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Letzte Aktualisierung: 20.09.2021

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Leitlinien zur Sprachförderung

von Ilse Romahn

(08.09.2021) In Frankfurt am Main steigt tendenziell die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die einen Förderbedarf in Deutsch haben oder Sprachauffälligkeiten zeigen. Das zeigen unter anderem die Ergebnisse des Frankfurter Integrations- und Diversitätsmonitoring und des Kindergesundheitsberichts des Frankfurter Gesundheitsamts.

Kinder mit einem sogenannten Migrationshintergrund weisen in der Sprachentwicklung häufiger Auffälligkeiten auf als Kinder ohne Migrationshintergrund. „Auch die Pandemie hinterlässt ihre Spuren und zeigt uns, wie hoch der Bedarf nach Sprachförderung ist,“ sagt Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber. So hatten Kinder mit sprachlichem Förderbedarf im Homeschooling deutlich mehr Schwierigkeiten, dem Fernunterricht zu folgen.

Um der Sprachbildung in Frankfurt einen neuen Schub zu verleihen, haben die Ämter und Betriebe im Dezernat Integration und Bildung nun Leitlinien für die Förderung von Sprache entwickelt. Ziel ist es, in einem ersten Schritt auf dem Weg zu einem Gesamtkonzept für eine biografiebegleitende Sprachförderung ein gemeinsames Verständnis von Sprachbildung zu entwickeln. Die Leitlinien beziehen sich auf alle Arbeitsbereiche und Dienstleistungen im Dezernatsbereich und sollen dafür sensibilisieren, dass jeder Mensch im alltäglichen Umgang einen Beitrag zur Sprachbildung leisten kann und soll. Auch Mitarbeitende sollen künftig in die Sprachförderung einbezogen werden. Wer im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern ist, kann etwa Gespräche als eine Situation der Sprachbildung nutzen. Das gilt für viele alltägliche Anlässe, zum Beispiel für die Beratung und Anmeldung zu Deutschkursen in der Volkshochschule und in der AmkA.Info, der Vermittlungsstelle des Amts für multikulturelle Angelegenheiten im stadtRAUMfrankfurt, oder auch für die Beratung im Stadtschulamt über Kita- oder Schulplätze. 

Entwickelt wurden die Leitlinien von einem Arbeitskreis, in dem neben dem Dezernat das Stadtschulamt, Kita Frankfurt und die Volkshochschule mitgearbeitet haben. Die Federführung lag beim Amt für multikulturelle Angelegenheiten. „Ich freue mich, dass wir mit den Leitlinien eine neue Perspektive auf Sprachförderung werfen,“ sagt Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber. Neben der Sensibilisierung für Sprachanlässe im Alltag müsse Sprachförderung Personen in jedem Alter im Fokus haben. Unterschiedliche Angebote entlang der Lebensbiografie sollten sich gut miteineinander verzahnen und aufeinander aufbauen. „Dieses Verständnis hat Frankfurt nun vermutlich als eine der ersten Kommunen in den Leitlinien festgehalten. Besonders wichtig ist auch, dass ausdrücklich auf einen diskriminierungssensiblen und rassismuskritischen Sprachgebrauch hingewiesen wird“, sagt Stadträtin Weber.
 
Wertschätzung von Diversität und ein sensibler Umgang mit Sprache
Weitere zentrale Punkte der Leitlinien sind unter anderem die Wertschätzung von Diversität, Förderung von Mehrsprachigkeit, lebenslanges Lernen sowie das Ermöglichen von Partizipation. Die Leitlinien fordern zudem eine stärkere Vernetzung verschiedener Akteurinnen und Akteure der Sprachförderung – darunter vor allem Kitas, Schulen, Familienbildung, Deutschkurse und Berufsausbildung. Diese Vernetzung ist besonders wichtig, um die Teilhabe an Bildung und Beruf zu ermöglichen und bildungssprachliche Kompetenzen zu fördern. Daher hat der Arbeitskreis Sprachbildung neben der Veröffentlichung der Leitlinien bereits mehrere Veranstaltungen für Fachkräfte im Bereich der Sprachbildung organisiert und durchgeführt, die die Netzwerkbildung fördern. Auch die Website sprachbildung-in-frankfurt.de dient diesem Ziel, stellt Fachinformationen und Veranstaltungsankündigungen und nunmehr auch die Leitlinien zum Download bereit.

In Abstimmung zwischen den künftigen getrennten Dezernaten Integration und Bildung sollen die Leitlinien nun im nächsten Schritt mit weiteren Akteurinnen und Akteuren im Sprachbildungsbereich diskutiert und weiter mit Leben gefüllt werden. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung eines stadtweiten Gesamtkonzepts zur Sprachförderung, das Angebote und Anbieter bestmöglich und im Sinne einer lebensbegleitenden Bildungskette aufeinander abstimmt. (ffm)