Lesetipp: Erdöl - Ein Atlas der Petromoderne
Ein kluger, kritischer Essay über die kulturellen, politischen und psychologischen Mechanismen, die unsere Gesellschaft in der Ära der fossilen Energie geprägt haben – und darüber, wie schwer es ist, sich davon zu lösen.
Foto: Herausgeber: Matthes & Seitz Berlin
Zentrale Themen
Klimakommunikation in der Krise: Medien und Verlage vermeiden das Wort „Klima“ aus Angst vor Polarisierung – es könnte entweder nerven oder empören.
Rückzug der Wissenschaft: Forscher überlegen, ob man die Kommunikation über Klima und Biodiversität besser hinter verschlossenen Türen führen sollte, um nicht kontraproduktiv zu wirken.
Individualisierung der Verantwortung: Der „selbstbestimmte Bürger“ entscheidet allein über Heizung, Auto und Fleischkonsum – ein Narrativ, das politische Verantwortung ausblendet.
Verpasste Chancen: Seit der Gelbwestenbewegung 2018 ist klar, dass viele Menschen das Monatsende mehr fürchten als das Ende der Welt – doch weder soziale Absicherung noch eine positive Vision für den Wandel wurden angeboten.
Verlust kultureller Narrative: Die fossile Moderne hat Sehnsüchte, Identitäten und Lebensstile geprägt – von Leberkäse bis Massentierhaltung. Die ökologische Transformation wird als Verlust erlebt, nicht als Gewinn.
Neue Erzählungen für konservative Milieus: Eine Studie der Humboldt-Universität zeigt, wie Klimaschutz mit Werten wie Stabilität und Souveränität kommuniziert werden kann – durch sogenanntes „Moral Reframing“.
Eine Vision für die Zukunft
Das Buch plädiert für eine neue Erzählung: Eine Gesellschaft, die ihre Verbindung zur Natur wiederentdeckt, kann gesünder, schöner und lebenswerter sein. Grüne Städte, lokale Energie, weniger Lärm – das sind die Reichtümer einer postfossilen Welt.
Von Benjamin Steininger und Alexander Klose