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Letzte Aktualisierung: 05.03.2021

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Lesungsreihe ‚Frankfurter Premieren‘ weiterhin digital

Gespräch und Lesung mit Martin Mosebach über ‚Krass‘ am Donnerstag, 4. Februar

von Ilse Romahn

(02.02.2021) Die vom Kulturamt Frankfurt organisierte Reihe Frankfurter Premieren stellt neue Bücher aus Frankfurter Verlagen oder von Autoren mit Frankfurt-Bezug vor. Die erst Folge des Jahres 2021 findet als Livestream statt.

Martin Mosebach
Foto: Stadt Frankfurt / Hagen Schmauss
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Am Donnerstag, 4. Februar, um 19.30 Uhr, ist der Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach zu Gast und stellt im Gespräch mit Bernd Eilert seinen jüngst erschienenen und begeistert rezensierten Roman „Krass“ (Rowohlt) vor. Der Livestream steht im YouTube-Kanal des Kulturamts Frankfurt kostenfrei zur Verfügung und ist im Anschluss dreißig Tage auf Abruf bereit: https://youtu.be/nFvq4FwJ2wA

Ralph Krass lautet sein Name und nomen est omen: Der machtbewusste Unternehmer, eine Urgewalt wie der Vesuv, in dem er sich spiegelt, kennt weder Gnade noch Recht, hält alles für käuflich und bleibt bei aller Klarheit doch geheimnisumwittert wie seine Geschäfte. An seiner Seite Dr. Jüngel, man hört ein „chen“ am Ende, der eilfertige und devote Assistent mit Liebesschmerz. Beauftragt die Reise des Krasschen Hofstaates - vulgo Parasitentruppe - nach Neapel im Jahre 1988 zu organisieren, fällt er in Ungnade, ohne zu wissen, warum und überdies ohne Abfindung. Auch der luftig-frivolen Lebenskünstlerin Lindewinde, der „keineswegs makellos Schönen“, wird die Gunst des Patriarchen entzogen, wenn auch aufs Feinste ausstaffiert. Wer in diesem Figurentableau, das um eine abservierte Gattin, einen einsamen Klosterschuster, einen ägyptischen Winkeladvokaten und viele eindrückliche Charaktere mehr noch bereichert wird, die Fäden zieht, bleibt offen. Eine unsichtbare Hand, die Parzen oder doch ein großartiger Schriftsteller, blitzend vor Erzähllust und mit leicht ironischem Blick seine Figuren in ihrem Treiben bis zu ihrem (un)seligen Wiedersehen 20 Jahre später in Kairo begleitend?

Unzweifelhaft, dass das alles kein Zufall sein kann. Und unzweifelhaft ist ebenso, dass Martin Mosebach mit „Krass“ einen meisterhaft erzählten Roman geschrieben hat, der die Literatur um großartige Figuren und bildmächtige, detailgenaue Landschaftsgemälde bereichert hat. Ein Lesevergnügen der besten Art.

Martin Mosebach war zunächst als Jurist tätig, bevor er sich 1983 dem Schreiben zuwandte. Für seine Romane, Erzählungen, Gedichte, Libretti und Essays gewann er zahlreiche Preise, etwa den Georg-Büchner-Preis (2007). Er lebt in Frankfurt.

Der Autor und Redakteur Bernd Eilert gehörte zur Neuen Frankfurter Schule und ist Mitbegründer der Satirezeitschrift Titanic. Bekannt geworden ist vor allem durch seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Komiker Otto Waalkes.

Die Veranstaltung mit Martin Mosebach und Bernd Eilert ist eine Kooperation des Kulturamts Frankfurt am Main mit der Evangelischen Akademie Frankfurt und wird gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds. Die Digitalisierung der Reihe wird in loser Folge fortgesetzt.

Bisher sind in der Reihe Frankfurter Premieren digital erschienen:
#1 Ingo Schulze im Gespräch mit Alf Mentzer – „Die rechtschaffenen Mörder“
#2 Julia Malik im Gespräch mit Bärbel Schäfer – „Brauch Blau“
#3 Leif Randt im Gespräch mit Christian Metz – „Allegro Pastell“
#4 Jürgen Kaube im Gespräch mit Lothar Müller – „Hegels Welt“
#5 Deniz Ohde im Gespräch mit Shirin Sojitrawalla – „Streulicht“ (ffm)