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Lederwarenbranche bleibt trotz Gegenwind stabil

Zum Start der Internationalen Lederwarenmesse (ILM) zieht der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie e.V. eine verhalten stabile Bilanz für die deutsche Lederwaren- und Kofferindustrie im ersten Halbjahr 2026. Nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr blieben die Umsätze weitgehend stabil. Reisen, Mobilität sowie der Wunsch nach Qualität und individuellem Stil bleiben wichtige Impulse für die Branche.

Die Verkaufserlöse der deutschen Hersteller lagen im ersten Halbjahr 2026 nur 1,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im Inland sanken sie um 1,3 Prozent auf 162,5 Millionen Euro, im Ausland um 0,6 Prozent auf 70,8 Millionen Euro. Die Beschäftigtenzahl in größeren Betrieben ging nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 11,1 Prozent auf 760 zurück; insgesamt beschäftigt die Branche schätzungsweise rund 2.300 Menschen.

Preise entwickeln sich uneinheitlich
Die Preisentwicklung fiel uneinheitlich aus. Die Erzeugerpreise für Lederwaren stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Binnen zehn Jahren erhöhten sie sich damit um 19,8 Prozent.

Auf Verbraucherseite gingen die Preise für Lederwaren leicht um 0,5 Prozent zurück. Koffer, Reisetaschen und Schulranzen wurden günstiger, während Handtaschen und Geldbörsen nahezu stabil blieben. Aktenkoffer und Aktentaschen verteuerten sich dagegen um 1,6 Prozent.

Exporte legen leicht zu 
Die Ausfuhren entwickelten sich leicht positiv. Lederwaren und Koffer im Wert von 1,3 Milliarden Euro wurden aus Deutschland exportiert, 1,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Wichtige Abnehmerländer waren Polen und die Schweiz; rückläufig waren die Exporte nach Frankreich, Österreich und Italien.

Außerhalb der EU legten die Ausfuhren in die USA und nach Großbritannien zu, während das China-Geschäft rückläufig war. Bei Reisegepäck zeigten sich Zuwächse unter anderem bei Reisetaschen aus Spinnstoff sowie Koffern aus Aluminium; Koffer aus formgepresstem Kunststoff verzeichneten deutliche Rückgänge.

Handtaschenexporte bleiben wertstabil
Die Handtaschenexporte blieben wertseitig stabil. Von Januar bis Juni wurden 9,7 Millionen Handtaschen im Wert von 274,3 Millionen Euro ausgeführt. Die Stückzahl sank um 5,3 Prozent, der Ausfuhrwert blieb mit plus 0,3 Prozent nahezu unverändert.

Importe gehen zurück
Die Einfuhren von Lederwaren, Koffern und Reisegepäck gingen dagegen zurück. Der Importwert sank im ersten Halbjahr 2026 um 7,9 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Besonders Reisegepäck und Koffer verzeichneten Rückgänge; stabil entwickelten sich Ledergürtel, -koppel und -schulterriemen.

China blieb wichtigstes Lieferland, verlor jedoch an Bedeutung: Der Importwert sank um 8,1 Prozent auf 866,4 Millionen Euro, der Anteil am gesamten Importwert von 44,2 auf 42,0 Prozent. Italien legte als zweitwichtigstes Lieferland leicht auf 271,9 Millionen Euro zu.

Handtaschenimporte sinken
Auch bei Handtaschen waren die Importe rückläufig. Insgesamt wurden 26,6 Millionen Handtaschen im Wert von 560,7 Millionen Euro eingeführt. Das entspricht einem Minus von 5,6 Prozent bei der Stückzahl und 5,4 Prozent beim Wert. Der Durchschnittspreis blieb nahezu stabil.

Anspruchsvolles Marktumfeld bleibt
Der Ausblick bleibt verhalten. Konsumzurückhaltung, geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und hohe Kosten belasten die Branche. Vor allem steigende Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten wirken sich auf Produktion und Lieferketten aus.

Gleichzeitig bleibt die Reiselust ein wichtiger positiver Faktor. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten die Übernachtungen in Deutschland mit 223,8 Millionen einen neuen Höchstwert. Steigende Preise für Reisen und Mobilität könnten die Budgets der Verbraucher jedoch stärker belasten.

Für die kommenden Monate rechnet die Branche daher weiter mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Entscheidend bleiben flexible Lieferketten, genaue Kostensteuerung und Produkte, die veränderte Verbraucherbedürfnisse gezielt aufgreifen.

Trotz Unsicherheiten bleiben Taschen und Reisegepäck eng mit Mobilität und Urlaub verbunden – und damit mit einem Konsumbedürfnis, das auch in einem schwierigen Umfeld relevant bleibt