminale
Seit 2002 findet in Frankfurt alle zwei Jahre die Luminale statt. Ursprünglich von der Messe Frankfurt in enger Zusammenarbeit mit der ausstellenden Industrie der Light + Building initiiert, ist das Lichtfestival heute eine der größten kulturellen Veranstaltungen in Frankfurt und der Rhein- Main-Region. Die inhaltliche Ausrichtung der Luminale als Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung verfolgt seit 2018 das Ziel, ein populäres und gleichzeitig künstlerisch und inhaltlich hochwertiges Programm zu gestalten sowie einen nachhaltigen Beitrag zur Stadtgestaltung zu leisten. Die Stadt wird so nicht nur Bühne, sondern auch Gegenstand des Festivals. Projekte, die sich mit urbanen Visionen im Spannungsfeld von Licht, Architektur, Technologie, Ökologie und dem sozialen Miteinander in der Stadt oder mit ihrer Geschichte und Kultur auseinandersetzen, machen dies erlebbar – begleitet von einem interdisziplinären Dialog zu damit verbunden Fragestellungen. Die Luminale 2018 zeigte 150 Lichtinszenierungen in Frankfurt und Offenbach und zog knapp 250.000 Besucher an. Herzstück der Luminale im städtischen Raum ist der Light Walk. Auf ihm verbinden sich zu Fuß erreichbare Orte zu einem Stadtrundgang und einer öffentlichen Galerie der Lichtkunst. Der Luminale e. V. hat sich im Juni 2017 als gemeinnützige Organisation gegründet, um die Luminale als Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung zu fördern und zu organisieren.

Weitere Informationen zum Luminale-Programm www.luminale.de